Saar-Gewerkschaft kritisiert fehlende Investitionen ins Schienennetz

Kostenpflichtiger Inhalt: Deutsche Bahn : „Der Deutschen Bahn droht ein Chaos“

Ralf Damde, Chef der Eisenbahnergewerkschaft (EVG) an der Saar, fordert deutlich mehr Investitionen in die Schiene.

Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) im Saarland, Ralf Damde, erhebt schwere Vorwürfe gegenüber dem Bahn-Vorstand, der Bundes- und Landespolitik. Forderungen von Bahnnutzern  und  auch Klimaschützern, mehr Züge fahren zu lassen als Alternative zu Inlandsflügen und einem immer weiter zunehmenden Verkehr auf Autobahnen und Landstraßen, seien überhaupt nicht umsetzbar. Das bundesweite Fernstreckennetz  der Deutschen Bahn sei schon völlig überfüllt. Gleichzeitig steige massiv der Sanierungsbedarf von Strecken und älteren Brücken entlang der Trassen. „Wir haben zahlreiche Brücken, die älter sind als 100 Jahre. Was soll aus denen werden?“, fragt Damde.

Das von der Politik bisher bewilligte Geld für Baumaßnahmen reiche bei weitem nicht aus. „Die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zum Ausbau der Schienen-Infrastruktur sieht für die kommenden zehn Jahre insgesamt 86 Milliarden Euro vor“, so Damde. Nicht einmal die notwendigsten Bau- und Sanierungsmaßnahmen könne man damit bewältigen. Alleine Berechnungen des Bündnisses Allianz pro Schiene, dem 24 Non-Profit-Organisationen und über 150 Wirtschaftsunternehmen angehören, hätten einen Mindestbedarf von über 100 Milliarden Euro ergeben. Darin nicht enthalten seien Investitionsvorhaben aus den letzten Jahren, die man mehrfach verschoben habe. „Der Deutschen Bahn droht ein Chaos“, so Damde. Seine Befürchtung: „Wenn nicht mehr Investitionen in das System erfolgen, dann gehen wir unter.“

Ralf Damde, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVD).  Deutschland. Foto: BeckerBredel

Der Eisenbahner spricht auch das Baustellennetz an. „Das System verkraftet maximal 800 Baustellen. Im gesamten Bahnnetz haben wir jetzt schon 1100 Baustellen.“ Hinzu komme noch, dass der gesamte Güterverkehr auf den vorhandenen Trassen fährt. Man könne auch nicht einfach neue, zusätzliche Trassen bauen.  Dafür notwendige Genehmigungsverfahren dauerten in Deutschland viele Jahre. Zudem  müsse man vielerorts mit Einsprüchen rechnen.

Die Wahrheit sei ernüchternd: „Sie bekommen schon heute keinen einzigen zusätzlichen Zug mehr in den Bahnhof Frankfurt rein, der ein Kopfbahnhof ist. Alleine die Auslastung dieses Bahnhofs liegt bei 120 Prozent.“ Es existierten deshalb sogar Pläne, den Frankfurter Hauptbahnhof zu untertunneln. Die Kapazitäten zum Flughafen Frankfurt seien auch erschöpft, die ICE-Hauptader zwischen Frankfurt-Mannheim  sei bereits seit vielen Jahren überlastet. Ähnliche Verhältnisse träfen am Bahn-Knotenpunkt Köln zu. „Wir können auch generell keine längeren Züge fahren lassen, weil wir die Bahnsteige dafür nicht haben. Wir sind am Limit. Man könnte zwar noch mehr Doppelstock-Wagen einsetzen, aber auch die müssten erst gebaut und geliefert werden.“ Die vorhandenen Engpässe zögen, über den Tag verteilt, immer größere Verspätungen nach sich.

Auch das Saarland müsse immer größere Nachteile im Fernverkehr in Kauf nehmen, da das Land kein Projekt für den vordringlichen Bedarf  im Bundesverkehrswegeplan angemeldet habe. So ließen sich weitere Fahrzeitvorteile auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Saarbrücken und Frankfurt nicht realisieren. Für Baden-Württemberg sei dagegen der Ausbau des Streckenabschnittes zwischen Mannheim und Karlsruhe angemeldet, der die Konkurrenzstrecke zum Saarland nach Paris über Straßburg noch schneller mache.

Damde betont: „Ich kann bei den saarländischen Bundespolitikern in Berlin keinerlei Aktivitäten zu Gunsten des Saarlandes erkennen.“ Es reiche nicht, einen täglichen ICE nach Berlin fahren zu lassen und das als „Daseinsvorsorge“ für die Region zu verkaufen.

Auch zur Verbesserung regionaler Strecken fehle Engagement. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD)  müsse sich für eine Verbindung von Dillingen über Thionville nach Luxemburg einsetzen. Dies bringe weitere Anschlüsse an den TGV in Thionville und stärke die Anbindung ins Großherzogtum Luxemburg mit Anschlüssen nach Brüssel. Da die Landesregierung seit Jahren keinen erkennbaren Druck auf Bahnchef Richard Lutz und den Vorstand ausübe, nehme dieser die Region schon lange nicht mehr ernst. Niemand dürfe sich deshalb wundern, wenn die Anbindung des Saarlandes an das Bahnnetz immer schlechter wird.