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Outlet in Zweibrücken öffnet trotz Kritik in der Corona-Krise

Kostenpflichtiger Inhalt: Rheinland-Pfälzischer Alleingang : Zweibrücker Outlet-Center öffnet trotz Kritik aus dem Saarland

Die Landesregierung in Mainz hat entschieden, dass Fabrikverkaufszentren in Rheinland-Pfalz öffnen dürfen. Ob Saarländer das Zentrum in der Corona-Krise überhaupt besuchen dürfen, ist unklar.

Das „Zweibrücken Fashion Outlet“ ist ab Montag wieder geöffnet. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Vorangegangen war eine Verordnung der rheinland-pfälzischen Landesregierung vom Freitag, laut der Fabrikverkaufszentren – entgegen der Bund-Länder-Einigung zum Corona-Schutz vom vergangenen Mittwoch – wieder öffnen dürfen. „Die aktuellen Fallzahlen in Rheinland-Pfalz rechtfertigen eine moderate Lockerung bei der Öffnung der Geschäfte bei einem gleichzeitig weiterhin sehr strengen Kontaktverbot“, begründete ein Regierungssprecher den Schritt. Zwar hätten sich Rheinland-Pfalz und das Saarland auf gemeinsame Regelungen geeinigt. Das „Thema Outlet“ sei dabei aber „nicht zur Sprache“ gekommen.

„Es war überraschend für uns, dass Mainz so entschieden hat“, sagte der Sprecher des Zentrums. Die Wiedereröffnung erfolge nun unter „strengen Sicherheits- und Hygiene-Regeln“. So soll es zunächst nur einen Eingang geben. Die Parkplätze würden reduziert und der Einlass überwacht. Auch in und vor den einzelnen Läden werde darauf geachtet, dass sich nicht zu viele Menschen an einem Ort aufhalten. Einschließlich Personal darf es laut Landes-Verordnung (wie auch in allen anderen Geschäften) maximal eine Person pro zehn Quadratmeter sein. Dem Sprecher zufolge wird das Zentrum zunächst nur montags bis samstags von 11 bis 17 Uhr geöffnet sein. „Wir sind gespannt, ob die Öffnung von den Kunden stark angenommen wird oder nicht“, sagte der Sprecher. Er appellierte an die Kunden, beim Besuch des Zentrums einen Mundschutz zu tragen.

Die Bürgermeister der größten Städte im Saarland, Uwe Conradt (CDU/Saarbrücken), Jörg Aumann (SPD/Neunkirchen), Michael Forster (CDU/Homburg) und Peter Demmer (SPD/Saarlouis), kritisieren in einer gemeinsamen Mitteilung die unabgestimmte Öffnung des Fabrikverkaufszentrums. „Das ist im wortwörtlichen Sinne zurzeit lebensgefährlich“, so ihre Warnung. Menschenansammlungen müssten um jeden Preis verhindert werden. „Im Ergebnis entsteht eine Situation, die sehr schnell unkontrolliert werden kann und zu einer erneuten Schließung führen könnte. Die erzielten Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie dürfen durch unkontrolliertes Handeln nicht wirtschaftlichen Interessen geopfert werden.“

Darüber hinaus befürchten die Bürgermeister wirtschaftliche Nachteile für das Saarland. „Wenn Rheinland-Pfalz jetzt unabgestimmt und unkontrolliert Shopping-Malls und Outlet-Center öffnet, entsteht auch der Eindruck, man versuche sich damit einen Wettbewerbsvorteil auf Kosten des Saarlandes zu verschaffen.“

Zumindest für Saarländer könnte ein Besuch jedoch Folgen haben. „Das Outlet-Center-Shopping in Rheinland-Pfalz ist kein triftiger Grund für Saarländer, das Haus zu verlassen“, teilen die Bürgermeister mit. „Dies sollte auch durch die Landespolizei kontrolliert werden, denn sonst bekommen wir eine Situation, dass durch das Regulierungsgefälle im Gesundheitsschutz auch der Handel im Saarland zusätzlich geschwächt wird.“ Das saarländische Innenministerium äußerte sich bislang nicht zu der Frage, ob Saarländer das Zentrum besuchen dürfen.