Saar-LB will Privatkunden loswerden - ein EX-Mitarbeiter wehrt sich

Kostenpflichtiger Inhalt: „Ich bin nicht bereit zu wechseln“ : Wie ein Kunde der Saar-LB um sein Konto kämpft

Die Saar-LB will sich von ihren Privatkunden trennen. Doch Dieter Koepke, jahrzehntelang Mitarbeiter der Bank, will das nicht hinnehmen.

Dieter Koepke ist empört. Er hat 46 Jahre bei der Landesbank Saar (Saar-LB) gearbeitet, er war zuletzt Abteilungsleiter – unter anderem zuständig für den Kampf gegen Geldwäsche. Bald soll der Ruheständler seine privaten Bankgeschäfte nicht mehr bei der Saar-LB erledigen können. Betroffen ist aber nicht nur er. Im vergangenen März hatte die Landesbank angekündigt, sich vom Privatkundengeschäft zu verabschieden. Die Bank sei auf die Dauer nicht in der Lage, die schnelle Entwicklung im Privatkundensektor für die geringe Zahl der Bestandskunden mitzumachen, sagte Vorstandsmitglied Gunar Feth damals. Betroffen seien 3000 Kunden, davon ein Drittel aktuelle und ehemalige Mitarbeiter. Feth empfahl den Wechsel zum Schwesterinstitut Sparkasse Saarbrücken. Und er versicherte, die Saar-LB habe für den Kunden „nur das Beste“ im Blick.

Dieter Koepke und seine Frau, ebenfalls langjährige Saar-LB-Mitarbeiterin, sehen das ganz anders. Für die Bank „besteht das Beste darin, dass ich gefälligst meine Koffer packe“, schimpft der 73-Jährige aus Scheidt. „Ich bin nicht bereit zu wechseln“, bekräftigt er seinen Standpunkt.

Ein Grund für seinen Widerstand: Koepke fühlt sich als Kunde zweiter Klasse, und das ausgerechnet bei einer öffentlich-rechtlichen Bank, die mehrheitlich dem Land gehört. Denn nur die normalen, einfachen Privatkunden sollen die Saar-LB verlassen, vermögende Kunden sollen bleiben können. „Die Bank hat nicht veröffentlicht, nach welchen Maßstäben sie bestimmt, wer vermögend ist.“ Und für diese Kunden würden ja die Serviceleistungen weiter vorgehalten, sagt Koepke.

Koepke wendet seine Argumente auch ins Grundsätzliche. Die Bank habe in ihrer Satzung festgelegt, dass sie „Bankgeschäfte aller Art betreibt“. Die Ausklammerung von Privatkunden und die Kündigung langjähriger Kundenbeziehungen verstößt aus seiner Sicht gegen die Satzung der Saar-LB, gegen ihre Selbstverpflichtung zur Orientierung am Gemeinwohl, gegen ihr Bekenntnis zu „fairen Geschäftspraktiken“ und gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes. Koepke sieht deshalb den Landtag, den Verfassungsgerichtshof und die Bankenaufsicht in der Pflicht.

Nach Auskunft der Bank gehört der aufbegehrende Kunde zu einer Minderheit. „Die überwiegende Mehrheit unserer Privatkunden hat bereits eine Wechselentscheidung getroffen, davon erfreulicherweise sehr häufig zur Sparkasse Saarbrücken“, teilt die Saar-LB auf Anfrage mit. Das Geldinstitut sei mit allen Kunden, die noch nicht gewechselt hätten, im Gespräch. „,Verweigerungen’ sind extrem selten“, heißt es. Genaue Zahlen nennt die Saar-LB nicht.

Den „Verweigerer“ Dieter Koepke hat besonders ein Schreiben der Bank von Ende November geärgert. Darin heißt es: „Die (...) Einstellung des Geschäftsbetriebes führt leider dazu, dass wir letztlich die noch vorhandenen Kontoverbindungen kündigen müssen, da die derzeitigen Serviceleistungen unseres Hauses rund um Kontoführung, Zahlungsverkehr und Kreditkarte (...) ab dem 29. 2. 2020 nicht mehr zur Verfügung stehen werden.“ Der frühere Bankmitarbeiter empfindet „das Schreiben als massive Drohung“, wie er sagt.

Um seinen persönlichen und grundsätzlichen Anliegen Nachdruck zu verleihen, hat Koepke nicht nur an den Bankvorstand geschrieben, sondern auch an den Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Landtags, Jochen Flackus (Linke), an Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD), der dem Verwaltungsrat der Bank angehört, an den Rechnungshof des Saarlandes, den Verfassungsgerichtshof sowie an die Bankenaufsicht Bafin.

