Saarland wird besser an Metz und Straßburg angebunden

Bessere Anbindung : Ab 2024 neue Züge nach Frankreich

Das Saarland beteiligt sich an einer Großinvestition der Region Grand Est. Mehr Komfort nach Metz und Straßburg.

Die Zuganbindung zwischen Saarbrücken, Metz und Straßburg wird ab 2024 deutlich verbessert. Neben einem regelmäßigen einstündigen Taktverkehr nach Metz und einer alle zwei Stunden verkehrenden, umsteigefreien Verbindung nach Straßburg kommen ab diesem Zeitpunkt völlig neue Nahverkehrszüge vom Typ „Coradia polyvalent“ des Zugherstellers Alstom zum Einsatz.

Dieser Zugtyp wird heute schon erfolgreich in neun Regionen Frankreichs sowie im grenzüberschreitenden Verkehr in die Schweiz sowie vom Elsass aus nach Deutschland eingesetzt. Er kann in der Langversion bis zu 1000 Reisende befördern und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Der Zug ist nach Angaben des Herstellers ausdrücklich als europäischer Zug konzipiert, kann zugleich in mehreren Stromsystemen fahren. Er garantiert einen barrierefreien Zugang, verfügt zudem über Steckdosen sowie Leselampen am Platz.

Die saarländische Wirtschaftsministerin sowie stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) betonte gestern vor der Landespressekonferenz in Saarbrücken, der höhere Reisekomfort mit den neuen grenzüberschreitenden Nahverkehrszügen werde durch eine Großinvestition unter Federführung der Region Grand Est ermöglicht. Diese bestellt 30 neue Züge bei Alstom. Die Kosten dafür werden aufgeteilt unter Beteiligung der Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Nach Angaben von Rehlinger betragen die Entwicklungskosten des neuen Zugs rund 40 Millionen Euro. Auf das Saarland entfällt ein Anteil in Höhe von 7,14 Millionen Euro. Die Ministerin hofft zudem, das sich auch Mittel aus dem Interreg-Programm der EU aktivieren lassen. Das würde die Beteiligungskosten am Projekt weiter verringern.

Hinzu kommen Anschaffungskosten für die Züge in einer Höhe von jeweils 9,4 Millionen Euro, also rund 282 Millionen Euro. Diesen Anteil übernimmt die Region Grand Est komplett. Im der Praxis zahlen die Partner eine Miete für den Betrieb der Züge, die sich an der Zahl der gefahrenen Kilometer orientiert. Bisher gibt es zwar schon eine weitgehend stündliche Verbindung nach Metz, aber nur mit Umstieg in Forbach. Und nach Straßburg startet am Tag nur ein direkter Zug ab Saarbrücken. In der Regel muss man mit der Saarbahn nach Saargemünd fahren und dort umsteigen.

Durch den Einsatz der neuen Züge verbessert sich gleichzeitig auch die Anbindung der Zuglinie Metz-Thionville, Perl-Trier, die bisher nur an Wochenenden durchgehend bedient wurde. Auf dieser Strecke ist ab 2024 ein täglicher Zwei-Stunden-Takt vorgesehen.

Nach Angaben von Rehlinger soll es nicht nur bei einer Aufwertung des Wagenmaterials bleiben, sondern im zweiten Schritt auch finanziell attraktive Tickets geben. Eine Möglichkeit sei, das Saarland-Rheinland-Pfalz-Ticket auf Lothringen auszuweiten. Schon heute gibt es das Saar-Lor-Lux-Ticket, mit dem man an Samstagen oder Sonntagen in der 2. Klasse alle deutschen Nahverkehrszüge im Saarland, Regionalzüge in Lothringen (Métrolor) sowie alle Züge im Großherzogtum Luxemburg (CFL) nutzen kann. „Will man weiter zusammenwachsen, dann muss man die Verbindungen in der Region stärken“, sagte Rehlinger.

Einen Dämpfer erteilte sie weitergehenden Verbesserungen. Ein Ausbau der Saarbahn etwa nach Forbach oder gar als Ringverkehr über Gersweiler nach Überherrn und über Forbach zurück nach Saarbrücken sei finanziell nicht darstellbar. Ein Ausbau der Niedtalbahnlinie von Dillingen über Bouzonville nach Thionville und Luxemburg finde auf französischer Seite nur sehr begrenzt Anhänger.

Die Linke im Landtag fordert das Land auf, ein stimmiges Konzept vorzulegen, wie man den Bahnverkehr an der Saar aufwerten und mehr Menschen und Güter auf die Schiene bringen will. „Auch wir haben immer wieder die Wiederbelebung der Verbindung Dillingen-Bouzonville mit der Perspektive einer direkten Anbindung an Luxemburg über Thionville vorgeschlagen, was die Regierungsparteien CDU und SPD jedoch abgelehnt haben“, sagte der wirtschafts- und verkehrspolitische Sprecher der Linken Jochen Flackus.

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