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Saar-IHK rechnet mit deutlich schlechterer Wirtschaftsentwicklung als im Bund.

Saar-IHK : Saar-IHK sieht alarmierende Wirtschaftsentwicklung

Das Saarland steht wirtschaftlich vor der größten Herausforderung aller  Bundesländer, die  durch die Corona-Krise noch weiter verschärft werde. Diese Ansicht vertritt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland, Heino Klingen, gegenüber der Saarbrücker Zeitung.

Er geht davon aus, dass der von den Wirtschaftsweisen für 2020 in Deutschland prognostizierte Rückgang der  Wirtschaft um bis zu 5,4 Prozent im Saarland noch deutlich schlechter ausfallen wird. Klingen hält aus heutiger Sicht einen Rückgang von über zehn Prozent für realistisch, zumal das Saarland schon aus einer Rezession heraus in die Corona-Krise hineingeraten sei. „2019 sind wir schon geschrumpft, während der Bund noch gewachsen ist“, erläutert Klingen. „Zudem haben wir einen dreifachen Strukturwandel zu bewältigen: Mobilitätswende, Umbau der Stahlindustrie auf klimafreundliche Verfahren und die Digitalsierung“. Deshalb „gehen wir als das Bundesland mit der schwersten Hypothek in die Corona-Krise“.

Das Saarland befinde sich seit über einem Jahr in einer Industrie-Rezession. Die könne sich jetzt noch weiter verschärfen, zumal auch der Dienstleistungsbereich als Konjunkturstütze wegen der Corona-Krise ausfalle. „Wir werden im Saarland jetzt  deshalb mindestens in einem Umfang in die Rezession rutschen, wie das auch in der Finanzmarktkrise 2009 der Fall war. Damals ist die Saar-Wirtschaft um 10,6 Prozent geschrumpft.“

Die Lage werde sich nicht in vier bis sechs Wochen verbessern. Auch könne  man nicht die komplette Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit wieder hochfahren. Die Situation werde noch dadurch verschärft, dass „viele Verbraucher Kurzarbeit haben und nicht das Einkommen, das sie vorher hatten“. Auch das werde sich negativ auf den Konsum sowie das Wachstum auswirken. Viele müssten in Krisenzeiten schärfer kalkulieren. Dazu gehöre auch, dass Anschaffungen oder ein Urlaub verschoben werden.

Die derzeitige Situation mit der Corona-Krise wird nach Überzeugung von Klingen in vielen Betrieben auch einen Personalabbau zur Folge haben. Nicht jeder Saar-Betrieb sei dazu in der Lage, die  Zeit der Corona-Krise nur mit Kurzarbeit zu überbrücken. Für manchen Klein- und Kleinstunternehmer bestehe deshalb das Risiko, vom Markt zu verschwinden. Man müsse im Saarland in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen. Kurzarbeit sei trotz aller Probleme das bessere Instrument in der Krise, zumal man nach der Krise nur sehr schwer Fachpersponal finden könne, wenn die Wirtschaft wieder anläuft.

Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland. Foto: IHK Saarland/BeckerBredel

Als eine Hilfsmaßnahme in der Krise fordert Klingen ein Soforthilfeprogramm für Mittelständler bis zu 100 Mitarbeitern, das ein Unternehmen mit bis zu 30 000 Euro unterstützt, wenn es ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell vorweisen kann. Zudem solle das Saarland die Schuldenbremse aufheben und stattdessen die Möglichkeit schaffen, sich als Land über einen Landesfonds vorübergehend an größeren Unternehmen zu beteiligen. Auch dies sei Krisenhilfe.