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Reinstädtler weiterhin 1. Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz

Vollversammlung der IG Metall-Verwaltungsstelle Homburg-Saarpfalz : Reinstädtler: Fokus auf E-Mobilität ist Irrweg

Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie nutzen die schwierige Situation bei den Autobauern und ihren Zulieferern immer häufiger dazu, die Zahl der Beschäftigten abzubauen oder Betriebsteile auszugliedern.

Das sagte Jörg Köhlinger, Leiter des Bezirks Mitte der Gewerkschaft IG Metall, am Sonntag auf der Delegiertenversammlung der IG-Metall-Verwaltungsstelle Homburg-Saarpfalz. „Dahinter verbirgt sich eine offene machtpolitische Auseinandersetzung mit dem Ziel, die Machtbalance zugunsten der Arbeitgeber zu verändern“, ist der Bezirkschef überzeugt.

Seiner Ansicht nach „werden die kommenden vier Jahre der entscheidende Zeitraum dafür, wie sich die Betriebe grundsätzlich neu ausrichten“. Vor allem der Automotive-Bereich „kann so richtig in die Bredouille kommen“.

Der auf der Versammlung mit 97,6 Prozent wiedergewählte Erste Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle, Ralf Reinstädtler, kündigte eine Kampagne an, die auf die Probleme der Automotive-Branche aufmerksam machen soll. „Wir brauchen weiterhin bezahlbare Mobilität“, sagte er. „Außerdem müssen wir die Diskussion, womit die Autos der Zukunft angetrieben werden, technologieoffen führen.“ Die Fokussierung auf die Elektromobilität sei ein Irrweg.

Für Oliver Simon, Betriebsratschef von Bosch Homburg, „geht es der Bundesregierung gar nicht mehr darum, beim Verkehr Kohlendioxid (CO2) einzusparen“. Ziel sei vielmehr, „dass weniger Autos auf unseren Straßen fahren“, sagte er anlässlich der Aussprache zum Geschäftsbericht der vergangenen vier Jahre. Simon warnte davor, „mit dieser Politik die Gesellschaft zu spalten – zwischen Stadt und Land sowie Arm und Reich“. Die Bevölkerung außerhalb der Großstädte „ist auf das Auto angewiesen, um zur Arbeit zu kommen“. Es dürfe nicht so weit kommen, „dass sich nur noch die Reichen ein Auto leisten können“. Für den Betriebsrats-Vorsitzenden von Schaeffler in Homburg, Salvatore Vicari, „ist bei der Diskussion um das Auto der Zukunft die Sachlichkeit verloren gegangen“. Mit der E-Mobilität „wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt“. Schaeffler Homburg mit seinen 2600 Mitarbeitern „ist zu mehr als 80 Prozent vom Verbrennungsmotor abhängig“.

Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke (SPD) forderte von der Bundesregierung, „dass sie Geld zur Verfügung stellt, um der Industrie die Möglichkeit zu geben, den von der Politik geforderten Transformationsprozess zu mehr Klimaschutz erfolgreich zu bewältigen“. Nötig sei beispielsweise eine erhöhte staatliche Förderquote für Unternehmen, die ihren Sitz in strukturschwachen Gebieten haben.

Die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Industriebetriebe schlägt sich inzwischen auch in den Haushalten von Städten und Gemeinden nieder. So seien die Gewerbesteuer-Einnahmen von Homburg im Jahr 2019 acht Millionen Euro unter dem Planwert von 29 Millionen Euro geblieben, erinnerte Bürgermeister Michael Forster (CDU).

Die vergangenen vier Jahre waren für die IG-Metall-Verwaltungsstelle Homburg-Saarpfalz erfolgreich. Die Zahl der Mitglieder ist trotz Arbeitsplatz-Abbau um etwa 180 auf knapp 16 000 gestiegen. Der Organisationsgrad konnte um 2,5 Prozentpunkte auf 64,8 Prozent gesteigert werden. Wiedergewählt für die nächsten vier Jahre wurde auch Reinstädtlers Stellvertreter Peter Vollmar – und zwar mit 96,6 Prozent. Gewählt wurden zudem 13 ehrenamtliche Ortsvorstandsmitglieder.