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Salzgitter-Konzern fordert Staatshilfe für klimafreundliche Stahlindustrie

Umstellung auf „grünen Stahl“ : Salzgitter-Konzern fordert Staatshilfe für klimafreundliche Stahlindustrie

Der Salzgitter-Konzern fordert politische und finanzielle Hilfe für die Umstellung der Stahlproduktion auf klimafreundlichere Verfahren – ähnlich wie die Landespolitik im Saarland.

„Die Stahlindustrie ist zwar in der Lage, einen substanziellen eigenen finanziellen Beitrag zur CO2-Minderung unserer Gesellschaft zu leisten, aber ohne eine öffentliche Anschub-Finanzierung wird das nicht umzusetzen sein“, sagte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann der Zeitung „Welt“.

Mit dem entsprechenden politischen Willen könne viel bewegt werden, sagte Fuhrmann und verwies auf andere Subventionsfälle. „Airbus ist auch anschubfinanziert worden und zig andere ebenfalls. Batteriezellen-Fabriken zum Beispiel werden bezuschusst, Braunkohlegebiete sogar in einem ganz hohen Maße.“

Auch auf EU-Ebene könne der Einsatz von „grünem Stahl“ gefördert werden, sagte der Salzgitter-Chef. Denkbar sei ein „Grenzausgleich“: „Dabei ist auf Import-Stahl mit großem CO2-Rucksack so viel Aufschlag zu zahlen, so dass er preislich mit dem klimafreundlich produzierten Stahl aus Deutschland und Europa gleichgestellt ist.“

Im Saarland dürfte man die Forderungen des Branchenriesen aufmerksam registrieren. Auch die Landesregierung drängt seit Monaten auf Milliardenhilfen des Bundes bei der Umstellung auf „grünen Stahl“, nachdem Dillinger und Saarstahl einen massiven Stellenabbau verkündet haben. Die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) legte sich mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an, Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) wandte sich im vergangenen Oktober in einem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Dabei verwies Hans auf den Kohleausstieg, für den 40 Milliarden Euro an Bundesmitteln eingeplant sind. „Wenn wir 40 Milliarden haben, um aus Klimaschutzgründen aus der Kohleverstromung auszusteigen, müssen wir auch einen Milliardenbetrag, der nicht zweistellig ist, aufbringen können, um unsere Stahlindustrie in eine klimaneutrale Zukunft zu führen“, schrieb Hans an Merkel.

Bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Elmau fassten die Regierungschefs der Länder außerdem einen Beschluss zur Stahlindustrie, den Hans als „großen Erfolg“ verbuchte. Neben einem Bekenntnis zur deutschen Stahlindustrie enthält das Papier eine Reihe von Punkten, die auch der Salzgitter-Chef anspricht – auch die Förderung einer CO2-neutralen Stahlproduktion wird angesprochen. Fuhrmann schätzt die Kosten für eine Umstellung auf der Basis von Wasserstoff allein für sein Unternehmen auf drei Milliarden Euro, wobei der Konzern selbst „einige wenige 100 Millionen“ beisteuern könne.

Der Weg zur klimaneutralen Produktion in der Stahlindustrie ist technisch besonders anspruchsvoll. In den Hochöfen werden große Mengen Kohle bei der Rohstahlerzeugung eingesetzt. Sie müssen bis 2050 weitgehend durch Wasserstoff ersetzt werden. Für die deutsche Stahlindustrie bedeutet die Umstellung nach früheren Angaben ihres Branchenverbands einen zusätzlichen Strombedarf von mindestens 130 Terawattstunden im Jahr. Rund 12 000 Windräder an Land seien nötig, um so viel grünen Strom zu erzeugen.

Für die ohnehin unter Druck aus Asien stehenden deutschen Stahlkonzerne ist das eine riesige Herausforderung. Allein bei der Rohstahlerzeugung seien Investitionen von rund 30 Milliarden Euro erforderlich, schätzte unlängst die Wirtschaftsvereinigung Stahl.

(dpa)