Saar-Grünbe fordern mehr Geld aus Brüssel für ökologischen Anbau in der Landwirtschaft.

Wie Saar-Landwirte besser überleben können : Saar-Grüne wollen Bauern helfen

Die Landwirtschaft soll für Hofbesitzer und Verbraucher attraktiver werden. Die Grünen haben Vorschläge entwickelt.

Landwirte und Verbraucher im Saarland können mehr dafür tun, dass der Konsum regionaler Produkte zunimmt. Dieser Überzeugung sind die Saar-Grünen. Sie haben am Montag ein Zehn-Punkte-Programm „Wege für die Saarländische Landwirtschaft“ vorgestellt und plädieren zum Beispiel dafür, dass Bauern mehr das Gespräch auch mit größeren Supermärkten suchen sollen. Letztere würden immer häufiger auch Produkte aus der Region anbieten. Es sei zwar bekannt, dass Supermärkte große, garantierte und regelmäßig gelieferte Mengen an Lebensmitteln brauchen, doch dazu seien mehr Bauern aus der Region in der Lage als man glaubt, sagen die Grünen. Der einzelne Landwirt müsse heute deutlich offensiver als Geschäftsmann agieren und neue Vermarktungsmöglichkeiten für seine regionalen, frischen Produkte suchen, so ihre Forderung. Dazu gehöre für den Landwirt auch, offen im Gespräch mit Supermärkten abzusprechen, welche Mengen zu welchem Preis er liefern kann, appellieren Yvonne Brück und Hendrik von Carlowitz, die die Landesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der Saar-Grünen leiten.

Eine weitere Vermarktungsmöglichkeit sehen die Grünen in einem stärkeren Angebot an regionalen Produkten auf den Speiseplänen in Kitas und in Kantinen. Hier müssten sowohl Eltern als auch das Land einen Blick drauf haben. Regionales Essen koste etwas mehr, dafür sei es gesund. Dies zu ermöglichen, müsse schon den ein oder anderen Euro mehr wert sein, so die Meinung der Arbeitsgemeinschaft. Schon in den Schulen müsse mehr über die Bedeutung von Qualität und die Frische gesunder Lebensmittel aufgeklärt werden. Auch im Ausbau der Direktvermarktung vom Hof aus sehen die Grünen eine gute Einnahmequelle für Landwirte.

Mit ihrem Zehn-Punkte-Programm wollen sie bessere Lebens- und Arbeitsverhältnisse erreichen für Familienbetriebe mit konventionellen Anbaumethoden als auch für Bio-Landwirte. Mit dem Ziel von mehr ökologischem Landbau, mehr Nachhaltigkeit und Regionalität. Hier sei gleichermaßen die finanzielle Unterstützung der EU sowie der Bundes- und Landespolitik gefragt. So fordert Saar-Grünenchef Markus Tressel von der EU, im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) mehr Gelder zur Förderung des ökologischen Landbaus auch auf kleineren Flächen zur Verfügung zu stellen. Dies schone die Umwelt und fördere tiergerechtere Produktionsweisen. Notwendig sei eine Förderung ab einer Betriebsgröße von zehn Hektar beziehungsweise einem Hektar bei Sonderkulturen. In der Förderung müsse eine Gleichbehandlung von Acker und Grünland gegeben sein, sagt Tressel. Die finanzielle Förderung kleinerer und mittelgroßer Familienbetriebe sichere deren Fortbestand in der nächsten Generation und regionale Identität. Landwirte mit konventionellen Anbaumethoden könnten heute besser umwelt- und ressourcenschonender anbauen, zumal digital gesteuerte Maschinen geringere Mengen an Dünger wirkungsvoll auf die Böden auftragen. So lasse sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern beziehungsweise die Verwendung von Glyphosat stoppen, meint der Grünen-Chef.

In ihrem Papier fordern die Grünen zugleich ein Umdenken in der Ausweisung von Flächen. Immer mehr landwirtschaftliche Areale würden umgewidmet in Industrieflächen, was sowohl der Umwelt als auch der Lebensraumbeschaffung für Insekten und Kleinlebewesen schade. Tressel kritisiert das am Beispiel des Ausbaus des Lisdorfer Bergs, während gleichzeitig ein paar Kilometer weiter auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Ensdorf schon 55 Hektar Industrieflächen zur Verfügung stünden. Das Land treibe, wie das Beispiel Lisdorfer Berg aufzeige, auf Kosten des Steuerzahlers Preise für Industrieflächen in die Höhe. Schon seit 2015 fehle ein Landesentwicklungsplan Umwelt.