Petition will Leitungswasser in allen Restaurants in Luxemburg

Kostenpflichtiger Inhalt: Leitungswasser in der Gastronomie : Darf es etwas Leitungswasser sein?

In Luxemburg ist eine Petition mit der Forderung nach Wasser aus dem Hahn in allen Restaurants gescheitert. Auch im Saarland halten Gastronomen diesen Vorschlag nicht für sinnvoll.

Ob zum Brunch, zu geschäftlichen Mittagsessen oder zum romantischen Dinner: Auf den Tisch im Restaurant gehört ein Krug Leitungswasser. Dieser Meinung sind zumindest in Luxemburg viele Menschen. Und so hatte David Kieffer ganz schnell die 4500 Unterschriften beisammen, die im Großherzogtum notwendig sind, um ein Thema vor die Abgeordnetenkammer zu bringen. Mit seinen Mitstreitern von der Initiative „Refill Lëtzebuerg“ hat er Mineralwasser in Einwegplastikflaschen den Kampf angesagt. Mit ihrer Petition wollten sie einen „schonenden Umgang mit den Ressourcen“ und dafür Leitungswasser in allen Restaurants per Gesetz erzwingen. Es sei absurd, dass Tonnen von Glas- und Kunststoffflaschen durch das Land transportiert werden, während das Leitungswasser in Luxemburg gute Qualität aufweise, so die Argumentation der Unterschriftensammler. Damit aus ihrem Vorschlag kein wirtschaftlicher Nachteil für die Gastro-Szene entstehe, fordern sie nicht, dass das Wasser kostenlos gereicht werde, sondern lediglich, dass dieses statt Mineralwasser angeboten werde – auch kostenpflichtig.

Doch damit hatten sie bei den Abgeordneten kein Glück. Denn diese haben entschieden, auf ein entsprechendes Gesetz zu verzichten und stattdessen die Gastronomen im Land für das Thema zu sensibilisieren und weiterhin auf Freiwilligkeit zu setzen. Sollten in dieser Hinsicht dennoch keine Verbesserungen auftreten, stellte Nancy Kemp-Arendt, Vorsitzende des Petitionsausschusses, doch ein Gesetz in Aussicht. In anderen Ländern ist der Umgang mit Leitungswasser in der Gastronomie längst so geregelt. In Frankreich zum Beispiel ist der Krug Leitungswasser im Restaurant Pflicht. Seit 1967 ist das gesetzlich verankert. Dafür müssen die Gäste auch nicht extra bezahlen. Genau wie Brot oder Gewürze gehört die Karaffe Leitungswasser zu den Dingen, die vom Gastronomen zur Verfügung gestellt werden müssen und im Preis enthalten sind. Anders verhält es sich in den Kneipen. Dort sind die Kunden auf die Kulanz des Bar-Besitzers angewiesen.

Im Saarland entscheidet jeder Restaurant- oder Cafébesitzer für sich, ob er seinen Kunden Leitungswasser anbieten will. Und das ist auch gut so, meint Frank Hohrath, Hauptgeschäftsführer der Dehoga Saarland. „Ein Restaurant muss ein wirtschaftlicher Betrieb bleiben, daher ist es richtig, dass jeder Gastronom es für sich regeln kann“, sagt er. „Wäre die Ausgabe von Leitungswasser gesetzlich für die Wirte verpflichtend, würde es auch die Preise für die Kunden in die Höhe treiben.“ In Frankreich zum Beispiel sei es so, dass die Kunden bereit seien, höhere Preise für Speisen und Getränke auswärts zu bezahlen. „Dort ist die Esskultur anders. Auch wenn sie eine Karaffe Leitungswasser kostenlos gestellt bekommen, bestellen die Gäste weiterhin Getränke, Wein oder Limo“, sagt Hohrath. Aus diesem Grund könne man in der Hinsicht die Praxis beiderseits der Grenze nicht eins zu eins vergleichen.

Dass man mit Verzicht auf Plastik die Umwelt schonen wolle, sei natürlich wichtig. Doch diese Forderung nur für die Gastronomie geltend zu machen, sei ungerecht. „Wenn schon, müssten Plastikflaschen, die über einen langen Weg transportiert werden, auch vom Handel verbannt werden“, so Hohrath.

Auch auf EU-Ebene ist die Thematik des Leitungswassers angekommen. Im Artikel 13 der Trinkwasserrichtlinie von vergangenem Februar ist die Rede von verschiedenen „Maßnahmen zur Werbung für Leitungswasser für den menschlichen Gebrauch“. Ein Vorschlag ist die „Förderung der kostenlosen Bereitstellung dieses Wassers in Restaurants, Kantinen und im Rahmen von Verpflegungsdienstleistungen.“ Endgültig verabschiedet ist die Richtlinie noch nicht. Zurzeit wird sie noch vom Europäischen Rat geprüft.

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