Recycling des Kunststoffs Polystyrol in Chemiefabrik in Carling

Tests erfolgreich : Total testet Plastik-Recycling in Carling

In seinem Chemiewerk arbeitet der Konzern an der Wiederverwertung des Kunststoffs Polystyrol. Der dritte Test ist erfolgreich verlaufen.

In seinem lothringischen Standort im grenznahen Carling hat der Chemie-Konzern Total den dritten industriellen Test für die Wiederverwertung von Polystyrol abgeschlossen. Aus diesem Stoff werden zum Beispiel Joghurt-Becher oder Plastikflaschen hergestellt. Wegen der Verschmutzung und Vermischung mit anderen Stoffen ist es schwer Polystyrol zu recyceln. Daran forscht Total im lothingischen Werk seit Jahren.

2017 gelang es zum ersten Mal, 60 Tonnen Polystyrol zu produzieren, die zu zehn Prozent aus recyceltem Polystyrol bestehen. „Mittlerweile sind wir in der Lage, den Anteil an recyceltem Polystyrol auf 23 Prozent zu steigern“, berichtet Thierry Saudemont, Verantwortlicher für die nachhaltige Business-Entwicklung bei Total. Bis 2030 will der Konzern europaweit eine Million Tonnen recyceltes Plastik produzieren. Die Pionierarbeit soll das Werk in Carling leisten. „Wir sind innerhalb des Konzerns der größte Produktionsstandort für Polystyrol“, erklärt Carling-Chef Franky Smisaert. Er ist mit den Ergebnissen des dritten und jüngsten Tests zufrieden: „In dieser Etappe haben wir die automatische Filtrierung erfolgreich eingeführt. Außerdem weist das Polystyrol mit dem recycelten Anteil eine vergleichbare Qualität wie der vollständig neuproduzierte Stoff.“ Lediglich die Farbe der erzeugten Granulate sei verschieden. Im Gegensatz zum weißen Polystyrol, das ausschließlich aus dem Rohstoff Styrol und ohne recycelten Anteil hergestellt wird, ist dieses Polystyrol-Granulat grau. Abnehmer gibt es dennoch jetzt schon. Die Firma Saint-Gobain will sie in Frankreich für die Dämmung und Isolierung in Gebäuden einsetzen.

Als Rohstoff für die Tests werden gebrauchte Joghurt-Becher, Plastikgeschirr oder CD-Hüllen, die von den Haushalten der Region entsorgt werden, genutzt. In einem ersten Schritt werden sie im Wertstoffhof aussortiert und zu einem weiteren Unternehmen geschickt, wo sie intensiv gereinigt und zerstückelt werden. Die daraus entstandenen Plastik-Konfetti landen dann bei Total in Carling, wo sie wieder zu Polystyrol verarbeitet werden. Auch wenn die Tests bisher gut gelaufen sind, will sich Total nicht auf ein Datum für den Start der regulären industriellen Produktion festlegen.

Doch aus dem alten Joghurt-Becher aus dem gelben Sack wird nicht so schnell ein neuer. Bis das wiederverwertete Polystyrol auch im Lebensmittelbereich wieder eingesetzt werden kann, ist es noch ein langer Weg. Denn da gelten noch höhere Qualitätsstandards. Nichtsdestotrotz interessiert sich bereits jetzt eine Firma aus dem Lebensmittelsegment für die Technologie und die möglichen finanzielle Vorteile dieser „Kreislaufwirtschaft“. Der multinationale Konzern Danone hat vor zwei Jahre eine Kooperation mit Total geschlossen. Das Thema Umweltschutz gewinnt an Bedeutung, der Druck aus der Öffentlichkeit wächst. Danones Generalsekretärin Laurence Peyraut, die gestern nach Carling gereist war, hat dementsprechend große Pläne. „Bis 2025 sollen unsere Verpackungen zu 100 Prozent wiederverwertbar werden. Das verlangen immer mehr Verbraucher von uns und das ist unser Beitrag als Unternehmen zur Schonung von Ressourcen“, kündigt sie an. Außerdem würde eine hundertprozentige Wiedernutzung erhebliche Kostenersparnis für Firmen bedeutet, die dadurch viel weniger Rohstoffe nachkaufen müssten.

Unabhängig vom umweltschonenden Ansatz geht es für Total in Carling auch um die langfristige Sicherung der 368 Arbeitsplätze. „Unser Ziel wäre eine spezielle Produktionslinie, auf der nur Polystyrol mit recyceltem Anteil hergestellt wäre“, sagt Saudemont. Noch wird eine reguläre Linie, auf der Polystyrol ohne recycelten Anteil produziert wird, jeweils für die Tests umgebaut. Das zurzeit in Carling produzierte Polystyrol wird von Spanien über die Benelux-Staaten nach Deutschland in ganz Europa exportiert. In diesen Ländern gäbe es auch Abnehmer, die bereits Interesse an die Variante mit recyceltem Anteil signalisiert hätten.

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