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Saarland hat noch viel Potenzial beim Marketing in der Region

Saar-Marketing : Saarland hat noch viel Potenzial in der Region

Das Saarland bemüht sich deutschlandweit um Fachkräfte. Eine Studie der HTW zeigt: Auch ein Blick über die direkte Grenze lohnt

Wie können Fachkräfte für eine Arbeit im Saarland begeistert werden? Diese Frage ist ein wichtiger Teil des Saarland-Marketings, dessen Team in Universitäten deutschlandweit für eine berufliche Karriere im Saarland wirbt. Nun zeigt eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), dass auch in der Großregion ein erhebliches Fachkräftepotenzial vorhanden ist. Studenten im Bereich Marketing haben in einer aktuellen Studie untersucht, wie Nachwuchskräfte in der Großregion das Land sehen. Und wie sie ihre eigene Zukunft im Saarland einschätzen.

Die Studie zeigt, dass gerade junge Menschen im Saarland als Fachkräfte aktiv gehalten werden sollten. Denn die Neigung, „auf jeden Fall im Saarland zu bleiben“ ist bei den unter 30-Jährigen den Ergebnissen zufolge nicht sehr ausgeprägt. Vor allem Studenten ziehen demnach mehrheitlich auch eine Arbeit in anderen Bundesländern in Betracht. Auch ist die Mehrheit überzeugt, dass es außerhalb des Saarlandes bessere Chancen gibt, sich beruflich weiterzuentwickeln. Und doch gibt es Chancen, denn die Aussage „Falls ich einen passenden Job hier finde, bleibe ich im Saarland“, wird von den jungen Erwachsenen mehrheitlich bejaht. Hier sieht Tatjana König, die als Professorin an der HTW das Fachgebiet Marketing lehrt, gute Chancen für die Saar-Wirtschaft. „Es wäre sinnvoll, die jungen Menschen hier in der Region noch stärker anzusprechen“, sagt sie. Gerade hoch qualifizierten Absolventen der saarländischen Hochschulen müsse Entwicklungspotenzial aufgezeigt werden, um sie für eine berufliche Zukunft im Saarland zu begeistern.

Doch nicht nur im Saarland selbst, auch in Luxemburg und Frankreich gibt es die Möglichkeit, mit entsprechender Werbung qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Vor allem Franzosen seien offen für eine berufliche Tätigkeit im Ausland – und für viele von ihnen erscheint das Saarland als attraktive Region zum Leben und Arbeiten. Bei den Luxemburgern sei das Saarland wegen der Gehaltsunterschiede zwar weniger attraktiv, sagt König. Doch umgekehrt seien auch die Lebenshaltungskosten hierzulande deutlich geringer und damit wieder ein Pluspunkt. Allerdings gilt in beiden Fällen, dass sowohl Franzosen als auch Luxemburger klar verneint haben, dass sie attraktive Arbeitgeber im Saarland kennen

„Das sind Erkenntnisse, die das Saarland-Marketing bei seiner Werbestrategie noch stärker berücksichtigen könnte“, sagt König. Während es auf der einen Seite gut sei, bundesweit für das Saarland zu werben, sollte gleichzeitig die Großregion noch stärker in den Fokus gerückt werden. Als positives Beispiel nennt König das neue Messeformat „Jobbing-Center“ von HTW und Saarland-Marketing..

Gleichzeitig zeigt die Studie, für die über 1000 Probanden unter 30 Jahren befragt wurden, und die mit Eures-Mitteln der Agentur für Arbeit finanziert wurde, dass sich das Saarland-Bild insgesamt deutlich verbessert hat: Im Vergleich zu einer Untersuchung aus den 90er Jahren, die der Saarländische Marketing-Forscher Werner Kroeber-Riel erstellt hatte, hat das Saarland beim Image zugelegt. Weit mehr Menschen als damals verbinden mit dem Saarland Begriffe wie gut, glücklich, schnell oder stark. Interessant sei, dass die Wahrnehmung bei gebürtigen Saarländern dabei durchweg positiver sei als bei zugezogenen, sagt König. Gebürtige Saarländer nähmen ihre Heimat als schöner, spannender und einzigartiger wahr als ins Saarland zugezogene Vergleichsbefragte. Die wiederum würden das Saarland eher als traditionell, langsam und weniger einzigartig empfinden.

Während das Saarland vor allem bei Saarländern als sympathisch, schön und glücklich gilt, sind es aber auch Wahrnehmungen wie traditionell, brav, langsam, rückständig und beziehungsorientiert, die potenziellen Fachkräften möglicherweise die Entscheidung schwer machen, ins Saarland zu ziehen. Hier sieht König Bedarf, das Image-Profil als „schönstes Bundesland der Welt“ zu schärfen. Vor allem die gute „Work-Life-Balance, die kurzen Wege und die Familienfreundlichkeit sollten noch stärker herausgestellt werden, aber auch die guten Chancen bei Arbeitgebern im Saarland“. Und gerade bei wichtigen Fachkräftepositionen müsse gesichert sein, dass auch die Familie – beispielsweise mit zusätzlichen Jobangeboten für die Partner und Kinderbetreuung – integriert werde.

„Weil aber Marketing nur das glaubhaft herausstellen kann, was auch spürbar ist, ist auch die Politik gefragt, die Potenziale effizient zu nutzen“, sagt König. So sollten kurze Wege in Zeitersparnis für Bürger umgesetzt werden, die Schönheit des Landes und der Natur solle sich stärker auch in den Städten widerspiegeln. „Die Herausstellung der kulinarischen Vorzüge wird in Zukunft kaum ausreichen, um sich im Wettbewerb der Regionen zu etablieren“, sagt König. „Aber schließlich hat das Saarland ja auch viel mehr zu bieten als nur gutes Essen.“ Und dass das Saarland als gemütlicher und traditioneller wahrgenommen wird als beispielsweise die Metropolen der Republik, sei in gewisser Weise auch von Vorteil: „Das entspricht dann auch dem Wunsch nach Heimat, Verbundenheit und Entschleunigung.“