Nur wenige Frauen machen eine Ausbildung zum Steinmetz

Serie Ausbildung 2019 : Etwas für die Ewigkeit schaffen

Der Beruf des Steinmetzes ist ein traditionsreiches Handwerk, das Geschick und Kraft erfordert. Zunehmend sind hier auch Frauen zu finden.

Das Rathaus aus Sandstein in Schiffweiler ist nicht leicht zu erkennen, ein großes stählernes Baugerüst mit grünem Netz verdeckt die Sicht. Ein Paar Beine baumeln vor dem blauen Rathaus-Schild. Sie gehören der Auszubildenden Jessica Jungbauer. Die 21-Jährige füllt gerade Löcher zwischen den Sandsteinen des alten Gemäuers mithilfe einer großen Fugenspritze auf. Hin und wieder greift sie zur Wasserspritze. um den Mörtel zu befeuchten. In der prallen Sonne trocknet er sonst zu schnell. Dann droht er zu reißen, weiß die Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei Natursteine Glöckner.

Auf den Beruf des Steinmetzes ist Jungbauer während einer Führung durch den Kölner Dom gekommen. Da sei die Entscheidung gefallen, sagt die Frau aus Illingen mit den roten Haaren. Ihr sei klar geworden, dass hinter dem Beruf mehr steckt, als Grabsteine zu setzen.

Diese Vielfältigkeit bringt ihr auch heute noch den meisten Spaß. Jeden Tag eine neue Baustelle, eine neue Herausforderung, bei Wind und Wetter, oft in schwindelerregender Höhe. Jungbauers Leidenschaft gehört der Restauration: Sachen für die Ewigkeit schaffen. Deshalb hat sie sich für die Firma in Neunkirchen-Hangard entschieden, der Betrieb von Markus Glöckner ist nämlich auf dieses Gebiet spezialisiert.

Das Verfugen gehört zu den alltäglichen Aufgaben – für Steinmetze habe es fast etwas Meditatives, sagt sie. Doch ganz so ruhig geht es nicht immer zu: Manchmal geht die junge Auszubildende auch mit dem schweren Pickhammer auf Steine los. „Dann schauen männliche Kollegen nicht schlecht“, sagt sie etwas stolz. So als würde sie sonst nur filigrane Buchstaben in Stein meißeln, winkt sie lachend ab. Und obwohl neben Jungbauer zwei weitere Frauen mit Spachtel und Mörtel auf dem Gerüst stehen, und die männlichen Kollegen damit in der Unterzahl sind, täuscht der Eindruck. Frauen sind in diesem Beruf noch immer weit unterrepräsentiert. In ihrem Ausbildungsjahr, sagt die 21-Jährige, gebe es gerade mal drei weibliche Auszubildende. Und das über die Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen hinweg. Weil es generell nur wenige Steinmetze gibt, findet die schulische Ausbildung zentral in Mainz statt. Dort wird allerdings nicht nur an der Schulbank gepaukt. In den Kursen der Handwerkskammer, erzählt Jungbauer, wird ergänzt, was in den Betrieben zu kurz kommt. Die Lehrlinge verbringen rund die Hälfte ihrer Ausbildungszeit im Betrieb, die andere Hälfte in Mainz. Während dieser Schulungsblöcke am Rhein leben die Auszubildenden dann „wie im Internat“, sagt Jungbauer.

Wer sich den modernen Steinmetz als Handwerker mit Hammer und Meißel vorstellt, der liegt nicht ganz falsch. „Wir arbeiten immer noch mit den Geräten wie vor 500 Jahren“, sagt Katja Hobler, zuständig für die Ausbildung im Unternehmen, während sie in der Hangarder Werkstatt eine ganze Reihe unterschiedlicher Schlageisen präsentiert. Dass die Digitalisierung auch vorm Steinmetzberuf nicht halt gemacht hat, ist eine Halle weiter allerdings allgegenwärtig – dort dominiert eine riesige, computergesteuerte Fünf-Achs-Säge. Die rund 220 Quadratmeter große Halle musste extra für die Maschine gebaut werden, sagt die Frau von Firmenchef und Meister Markus Glöckner. In die alte Halle hätte sie nicht hineingepasst.

An einer Jesus-Statue im Hof der Firma – ein erstes Probestück der neuen Säge damals – demonstriert sie die Möglichkeiten der riesigen Maschine. Ein Laser erfasst die Maße einer Vorlage, die Säge ist dann in der Lage, die Statue zu kopieren. Zwar sind die Rillen, die die Maschine im Stein hinterlässt, noch recht grob, das Gesicht des Gottessohns ist dennoch deutlich zu erkennen. „Die Maschine könnte das noch feiner“, sagt Hobler. Das würde sich aber nicht lohnen, denn das würde Wochen dauern. Ein Steinmetz sei schneller. Der Umgang mit der modernen Säge steht natürlich auf dem Ausbildungsplan der drei Lehrlinge im Neunkircher Betrieb. „Aber sie müssen das auch von Hand können“, sagt Hobler. Nicht immer werden die Stücke in der Werkstatt gefertigt. Oft müssen sie vor Ort angepasst werden.

In den 1990er Jahren hätten sich noch zehn bis 15 junge Menschen beworben. Jetzt seien es noch drei, bedauert Hobler. Die große Auswahl bleibt dem Steinmetzbetrieb dann nicht. Und das, obwohl der Nachwuchs große Chancen hat, übernommen zu werden. Der Betrieb ist auf Restauration spezialisiert: „Wir brauchen Steinmetze, die das können“, sagt Hobler.

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