Die Saar-LB sieht den Fall ganz anders. Sie weist die Darstellung zurück, dass Kunden willkürlich in vermögende und weniger vermögende eingruppiert würden. Wer zu den „vermögenden Privatkunden“ zähle, hänge nicht von der Höhe des Vermögens ab. Vielmehr „fallen darunter diejenigen, die das Produkt ,anspruchsvolle, individuelle Vermögensverwaltung‘ beanspruchen“. Diese Kunden hätten ihre Girokonten für den normalen Zahlungsverkehr „typischerweise bei anderen Banken oder Sparkassen“. Grundsätzlich steht laut Saar-LB das Angebot allen Kunden offen. Demnach könnte folglich auch Dieter Koepke das Produkt wählen. Sinnvoll sei es aber nur bei bestimmten Anlagezielen, zum Beispiel bei Wertpapiergeschäften und dazu passenden Anlagebeträgen, erläutert die Bank. Dafür sei dann aber nur eine eingeschränkte Kontoführung nötig. Generell dürften ein paar zehntausend Euro vermutlich nicht ausreichen, um als Kunde von dem Produkt zu profitieren.

Auch was das Grundsätzliche betrifft, ist die Saar-LB anderer Auffassung als Kritiker Koepke. Sie dürfe zwar Bankgeschäfte jeglicher Art tätigen, müsse dies aber nicht und tue es auch bewusst nicht. Auch der öffentlich-rechtliche Auftrag der Bank sei beschränkt. Er „umfasst die Betreuung des Landes, der Kommunen und ihrer Unternehmen und Einrichtungen“. Darüber hinaus betreut die Bank mittelständische Firmenkunden und eben vermögende Privatkunden. Außerdem ist der Bank wichtig, mit den Sparkassen, die ebenfalls öffentlich-rechtlich sind, zusammenzuarbeiten und möglichst wenig mit ihnen zu konkurrieren. Da für die Sparkassen das Privatkundengeschäft ein Kernbereich sei, zeige der „empfohlene Übergang an die Sparkasse (...) unseren Gemeinwohlgedanken und Fairness“.

Verwaltungsrat und Staatssekretär Barke stützt die Position der Bank. „Ich trage die Entscheidung in vollem Umfang mit“, also die Trennung von dem für die Saar-LB nicht mehr zukunftsträchtigen Privatkundengeschäft. Auch sei die Rolle der Saar-LB eben eine andere als die einer Sparkasse, die alle Kunden bedient.

Die Neuausrichtung betrifft auch die Saar-LB-Vorstände persönlich. Die Bezüge des gesamten Vorstands beliefen sich 2018 auf 1,75 Millionen Euro. Sie zählen damit sicherlich zu Top-Verdienern und damit zu Kandidaten für die Saar-LB-Produkte, die sich an Vermögende richten. Auch die Vorstände seien „in die Sparkassenorganisation gewechselt“ und mit den Dienstleistungen „sehr zufrieden“, teilt die Bank mit.

Koepke will jedenfalls nicht klein beigeben. „Ich ziehe alle Register und gehe davon aus, dass es so ein Getöse wird, dass die Bank davon Abstand nehmen wird“ und die Konten wie bisher weiterführt. Mit Hartnäckigkeit habe er schon in der Vergangenheit Erfolge erzielt – nicht nur in der Auseinandersetzung mit der Saar-LB, nachdem er 2008 freigestellt wurde, sondern beispielsweise auch in den 90ern im Kampf um die Wiedereröffnung der Saarbrücker Eissporthalle.

Auf die Frage der SZ an die Saar-LB, wie sie mit Kunden umgehen will, die sich beharrlich gegen die Aufgabe ihre Kontos sperren, klingt die Antwort nicht ganz so hart wie in dem Kündigungsschreiben. So heißt es: „Natürlich existieren gegebenenfalls verbleibende Konten grundsätzlich weiter, nur eben ohne die typischen mit dem Konto verbundenen Leistungen.“

Dieter Koepke will sich mit allen Mitteln gegen die Kündigung seines Kontos wehren.  . Foto: Saarbrücker Zeitung/Volker Meyer zu Tittingdorf

Am Mittwoch war der Fall Thema im Haushaltsausschuss des Landtages. Dessen Vorsitzender Jochen Flackus von der Linken unterstützt das Anliegen Koepkes: „Bei allem Verständnis dafür, dass die Saar-LB Kosten senken will und Privatkunden künftig auch gut durch die Sparkasse betreut werden können: Es bleibt ein Geschmäckle, wenn eine öffentlich-rechtliche Landesbank, die dem Land und dem öffentlich-rechtlichen Sparkassen-Verband gehört, Privatkunden mit mittlerem und niedrigem Einkommen aussortiert und nur die Reicheren behält.“