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Saarlouis: Ford-Betriebsrat will mit Geschäftsführung über Zukunft verhandeln

Sorge um Zukunft : Betriebsrat bei Ford Saarlouis erhöht Druck auf Unternehmen

Die Arbeitnehmervertreter wollen endlich eine Zukunftsperspektive für das Werk in Saarlouis. Dafür soll die Geschäftsführung nun an den Verhandlungstisch.

Der Betriebsrat des Ford-Werks in Saarlouis fordert Klarheit über die Zukunft des Werks mit seinen rund 5000 Mitarbeitern. „Unser Ziel ist es, die Geschäftsführung nun endlich an den Verhandlungstisch zu bekommen. Wir möchten wissen, wie die Pläne für das Werk Saarlouis sind.“ Das schreibt der Betriebsrat in einem Informationspapier an die Belegschaft, das unserer Redaktion vorliegt. Denn nach jetzigem Stand läuft die Produktion des aktuellen Focus-Modells im September 2024 aus. Wie es danach weitergehen soll, ist nicht bekannt.

Um den Druck auf die Geschäftsführung zu erhöhen, haben die Vertreter der Belegschaft nun angedroht, einem weiterem möglichen Personalabbau nicht mehr zuzustimmen. Wenn die Geschäftsführung trotzdem Stellen streichen will, würde ein langwieriges Verfahren ausgelöst. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz ist die Geschäftsführung dann verpflichtet, mit dem Betriebsrat in einen „Prozess zur Herbeiführung eines Interessenausgleichs und Sozialplans einzusteigen“. Das würde die Geschäftsführung auch dazu verpflichten, den Betriebsrat „umfassend über die Restrukturierungspläne“ zu unterrichten. Wenn der Betriebsrat auf dieses Verfahren besteht, „würde das somit die sofortige vollständige Einstellung des derzeitigen Abfindungsprogrammes bedeuten“, heißt es in dem Schreiben.

Der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal will nicht mit Gewalt eine Modellentscheidung von heute auf morgen erzwingen. Vielmehr drängt Thal auf eine Ansage, wann diese Entscheidung fällt und wie es bis dahin weitergeht. Obwohl der geplante Abbau von 1600 Arbeitsplätze längst erreicht sei, würden noch immer jeden Monat Mitarbeiter das Werk verlassen. „Das kann so nicht weitergehen“, sagt er. Thal hatte bereits in einem früheren Schreiben unterstellt, das Hauptziel der Geschäftsführung scheine zu sein, so viele Kolleginnen und Kollegen wie möglich loszuwerden. Der Ton wurde rauer. Er sprach von einer „Unverschämtheit, was sich die Geschäftsführung erlaubt“. Nun sagt Thal, die Mitarbeiter hätten seit mehr als einem Jahr mit der Umstellung auf den Zwei-Schichtbetrieb, dem Arbeitsplatzabbau und dem Mittragen der Umstrukturierung ihren Soll erfüllt. „Jetzt muss das Unternehmen mit Verhandlungen auf uns zukommen, um einen drohenden Konflikt zu verhindern.“

Hintergrund: Seit Ende 2018 hat Ford weltweit ein Umstrukturierungsprogramm eingeleitet. Insgesamt sollen bis Ende des Jahres rund 12 000 Arbeitsplätze in den europäischen Ford-Standorten abgebaut werden. Davon rund 5400 Stellen in Deutschland. Im Ford-Werk in Saarlouis wurde im vergangenen Jahr die Produktion des C-Max eingestellt und die Nachtschicht gestrichen. Der dadurch vorgesehene Personalabbau von 1600 Arbeitsplätzen in Saarlouis ist laut dem Betriebsratsvorsitzenden Thal längst übererfüllt. Damals wurde sich darauf geeinigt, dass das Werk bis September 2024 den Ford Focus in zwei Schichten fertigt.

In Europa gibt es zurzeit vier Pkw-Fertigungsstandorte. In Köln, Saarlouis, Spanien und Rumänien werden insgesamt neun Modelle gebaut. Der Betriebsrat geht aber davon aus, dass Ford künftig nur noch vier Modelle in Europa fertigen will – zwei batterieelektrische und zwei Verbrenner. Die Vergabe des E-Autos rückt zwar näher, bisher gab es für Saarlouis jedoch keine positiven Signale.

Die Zukunft des Werks in Saarlouis ist völlig unklar. Es ist möglich, dass mit Blick auf eine Verschiebung der Abgasreinheitsvorschriften zur Euro7-Einführung, Modelle wie etwa der Focus ein knappes Jahr länger laufen können. Das würde dem Betriebsrat zufolge aber das Problem nicht lösen, sondern nur verschieben. In der Regel braucht der Produktionsstart eines neuen Modells zwischen 36 und 48 Monaten Vorlaufzeit. Damit müsste spätestens Mitte 2021 eine Entscheidung fallen, wie es in Saarlouis weitergeht.

Dabei hätte die Entscheidung bereits fallen sollen, geht man nach Äußerungen des heutigen Werksleiters in Saarlouis, Jürgen Schäfer. Als im Dezember 2019 der 15-millionste Ford in Saarlouis vom Band lief, sagte Schäfer: „Ich gehe davon aus, dass es im dritten Quartal kommenden Jahres eine Entscheidung geben wird.“ Wenn Ford 2024 neue Modelle bauen wolle, müssten spätestens Ende 2020 Beschlüsse gefasst werden.