Saar-Sonderumfage der IHK ergibt düstere Einschätzungen der Saar-Betriebe

Sonder-Umfrage der IHK : Export-Rückgang belastet Saar-Betriebe

Viele Unternehmen sehen laut einer Sonderumfrage der IHK ihre Aufträge bedroht.

Die saarländische Wirtschaft zeigt sich mittlerweile tief beunruhigt von den internationalen Konflikten, die zunehmend den Handel und den Export beeinflussen. Das zeigt eine Sonderumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes unter Betrieben in der Region.

So sind die Exporte saarländischer Unternehmen alleine in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres um insgesamt neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Besonders stark sind die Rückgänge nach Frankreich (minus 1,5 Prozent), Großbritannien (minus 29,1 Prozent), Italien (minus 18 Prozent), Russland (minus 27,3 Prozent), die Türkei (minus 25,7 Prozent), nach China (minus 26,6 Prozent) und in die USA (minus zwei Prozent). Carsten Meier, Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik und Unternehmensförderung bei der Kammer, stellt zu den Rahmenbedingungen fest: „Die Weltkonjunktur hat sich eingetrübt.“

76 Prozent der Teilnehmer an der Sonderumfrage gehen nicht von einer Besserung in der Wirtschaft im Verlauf des nächsten Halbjahres aus – damit rechnen nur noch drei Prozent. 22 Prozent gehen sogar von einer weiteren Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Handel und Export aus. Diese Einschätzungen beziehen sich besonders auf die Märkte in Europa, in Großbritannien, China, Russland und in der Türkei. Wachstumsimpulse erwarten die Saar-Unternehmen dagegen noch aus den USA und der Schweiz.

Am meisten abhängig vom Export ist an der Saar der Fahrzeugbau. Er musste schon 2018 starke Rückschläge verkraften. Unternehmen wie Ford erwarten durch den Brexit 2019 besondere Einschläge, da Großbritannien für das Ford-Werk in Saarlouis mit dem Focus als Hauptprodukt der bisher wichtigste Auslandsmarkt ist. Aus dem Saarland werden zudem viele Fahrzeugteile exportiert. Auch der Maschinenbau macht seine Hauptgeschäfte im Export. Im bundesweiten Vergleich landet das Saarland nur im Mittelfeld. Mit einem Anteil von 51,2 Prozent des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz der Industrie liegt es an siebter Stelle. Spitzenreiter ist hier Bremen, Schlusslicht Brandenburg.

Die Industrie bekommt durch ihre Geschäftsentwicklung immer größere Probleme, ihre Spitzenstellung für die Gesamtentwicklung der saarländischen Wirtschaft zu halten. Jetzt schon liegt sie nach jüngsten Erkenntnissen der Kammer bei den Auftragseingängen sowie bei der Entwicklung der Beschäftigung deutlich hinter dem Bundesniveau zurück. All diese Tendenzen verdüstern aus der Sicht von IHK-Geschäftsführer Meier die weiteren Rahmenbedingungen für die Saar-Unternehmen. Die Kammer geht ebenfalls davon aus, dass der Export als bisheriger Treiber des Wachstums an Dynamik weiter verliert. Nach bereits vorliegenden Daten werde es sogar schwerfallen, das Wirtschaftswachstum des Saarlandes aus dem Jahr 2018 noch zu erreichen, prognostiziert Meier.

Die stärksten Export-Branchen des Saarlandes. Foto: SZ/Müller, Astrid
Carsten Meier, Geschäftsführer für Wirtschaftspolitik bei der IHK des Saarlandes. Foto: IHK

 „Wir müssen deshalb im Saarland dringend neue Märkte in den Blick nehmen, um unsere Produkte und Dienstleistungen erfolgreich zu verkaufen“, fordert der Kammer-Geschäftsführer. Dafür seien möglicherweise auch wieder mehr Markterkundungsreisen für Saar-Unternehmen notwendig, an denen sich früher schon die Kammer sowie das Land beteiligt haben. Wichtig sei kurzfristig, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bereits geplante Handelsabkommen mit Südamerika sowie Vietnam abschließen. Das ermögliche auch Saar-Unternehmen einen besseren Zugang zu Branchenmärkten wie dem Fahrzeugbau oder Maschinenbau. Die Kammer biete über ihr Kompetenzzentrum Außenwirtschaft mehr Informationen und Beratung zu Märkten wie Korea, Nordafrika, der Ukraine und anderen Wirtschaftsräumen an.

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