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Software-Unternehmen: Saarbrücker Orbis schafft viele neue Jobs

Software-Unternehmen : Saarbrücker Orbis schafft viele neue Jobs

Das Saarbrücker Software-Unternehmen Orbis macht gute Geschäfte mit Digitalisierung. Es wächst stark und will deshalb für knapp fünf Millionen den Firmensitz erweitern.

„Langfristig“, „nachhaltig“, „sorgsam“, „mit Bedacht“ – solche Worte fallen häufig im Gespräch mit den Vorständen von Orbis, wenn sie die Entwicklung ihres Software- und Beratungs-Unternehmens beschreiben. Keine riskanten Sprünge, lieber Schritt für Schritt voran beziehungsweise nach oben – so lautet offenbar die Devise. Sie ist wohl auch eine Lehre aus den Turbulenzen nach dem Platzen der sogenannten Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre, als die Aktienkurse vor allem der IT-, Internet- und Telekommunikationsfirmen – darunter auch Orbis – einbrachen. An den Zahlen, die das seit dem Jahr 2000 börsennotierte Unternehmen vorlegt, ist danach aber ein stetes Wachstum zu beobachten: Der Umsatz verdreifachte sich innerhalb von zehn Jahren seit 2008 auf 63,2 Millionen Euro, der Gewinn stieg von knapp einer Million auf 2,63 Millionen Euro; die Zahl der Mitarbeiter legte von rund 200 auf mehr als 500 zu, und der Aktienkurs hat sich auf das Niveau von 6,60 Euro versechsfacht.

Trotzdem stand Orbis in den vergangenen Jahren nie wirklich im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Frank Schmelzer, seit Ende Oktober 2018 neu im Vorstand, nennt Orbis daher einen „Hidden Champion“, also einen stillen Star, spezialisiert auf Digitalisierung und Optimierung von Geschäftsabläufen schwerpunktmäßig in der Industrie – vom Auftragseingang über Materialbeschaffung, Fertigungsprozesse, Qualitätskontrolle bis hin zu Vertrieb, Marketing und Kundenbetreuung.

Bald wird allerdings für jedermann deutlich sichtbar, dass Orbis weiter wächst. Das Unternehmen plant den Bau eines neuen Gebäudes. „Wir werden knapp fünf Millionen Euro investieren. Neue Bürofläche wird entstehen“, sagt Vorstandschef Thomas Gard. Der Firmensitz in Saarbrücken-Burbach wird erweitert. In diesem Jahr soll Baubeginn sein. Bis Ende 2020 werde man wohl zur Fertigstellung brauchen, schätzt Gard. Der Platz „soll für 100 bis 150 Mitarbeiter ausreichend sein, die wir sicherlich in den nächsten Jahren hier in Saarbrücken aufbauen“, sagt der stellvertretende Vorstandschef Stefan Mailänder. Allein im vergangenen Jahr stockte das Software-Haus die Belegschaft um 70 Frauen und Männer auf. Mehr als 500 sind es jetzt. So soll es weitergehen. „Wenn wir organisch wachsen, denke ich, dass wir pro Jahr 50 bis 70 Personen neu einstellen“, prognostiziert Gard. Davon werden allerdings viele an Standorten außerhalb des Saarlandes arbeiten. Kaufe Orbis die eine oder andere Firma hinzu, würden noch mehr neue Mitarbeiter hinzukommen, schätzt der Vorstandschef. Und Übernahmen strebt das Software-Haus auf jeden Fall an. „Wir sind auf der Suche nach passenden Akquisitionen“, sagt Mailänder. Gard sieht zurzeit gute Chancen, „kleine interessante Unternehmen zu finden“. Konkrete Vorhaben nennt er allerdings nicht.

Die Internationalisierung spielt inzwischen eine immer größere Rolle. Mit der Begründung wurde auch der Vorstand Ende Oktober von zwei auf vier Mitglieder erweitert: Neben Thomas Gard und Stefan Mailänder sind zwei langjährige Führungskräfte in die Unternehmensspitze aufgerückt: Frank Schmelzer, zuständig für Projekte auf Grundlage der SAP-Plattform, und Michael Jung, der die Vorhaben auf Microsoft-Basis verantwortet. „Wir wollen unsere Marktposition in Europa weiter ausbauen“, sagt er. Bisher ist Orbis in Frankreich, Österreich und der Schweiz vertreten und darüber hinaus über einen Zukauf einer Mehrheitsbeteiligung am SAP-Software-Beratungsunternehmen Quinso auch in den Niederlanden. Die bestehenden Standorte, auch die in China und den USA, sollen weiter ausgebaut werden. Weitere Länder sollen hinzukommen, zum Beispiel in Skandinavien. In Deutschland hat Orbis – einschließlich Tochterfirmen – außerhalb des Saarlandes inzwischen acht Standorte: Bielefeld, Markdorf (am Bodensee), München, Essen, Stuttgart, Ulm, Hamburg und Mannheim.

Der Erweiterungsbau, die Einstellung von Mitarbeitern, der Aufbau von Standorten im Ausland und Pläne für Zukäufe – all dies fügt sich zusammen zu einem Bild einer auf Wachstum ausgerichteten Firma. Die Chancen dafür liegen aus Sicht des Vorstands in der Digitalisierung. Dies „ist ein Hype-Thema, das voll im Fokus bei uns steht“, sagt Gard. Die Software-Technologie „macht einen gigantischen Sprung. Die Taktzahl war noch nie so hoch“. Die Orbis-Kunden, vor allem größere Mittelständler und kleinere Konzerne, wollen nach seiner Beobachtung zunehmend ihre Abläufe intelligent automatisieren, und das gelingt eben nur mit einem umfassenden und passenden Software-Konzept. Cloud, Künstliche Intelligenz, Smart Factory, 5G-Netzausbau sind hier die Schlagworte, die für die nächsten großen Schritte der Digitalisierung stehen. Die Basis der Software sind die großen Plattformen von SAP und Microsoft, ergänzt um selbst entwickelte Programme. Bei der Digitalisierung gehe es im Kern „um Geschwindigkeit“, sagt Schmelzer. „Wenn ein Kunde heute ein Produkt bestellt, hätte er es gerne morgen. Wer die gleiche Ware am schnellsten mit vergleichbarer Qualität liefern kann, der wird gewinnen.“ Dazu dient die Digitalisierung, und genau darauf konzentriert sich Orbis in seiner Prozess- und Organisationsberatung.

Deshalb rechnet der Vorstand auch für das laufende Jahr mit einem weiteren Anstieg von Erlösen und Ergebnis im einstelligen Prozentbereich. Vielleicht wird es ja aber auch mehr. Im vorigen Jahr wuchs der Umsatz schließlich um rund 25 Prozent und der Gewinn um 42 Prozent.

An diesem Mittwoch kommen die Orbis-Aktionäre im Saarbrücker E-Werk zu ihrer Hauptversammlung zusammen.