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Saar-Wirtschaft sieht Licht und Schatten in den Corona-Lockerungen

Saar-Wirtschaft : Licht und Schatten der gelockerten Coronabeschränkungen

In der Verbandswelt von Industrie, Handwerk und Handel stoßen die neuen Verordnungen auf ein geteiltes Echo. Einerseits werden die Lockerungen begrüßt, andererseits stoßen einige Beschlüsse auf Unverständnis.

So kann der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Heino Klingen, nicht nachvollziehen, warum größere Läden, wie beispielsweise Karstadt nicht öffnen dürfen, kleinere Läden mit gleichem Sortiment aber schon: „Die Aussage, dass Kaufhäuser Besuchermagnete sind, finde ich nicht überzeugend. Auch da diese die Abstandsregeln leichter umsetzen können.“ Diese Regelung führe seiner Ansicht nach zu einer Wettbewerbsverzerrung sondergleichen. Ebenfalls nicht zu Ende gedacht sei die Öffnung der Geschäfte bei gleichzeitiger Teilschließung der Schulen: „Wo sollen die ganzen Kinder denn untergebracht werden, das kann nicht gut gehen“, moniert Klingen.

Für den Hauptgeschäftsführer der saarländischen Handwerkskammer, Arnd Klein-Zirbes, wurde die Gratwanderung zwischen wirtschaftlicher Öffnung und gesundheitlichen Erfordernissen gut gemeistert. Viele Fragen seien derweil aber noch offen. „Was ist mit der Kinderunterbringung, was mit der Schutzausrüstung für Unternehmen, wann arbeiten Behörden wieder regulär?“ Gerade von den Behörden, wie beispielsweise der KFZ-Zulassungsstelle, hänge eine Menge ab: „Wenn ich kein Auto zulassen kann, kaufe ich kein Auto. Wenn keine Autos gekauft werden, haben die Werkstätten weniger zu tun und und und.“ Gerade für das Handwerk sei es auch ungemein wichtig, dass die Wertstoffhöfe wieder regulär geöffnet werden, sagt Klein-Zirbes.  Ebenfalls von zentraler Bedeutung sei zudem, dass die Meister- und Technikerschulen wieder öffnen, damit der Nachwuchs im Handwerk nicht wegbreche: „Wir brauchen einen strukturierten Einstieg – jetzt.“ Für die Unternehmen gebe es zahlreiche Wege, verantwortungsvoll zu handeln, so könnten Friseure zum Beispiel auf das Föhnen verzichten, Schutzmasken tragen und nur begrenzt Termine vergeben.

Licht und Schatten in den Entscheidungen der Landesregierung erkennt der Hauptgeschäftsführer des saarländischen Einzelhandelsverbands, Fabian Schulz: „Ich bin froh, dass ein Großteil der Geschäfte wieder öffnen darf, die Begrenzung auf 800 Quadratmeter Ladenfläche halte ich aber für willkürlich.“ Schulze hätte sich eine komplette Öffnung mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen und einer allgemeinen Maskenpflicht gewünscht.

Maßlos enttäuscht von der Perspektivlosigkeit für das Hotel- und Gaststättengewerbe zeigte sich hingegen der Hauptgeschäftsführer des saarländischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Frank Hohrath: „Wir haben keinerlei Aussage erhalten, wann wir unter welchen Voraussetzungen wieder öffnen dürfen, die Politiker sagten nur, sie wüssten es nicht.“ Das treffe die gesamte Branche tief ins Mark und lasse sie ohne Hoffnung und fassungslos zurück: „Nicht ein Zeichen des Bedauerns haben wir vernommen, keine Empathie vonseiten der Verantwortlichen.“ Die Betriebe bräuchten jetzt zudem dringend einen Rettungsschirm, mit nicht zurückzuzahlenden Finanzhilfen, sonst ginge eine ganze Branche in die Knie, befürchtet Hohrath.