Ralf Zastrau tritt als Vorstandschef von Nanogate aus Göttelborn zurück

Kostenpflichtiger Inhalt: Vorstandschef legt Amt nieder : Ralf Zastrau gibt Chefposten bei Göttelborner Nanogate auf - jetzt mit weiteren Details

Der strategische Kopf von Nanogate geht. Ralf Zastrau verlässt das Göttelborner Unternehmen Ende März. Die verbliebenen Vorstände haben große Aufgaben zu bewältigen.

Ralf Zastrau, der strategische Kopf des Göttelborner Oberflächenveredlers Nanogate, legt überraschend seinen Posten als Vorstandschef nieder – zum 31. März, also nicht sofort. Dies gab das börsennotierte Unternehmen am Dienstagabend bekannt. „Das hat rein private Gründe und hat nichts mit dem Unternehmen zu tun“, versicherte er gegenüber der SZ. Details zu den persönlichen Beweggründen wollte Zastrau nicht preisgeben. Auf jeden Fall gebe es keinen Zwist im Vorstand, der zu dem Schritt geführt habe, sagte er, um Spekulationen den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Wir sind im Vorstand freundschaftlich verbunden und bleiben das auch.“ Er werde weiterhin als Berater für Nanogate tätig sein.

Ein Nachfolger wurde nach Unternehmensangaben vom Aufsichtsrat noch nicht bestellt. Den Vorstand bilden künftig Finanzchef Götz Gollan und Robert Wittmann als Leiter des operativen Geschäfts. Zastrau hatte Nanogate 1999 mitgegründet und seitdem geleitet. Damals kam die Firma aus dem Saarbrücker Forschungs-Institut für Neue Materialien (INM) heraus mit der Idee an den Markt, Oberflächen so zu behandeln, dass sie einfach zu reinigen sind. Heute ist Nanogate ein weltweit tätiges Technologieunternehmen für multifunktionale Hightech-Oberflächen – mit vielfältigen Eigenschaften von schmutzabweisend über korrosionsbeständig und kratzfest bis zu antibakteriell und reibungsarm sowie speziellen Designs wie Klavierlack- oder Metalloptik, und all das auf diversen Materialien von Kunststoff und Metall bis Glas und Porzellan.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Klaus-Günter Vennemann, bedauert das Ausscheiden Zastraus: „Mit seinem strategischen Weitblick hat Ralf Zastrau ein Startup zu einem international agierenden Unternehmen aufgebaut und Nanogate als Innovationspartner internationaler Konzerne etabliert.“

Die Firmenzentrale von Nanogate in Göttelborn. Foto: BeckerBredel/Nanogate/BeckerBredel

Unter Zastrau legte das Unternehmen einen rasanten Wachstumskurs hin. Beim Börsengang 2006 lag der Umsatz bei 7,3 Millionen Euro, für 2019 rechnet die Geschäftsführung mit einem Wert von 245 bis 250 Millionen Euro. Dafür hat Nanogate immer wieder andere Firmen gekauft – in Deutschland, aber auch im Ausland. Inzwischen hat die Gruppe rund 1800 Mitarbeiter weltweit, davon 140 im Saarland.

Zuletzt musste das Unternehmen aber auf die Bremse treten. Das Wachstum ging zu sehr auf Kosten des Gewinns. „Nanogate ist etwas schnell gewachsen, jetzt müssen wir das Augenmerk auf Konsolidierung richten“, hatte Zastrau im November gesagt. Nanogate senkte seine Ergebnisprognose auf acht bis elf Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Unterm Strich werde ein Minus im „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ stehen, hieß es. Mehrere Gründe nannte das Unternehmen dafür: höhere Ausschuss-Raten beim Anlauf neuer Projekte und gestiegene Kosten für Umbau und Zukunftsprogramm im Konzern.

Daraus zog das Unternehmen Konsequenzen. „Mit einem verbesserten Projektmanagement sowie standardisierten Prozessen sollen Kosten und Komplexität in der Fertigung sowie ungeplante Mehraufwendungen beim Anlauf neuer Aufträge vermieden werden“, hatte Zastrau angekündigt. Darüber hinaus werde überprüft, ob Teile des Unternehmens aufgegeben oder verkauft werden. Die Dividende wurde gestrichen.

Es gibt also gerade jetzt viel zu tun, um das Unternehmen mehr auf Profitabilität auszurichten. Dafür hatte es vor kurzem einen Umbau im Vorstand gegeben. Michael Jung wurde am 1. Dezember im operativen Geschäft von Robert Wittmann abgelöst. Er bringe langjährige Erfahrungen aus internationalen Konzernen und Kompetenzen im Automotive-Bereich mit, hieß es.

Der Rückzug von Zastrau kommt angesichts dessen vermutlich zur Unzeit. Finanzchef Gollan macht sich keine Sorgen: „Grundsätzlich darf kein Unternehmen von einer einzelnen Person so abhängig sein, dass ein Ausscheiden es dann vor unlösbare Probleme stellt.“ Er ist auch optimistisch für die Zukunft: „Ich sehe keine Probleme, dass Herr Wittmann und ich mit Unterstützung von Herrn Zastrau als Berater das Unternehmen weiter führen.“ Die Aufgabe werde dadurch etwas vereinfacht, dass ein Zeit fressender Faktor wegfalle. In der Vergangenheit hatten die Übernahmen viel Energie des Managements gebunden. Zukäufe stünden aber überhaupt nicht an, sagte Gollan. Und vielleicht hilft auch der kürzlich gewonnene Großauftrag über mehr als 100 Millionen Euro für die Front eines Elektroautos. Wenn alles nach Plan läuft, muss der Auftrag nun aber so umgesetzt werden, dass für Nanogate am Ende ein ordentlicher Gewinn bleibt.