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Saar-Startup Okinlab bekommt zwei Millionen Euro Fördergelder der EU

Fördergelder : Okinlab bekommt Millionen von der EU

Das Saarbrücker Möbel-Startup wird mit rund zwei Millionen Euro aus dem Programm „Horizont 2020“ gefördert. Ziel ist die internationale Expansion.

Mit seinen individuell gestaltbaren Möbeln will das Saarbrücker Startup Okinlab nun nach Europa expandieren. Am Mittwoch teilte das Unternehmen mit, dass es aus dem EU-Programm „Horizont 2020“ rund zwei Millionen Euro an Fördermitteln bekommen wird, um das Wachstum vor allem im internationalen Geschäft zu fördern.

Okinlab ist vor sechs Jahren als Startup von Nikolas Feth, der an der HTW Architektur studiert hat, und dem Betriebswirt Alessandro Quaranta gegründet worden. Deren Idee: Mit Hilfe eines 3D-Design-Tools können Nutzer sich auf der Okinlab-Internet-Seite form.bar Wunsch-Möbel designen, die dann von einem Schreiner vor Ort hergestellt und geliefert werden. Kernstück ist die Software, die nicht nur eine individuelle Gestaltung der Möbel ermöglicht, sondern die auch die kompletten Vorgaben für die CNC-Maschinen in der Schreinerei entwickelt. „Letztlich muss der Schreiner dann nur noch auf seiner Maschine den Auftrag ausführen, die Teile prüfen und ausliefern“, sagt Quaranta. Und da Okinlab-Möbel auf Steckverbindungen basieren, ist auch der Aufbau insgesamt unkompliziert.

Foto: Okinlab

Bei dem bisherigen Wachstum – das Startup beschäftigt mittlerweile rund 20 Mitarbeiter, hat einen siebenstelligen Umsatz und arbeitet mit zahlreichen Schreinern vorwiegend in Deutschland zusammen – ist Quaranta zufolge vieles noch von den Mitarbeitern im direkten Kontakt erledigt worden. „Beispielsweise haben wir anfangs all unsere Kooperations-Schreiner persönlich besucht und ausgewählt“, sagt er. Auch jetzt werde bei einem Auftragseingang meist noch von den Mitarbeitern der jeweils optimale Schreiner zugeordnet. Bei zunehmender Internationalisierung sei das allerdings nicht mehr möglich. „Mittelfristig rechnen wir mit einer Verzehnfachung unseres Umsatzes“, sagt Quaranta. Da müssten die Prozesse immer weiter automatisiert werden.

Unter anderem für die Entwicklung der entsprechenden IT-Strukturen sollen die EU-Gelder verwendet werden. So werden sich die Schreiner künftig eigenständig im System registrieren können, müssen dafür dann spezielle Qualitätskriterien wie hohe Liefertreue erfüllen. Schon jetzt gebe es intern ein Qualitäts-System, das Reklamationen berücksichtigt. Negativ zu Buche schlage dann beispielsweise, wenn beim Transport Teile zu Bruch gehen oder die Fertigung nicht den Wünschen entspricht. „Bisher gab es das allerdings noch nicht“, sagt Quaranta. Er sieht die form.bar-Platform auch als Möglichkeit, Wertschöpfung regional vor Ort zu erhöhen. Denn Okinlab übernimmt nur das Design und sozusagen den Kundenkontakt. Die Fertigung liegt komplett in den Schreinereien. „Und weil deren CNC-Maschinen im Schnitt nur zu 50 Prozent ausgelastet sind, können wir ihnen zusätzliches Geschäft liefern“, sagt er. „Letztlich ist es ja so, dass ein Kunde beispielsweise in Warschau dann auch von dem Schreiner vor Ort beliefert wird.“ Dieser Ansatz, mit einer IT-Lösung aus dem Saarland regionale Wirtschaft zu fördern, habe auch dazu beigetragen, dass das Unternehmen den Zuschlag für die Fördermittel bekommen habe.

Für die Expansion reicht es natürlich nicht, ein Schreiner-Netzwerk aufzubauen. Im Rahmen der Expansionsstrategie werde das Startup schrittweise die Bekanntheit europaweit steigern. Starten will Okinlab mit Ländern wie Frankreich, Österreich, Schweiz oder Luxemburg, wo das Unternehmen schon aktiv ist. „Dann gehen wir in weitere Märkte, die gut zu uns passen“, sagt Quaranta.

Foto: Okinlab

Nach Angaben von Okinlab sah die „Horizont-2020“-Jury bei dem Saarbrücker Jung-Unternehmen Potenzial, die Art und Weise der Möbelproduktion grundlegend zu verändern. Ausdrücklich habe diese das „große Potenzial“ des Geschäftsmodells mit einem „enormen Netzwerk-Effekt“ gelobt. Auch sei das Timing angesichts des weltweiten Trends zu mehr Individualisierung von Produkten sehr gut gewählt, hieß es demnach von Seiten der Jury.

Foto: Okinlab

Der Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zeigte sich erfreut über die Förder-Zusage: „Okinlab ist das erste saarländische Unternehmen, das an dieser Ausschreibung für KMU mit Erfolg teilgenommen hat.“ Er hoffe, dass es gelingen werde, noch mehr Fördermittel einzuwerben, fügte Hans hinzu.