Signa- und Galeria-Chef Nach massivem Druck – Benko zieht sich von der Spitze seines Imperiums zurück

Update | Wien/Essen/Saarbrücken · Nach langem Hin und Her: René Benko räumt den Chefsessel. Dem Firmen-Imperium geht es finanziell schlecht. Sowohl die Immobilien-Sparte als auch die Warenhauskette Galeria scheint nach Brancheninsidern nicht auf die Füße zu kommen. Und ihm wurde eine Rettung schon länger nicht mehr zugetraut.

 René Benko, Chef der strauchelnden Signa-Holding und damit auch von Galeria.

René Benko, Chef der strauchelnden Signa-Holding und damit auch von Galeria.

Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa/Georg Hochmuth

Update von Mittwoch, 8. November, 13.10 Uhr: Jetzt ist es offiziell, was eigentlich schon fürs Wochenende angekündigt war: René Benko zieht sich aus der Führung des strauchelnden Signa-Imperiums zurück. Da teilte der Konzern am Mittwoch, 8. November, mit. Seinem Unternehmen gehört auch die Warenhauskette Galeria mit einem letzten Standort in Saarbrücken (Karstadt).

Immobiliensparte geriet ins Trudeln

Demnach soll die die die Familien-Privatstiftung größter Gesellschafter bleiben. Insbesondere die Immobiliensparte war zuletzt in Schieflage geraten. Daraufhin hatten Investoren und Gesellschafter den Milliardär aus Österreich massiv unter Druck gesetzt.

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Foto: Oliver Dietze

Update von Sonntag, 5. November, 18.15 Uhr: Allmählich dringen Details ans Tageslicht, wie schlecht es um die Immobiliensparte des Signa-Imperiums von René Benko stehen soll. Diese wirtschaftliche Schieflage könnte auch Auswirkungen auf die übrigen Geschäftszweige haben. Zu ihnen gehört die Warenhauskette Galeria (Kaufhof/Karstadt) mit dem letzten im Saarland verblieben Standort.

Medien: Allein die Immobiliensparte benötigt 300 Millionen Euro

Nach einem Bericht der Schweizer Tageszeitung 20 Minuten ist von einer dringenden Finanzspritze über 300 Millionen Euro die Rede. Damit soll eine drohende Insolvenz umschifft werden, die die anderen Bereiche mit sich reißen könnte. Das Blatt beruft sich auf einen nicht näher bezeichneten Signa-Manager.

Er gehe davon aus, dass das Geld bereits in den kommenden Tagen fließen müsse. In diesem Zusammenhang berichtet die Gratiszeitung, dass Benko mit einem Geldgeber aus Saudi-Arabien verhandele. Dabei gehe es um einen Staatsfonds. Wie lange der Österreicher allerdings noch die Zügel seines Firmengeflechts in der Hand hält, ist ungewiss. Eigentlich war bereits am Wochenende auf Druck von Investoren und Gesellschaftern mit seiner Abberufung vom operativen Geschäft gerechnet worden.

Diese hatten die undurchsichtigen Strukturen kritisiert. Außerdem gebe es kaum Informationen zum tatsächlichen finanziellen Zustand. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung meldet, sei allein Signa-Prime, die alle Immobiliengeschäfte umfasst, in 265 Gesellschaften unterteilt.

Ursprüngliche Meldung von Freitag, 3. November: Die Anzeichen dafür haben sich die Vortage bereits verdichtet. Jetzt scheint spätestens an diesem Wochenende, 4./5. November, die endgültige Entscheidung zu fallen: René Benko soll seinen Chefsessel bei der Signa-Holding räumen, zu der auch der mehr als angeschlagene Galeria-Warenhauskonzern gehört, Das betrifft damit auch Karstadt in Saarbrücken.

ORF: Gesellschafter informiert über baldigen Rückzug von Signa-Chef René Benko

So zitiert der Österreichische Rundfunk (ORF) den Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner, wonach sich Benko zurückziehen werde. Haselsteiner halte selbst Anteile an dem Imperium des Österreichers. Schon vor dieser Stellungnahme des Tirolers war über massiven Druck auf den Milliardär aus den eigenen Reihen berichtet worden. So sollen Investoren erheblich auf ihn eingewirkt haben, die Führung abzugeben.

Nach Angaben des Handelsblattes sei auch Haselsteiner unter den Unterzeichnern eines entsprechenden Schreibens an Benko. Dieser habe jetzt entschieden, sich zurückziehen. Am Wochenende sollen die Details dazu geregelt werden, meldet der ORF am Freitag, 3. November.

Chefsanierer Arndt Geiwitz soll die Zügel in die Hand nehmen

Bereits diese Woche hatte auch die SZ darüber berichtet, dass Chefsanierer Arndt Geiwitz das Ruder übernehmen soll. Er war von Benko zuletzt nicht nur damit beauftragt worden, die Warenhauskette Galeria (Kaufhof/Karstadt) unter dem Dach des Signa-Imperiums wieder auf Linie zu bringen. Auch die Immobiliensparte, die nach Wirtschaftsinsidern unter immensen Schulden aufgrund gestiegener Zinsen und Materialkosten leiden soll, habe Benko dem Experten anvertraut.

Branchendienste veröffentlichten unterdessen erste Zahlen aus noch unveröffentlichten Abschlussberichten. So habe der Verlust 2022 bei Signa mehr als 500 Millionen Euro betragen, meldet News. Darum braucht Benko dringend neues Geld, was Investoren indes von seinem Rückzug vom operativen Geschäft abhängig machen sollen. Das meldete unter anderem die Lebensmittel-Zeitung.

Hohe Schulden erlauben keine neuen Zuschüsse für Galeria

Wegen der Schulden bei der Beteiligungsgesellschaft Signa-Holding gehen Experten davon aus, dass es keine weiteren Zuschüsse mehr für Galeria geben soll – und damit ebenso wenig für die einzig verbliebene Filiale in Saarbrücken: Karstadt. Zwar sollen sich die meisten der noch verbliebenen 92 Standorte i Deutschland mittlerweile nach dem Insolvenzverfahren wieder erholt haben. Dennoch schreibe Galeria gesamt nach wie vor rote Zahlen. Dass die Verlustzone wieder verlassen wird, damit sei laut Medienberichten frühestens 2025 zu rechnen.

Gleichwohl sei Karstadt in Saarbrücken auf einem guten Weg. Das erfuhr die Saarbrücker Zeitung aus dem Umfeld der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) im Saarland. Demnach soll die angestoßene Restrukturierung vor Ort greifen. Die Kundenzahl und damit der Umsatz sei gestiegen. Nicht zuletzt der Umzug des Galeria-Restaurants aus dem geschlossenen Kaufhof in der selben Straße einige 100 Meter aufwärts in die bis dahin leer stehende Karstadt-Gastronomie habe zum Aufschwung beigetragen.

Wirtschaftliche Schieflage der Signa-Mutter auch Auswirkungen auf Karstadt in Saarbrücken

Allerdings würde der Saar-Standort von neuerlichen Turbulenzen des Gesamtkonzerns eingesogen. Sollten die Geschäftszahlen hier auch noch so stabil sein. Wie es tatsächlich um das weit verzweigte Firmengeflecht unter dem Signa-Dach von René Benko aktuell tatsächlich bestellt ist, das ist bisweilen nicht ganz klar. Daran entbrannten insbesondere die Vorwürfe der Gesellschafter und Investoren. Ihnen fehle der Überblick.