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Saar-Wirtschaftsministerin fordert mehr Engagement für Stahlindustrie

Energiegipfel in der Saarbrücker Congresshalle : Rehlinger sieht Stahlindustrie an der Saar in Gefahr

Die Ministerin fordert auf einem Energiegipfel in Saarbrücken schnellere Hilfen für die Industrie.

„Strom ist der Energieträger der Zukunft“, so leitet Stefan Kapferer, der Vorsitzende des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beim Energiegipfel am Freitag in der Saarbrücker Congresshalle seine Begrüßung ein. Doch der Strompreis sei in Deutschland so hoch wie kaum woanders in Europa. Hinzu kommt die CO2-Debatte. Schnell wird deutlich, die Energiewende stellt eine enorme Herausforderung für hiesige Unternehmen dar. Das machte vor allem Tim Hartmann, Vorsitzender der Vorstände von Dillinger Hütte und Saarstahl, klar. Zum einen profitiere die Branche von der Energiewende: „90 Prozent eines Windrads bestehen aus Stahl.“ Schon jetzt mache die Produktion solcher Teile für Windräder ein Viertel der gesamten Produktion bei der Dillinger Hütte aus. Allerdings wird die Stahlbranche durch internationale Konkurrenz belastet. In Deutschland zu produzieren, heißt für die Unternehmen höhere Strom-, Lohn- und Logistikkosten, führt Hartmann aus. Zudem stehen in naher Zukunft Investitionen in die Erneuerung der Hochöfen an. Um dies bewältigen zu können, fordert er staatliche Förderung. Eine Alternative dazu wäre, in Deutschland an der Küste oder im Ausland zu investieren.

Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, rechnet vor, wie hoch eine solche Förderung ausfallen müsste und kommt zu dem Schluss: „Das können wir nicht machen.“ Stattdessen verweist er auf die Verbraucher. Kostet zum Beispiel ein Auto wegen teureren Stahls aus Deutschland mehr, müssten Verbraucher die Bereitschaft zeigen, mehr zu bezahlen. Dann würde der Markt von sich heraus funktionieren, sagt Feicht. Während er seine Argumente zurechtlegt, wird Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) sichtlich unruhig. Bis es schließlich aus der Ministerin herausbricht. Der kritische Verbraucher, der mit maximalem Umweltbewusstsein in die Kaufentscheidung geht, sei zwar auch für sie Lösung A, es gebe ihn aber schlichtweg noch nicht. „Wir haben jetzt ein Problem“, sagt Rehlinger. „Und wir brauchen jetzt eine belastbare Antwort“, die der Industrie hilft. Sie fordert: „Mit der gleichen Akribie, mit der wir jetzt Einzelmaßnahmen für den Klimaschutz durchdeklinieren, mit der gleichen Akribie würde ich mir wünschen, dass wir über industriepolitische Maßnahmen nachdenken.“ Sonst „werden wir unsere Stahlindustrie hier verlieren“.

An der dreistündigen Veranstaltung nahmen auch Ralf Levacher, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Saarlouis, und Michael Blug, Landesbezirksleiter bei Verdi Rheinland-Pfalz/Saarland teil. Hanno Dornseifer, Vorsitzender des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes, machte klar: „Ohne erfolgreiche Industrie an der Saar hat auch die Energiewirtschaft keine Existenzberechtigung.“ Man müsse die Energiewende deshalb gemeinsam angehen.