Ford in Saarlouis Entscheidung gefallen – so hat die Ford-Belegschaft über den Sozialtarifvertrag abgestimmt

Saarlouis · Das monatelange Bangen hat ein Ende. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ford in Saarlouis haben in einer Urabstimmung gewählt, ob der Sozialtarifvertrag angenommen wird.

Ford Saarlouis: Betriebsversammlung zu Sozialtarifvertrag
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Tag der Entscheidung bei Ford in Saarlouis über Sozialtarifvertrag

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Foto: Ruppenthal

Die Entscheidung, ob der Sozialtarifvertrag bei Ford in Saarlouis angenommen wird, ist gefallen. In einer Urabstimmung im Rahmen einer Betriebsversammlung haben sich die Ford-Beschäftigten am Donnerstag, 22. Februar, für die Annahme des Sozialtarifvertrags entschieden, teilte Lars Desgranges, erster Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen, mit. Zur geheimen Abstimmung aufgerufen waren alle IG Metall Mitglieder bei den Ford-Werken in Saarlouis. Das sind zirka 98 Prozent der Gesamtbelegschaft. Davon haben mit einer „gigantischen Zustimmung von 93,28 Prozent“ für den Sozialtarifvertrag gestimmt, so Desgranges. Das Ergebnis zeige, „dass sich unser Kampf der letzten Monate und Jahre gelohnt hat und es richtig war, das Ford-Management mit einer Vielzahl von kleinen aber auch großen Protestformen nicht aus der Verantwortung zu lassen“, betonte Desgranges.

Ford-Tarifkommission hat Annahme des Sozialtarifvertrags empfohlen

Bereits zum 29. Februar tritt der Sozialtarif in Kraft. Im Vorfeld der Abstimmung hatte die betriebliche Tarifkommission von Ford der Belegschaft „nach ausführlicher Diskussion einstimmig die Annahme“ des Sozialtarifvertrags empfohlen, wie aus einem Schreiben der IG Metall hervorgeht, das unserer Zeitung vorliegt. Nach den Regularien wäre die Tarifkommission berechtigt gewesen, eigenständig über die Annahme oder Ablehnung zu entscheiden. Doch aufgrund der Dimension und der Auswirkung des Sozialtarifvertrags sei dies von Beginn an außer Frage gestanden, wie es in dem Schreiben an die Belegschaft heißt.

Ford-Mitarbeiter Andreas Thielen hat für den Sozialplan gestimmt, wie er nach der Urabstimmung berichtete. Der 48-jährige Saarlouiser möchte aufgrund seines Alters die Abfindung nehmen und sich neu orientieren. Die Entscheidung für den Sozialplan sei ein spürbarer Abschluss für die Belegschaft gewesen: „Man merkt schon, jetzt gibts eigentlich kein zurück mehr. Es sei denn man will einen der 1000 verbleibende Plätze nehmen.“ Thielen kann nun wieder die Augen nach vorne richten. Doch statt Erleichterung überwiege bei ihm eher die Trauer ums Ende von Ford: „Man hat schon immer gehofft, dass es irgendwie weitergeht nach der ganzen Zeit - unter welchem Namen auch immer. Ich denke das ist auch die Meinung des Großteils unserer Belegschaft.“ Trotz Erleichterung über die Entscheidung der Belegschaft, auch Desgranges bedauerte, „dass die vielen positiven Stimmen der letzten Monate, um den Einstieg eines Investors am Standort am Ende kommentarlos verstummt sind.“ Der Abschluss des nun erzielten Sozialtarifvertrages sei daher „die beste noch mögliche Variante für die Beschäftigten“.

Die Eckpunkte des Sozialtarifvertrags bei Ford in Saarlouis

Mitte Februar hatten sich das Ford-Management, Betriebsrat und die IG Metall auf einen Sozialtarifvertrag geeinigt. In diesem sind die Eckpunkte für die Abfindungen der rund 2750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geregelt, die das Ford-Werk verlassen werden sowie die Vereinbarung über eine Transfergesellschaft. Diese soll den Mitarbeitern, die den Autobauer verlassen, bei einer Weiterqualifizierung und Vermittlung zu einem neuen Arbeitgeber helfen. Zudem verlängert sich die Produktion des Ford Focus um ein halbes Jahr, sodass diese erst Ende November 2025 eingestellt wird.

Die Ford-Belegschaft stimmte am Donnerstag darüber ab, ob der Sozialtarifvertrag angenommen werden soll.

Die Ford-Belegschaft stimmte am Donnerstag darüber ab, ob der Sozialtarifvertrag angenommen werden soll.

Foto: Ruppenthal

Im vergangenen Jahr wurde bereits ausgehandelt, dass 1000 Arbeitsplätze nach dem Ende der Focus-Produktion im Ford-Werk erhalten bleiben. Für sie ist eine betriebsbedingte Kündigung bis Ende 2032 ausgeschlossen. Indes ist noch unklar, welchen Tätigkeiten die 1000 Mitarbeiter nachgehen werden. Möglich ist ein Einsatz im Presswerk oder bei der Fertigung anderer Zulieferteile, die künftig in Saarlouis produziert werden könnten, erklärte Betriebsratsvorsitzender Markus Thal in einem früheren Gespräch mit unserer Zeitung.

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