Saarstahl führt ab 1. September Kurzarbeit für drei Monate ein

Kostenpflichtiger Inhalt: Konzern unter Druck : Kurzarbeit bei Saarstahl

Nach Rekordumsatz jetzt Flaute: Unter anderem wegen der schwächelnden Autobranche reduziert das Unternehmen mit Sitz in Völklingen ab September die Arbeitszeit.

Die Saarstahl AG will ab dem 1. September auf Kurzarbeit umstellen. Der Konzern begründet den Schritt mit einem „drastischen Nachfrage-Rückgang mit entsprechend schwacher Auslastung der Anlagen“. Hauptgründe seien die „konjunkturelle Abschwächung im Automobilsektor und teilweise auch im Maschinenbau sowie eine stark angestiegene Importmenge aus Drittländern“. Die Autoindustrie ist mit rund 65 Prozent größter Kunde von Saarstahl, gefolgt vom Maschinenbau (20 Prozent) und der Bauindustrie (zehn Prozent).

„Die Kurzarbeit soll wochen- beziehungsweise tageweise in allen Bereichen von Saarstahl gefahren werden“, so der Konzern. Sie sei zunächst bis Ende des Jahres beantragt. Betroffen sei der Großteil der 4300 Beschäftigten in der Produktion von Saarstahl, sagte eine Sprecherin. Das Schwesterunternehmen Dillinger Hütte bleibe von der Kurzarbeit verschont. „Die Erzeugnisse der Hütte sind weniger stark von der Automobilindustrie abhängig“, erklärte die Sprecherin. Über die Frage nach einen möglichen Stellenabbau wollte das Unternehmen zunächst keine Angaben machen. Insgesamt beschäftigt der Saarstahl-Konzern 6384 Mitarbeiter und 287 Auszubil­dende.

Im vergangenen Jahr hatte Saarstahl noch einen Rekordumsatz erzielt. Er war um 3,6 Prozent auf 2,53 Milliarden Euro gestiegen, wie der Konzern im März mitteilte. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern belief sich im vergangenen Jahr auf 93 Millionen Euro. Das Unternehmen hat 2018 nach eigenen Angaben 68 Millionen Euro neu investiert. Für 2019 rechnete Vorstandschef Tim Hartmann aber schon zu Jahresbeginn mit einem Rückgang der Nachfrage.

Saarstahl ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das von der Krise der Stahlindustrie betroffen ist. So kündigte etwa Thyssen-Krupp in dieser Woche drastische Sanierungsmaßnahmen aufgrund schlechter Quartalszahlen an (wir berichteten). Das Stahlgeschäft schnitt auch hier besonders schwach ab. Thyssen-Krupp senkte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich. Das Unternehmen erwartet nunmehr ein bereinigtes operatives Ergebnis von rund 800 Millionen Euro. Zuvor war der Konzern von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro ausgegangen. Unter dem Strich dürfte Thyssen-Krupp wieder rote Zahlen schreiben, bekräftigte der Konzern frühere Prognosen.

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