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Schließung von Restaurants und Kneipen sowie Absage von Festen trifft Bierbrauer.

Bier : Brauwirtschaft rechnet mit massiven Verlusten

Der Braubranche droht durch die Coronakrise ein doppeltes Absatzproblem: Der Deutsche Brauer-Bund berichtet von deutlichen Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen auf die wichtigen Exportmärkte. Zugleich drücken innerhalb Deutschlands die massiven Einschränkungen für Restaurants und die Schließung der Kneipen den Bierausschank.

Zudem verpufften am Dienstag die Hoffnungen auf die Effekte der Fußball-EM, nachdem die Europäische Fußball-Union den Wettbewerb wegen der Coronavirus-Pandemie um ein Jahr verschoben hatte.

„Schon heute steht fest, dass die Corona-Pandemie massive Auswirkungen auf die 1500 Brauereien in Deutschland haben wird“, sagt der Hauptgeschäftsführer des deutschen Brauer-Bundes Holger Eichele. Für die wichtigsten Auslandsmärkte Italien und China müssten die Planungen drastisch nach unten korrigiert werden, stellenweise seien Lieferketten und Geschäftsbeziehungen völlig zum Erliegen gekommen. Vielfach stünden nicht nur Absatzmengen, sondern vor allem auch Margen auf dem Spiel. An der Gastronomie werde nämlich vergleichsweise gut verdient, auch wenn diese hohe finanzielle Risiken berge. „Die Krise dürfte sich für die Brauwirtschaft deshalb auf die Ergebnisse auswirken, mehr als auf die Absätze“, sagte er. Die Gastronomie stehe für knapp 20 Prozent des Absatzes.

Das Fassbiergeschäft sei in weiten Teilen zum Erliegen gekommen, heißt es bei der Privatbrauerei Veltins. Der Absatz von Flaschenbier laufe hingegen unverändert, sagte Veltins-Sprecher Ulrich Biene. In Getränkefachmärkten und im Lebensmittelhandel werde auch deutlich mehr Bier gekauft als sonst, ähnlich den Hamsterkäufen bei Lebensmitteln.

Die Oetker-Biersparte Radeberger Gruppe erklärte, die Auswirkungen auf Veranstaltungen und Gastronomie und so auch auf die Getränke- und Brauwirtschaft seien noch nicht kalkulierbar. „Das gilt sowohl für den Inlandsmarkt als auch darüber hinaus“, sagte eine Sprecherin des Biermarktführers, der einen großen Standort in Dortmund hat und unter anderem Altbier herstellt und Kölsch-Marken führt. Ähnlich äußerte sich bereits die Homburger Karlsberg-Brauerei bei ihrer Bilanz-Pressekonferenz. Die Folgen von Corona auf die Brauwirtschaft seien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös abschätzbar. Entscheidend sei auch, welche Feste und Veranstaltungen in den kommenden Monaten stattfinden können. „Wir brauchen jetzt dringend Frühling“, meint Veltins-Sprecher Biene. Mit steigenden Temperaturen und Sonnenschein werde der heimische Garten wieder zum Grillen genutzt. Wichtiger Test für die Branche sei das Ostergeschäft im April. Schönes Wetter könne einiges auffangen. Eine Fußball-EM mit gutem Abschneiden der Nationalmannschaft habe in Vor-Coronazeiten bis zu einem Prozent Absatzplus für den deutschen Jahres-Bierabsatz bedeutet, hieß es.