Noch immer keinen Lohn für Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Müssen Gusswerke doch Insolvenz anmelden? : „Lasst uns alle beten, dass das Geld kommt“

Die Angst ist groß, und sie wächst von Tag zu Tag. Noch immer haben die rund 1000 Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken ihren August-Lohn nicht bekommen. Und auch die Abfindungen wurden bislang nicht gezahlt.

Im Juli hatten rund 200 Beschäftigte im Zuge des vom Management geplanten Stellenabbaus Auflösungsverträge unterschrieben. „Es hat sich nichts bewegt. Es wurden keine Löhne bezahlt und keine Abfindungen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Bernd Geier. Allein bei den Abfindungen geht es um eine Summe von rund vier Millionen Euro.

Jetzt ist die Sorge groß, dass das Unternehmen möglicherweise Insolvenz anmelden muss. „Diese Woche ist die Woche der Entscheidung“, vermutet Geier. Er habe die Geschäftsführer aufgefordert, mit den Mitarbeitern zu sprechen. Die Reaktion: Sie könnten nicht kommen, sie arbeiteten aber an einer Lösung, habe es geheißen, wie Geier sagt. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt eine Aussage von Thorsten Dellmann auf einer Informationsveranstaltung vergangene Woche im Betrieb. „Lasst uns alle beten, dass das Geld kommt“, sagte der zweite Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall, wie er gegenüber der SZ bestätigte.

Vor einer Woche schien noch die Rettung der Motorblock-Gießerei ausgemacht. „Die Finanzierung ist nach der heutigen Vereinbarung gesichert und damit auch die mittelfristige Zukunft der Standorte Saarbrücken und Leipzig“, sagte Frank Günther am Dienstag vergangener Woche der SZ. Die wichtigen Großkunden Volkswagen, General Motors (GM) und auch Deutz, von denen das Wohl und Wehe der früheren Gießerei Neue Halberg Guss abhängt, hätten sich geeinigt, verkündete der Geschäftsführer der Gießerei-Dachgesellschaft Avir Guss Holding. „In den nächsten Tagen werden die Abfindungen gezahlt“, versprach Günther. Inzwischen sind die „nächsten Tage“ aus Sicht der betroffenen Mitarbeiter längst vorbei. Möglicherweise ist die von Günther bekanntgegebene Vereinbarung zwischen Volkswagen und General Motors doch nicht so konkret und im Detail ausgearbeitet, dass die Gelder fließen können. Die Geschäftsführung der Avir Guss Holding antwortete bislang nicht auf eine Anfrage der SZ zu dem Zahlungsverzug.

Die Einigung der Großkunden soll nicht nur die Abfindungen und Löhne betreffen, sondern die gesamte Verteilung der Kosten für eine nachhaltige Sanierung des Unternehmens. Darum streiten Volkswagen und General Motors angeblich seit Monaten. Es soll insgesamt um einen zweistelligen Millionenbetrag gegen. Fließt diese Summe, dürften die rund 1000 Arbeitsplätze in Saarbrücken und weitere gut 500 im Schwesterwerk Leipzig gerettet sein. Die Vereinbarung ist auch Voraussetzung für ein Gutachten der Düsseldorfer Prüfungsgesellschaft Mazars, das die Zukunftsfähigkeit der Gusswerke bestätigen soll. Nur wenn es positiv ausfällt, können die Bundesländer Saarland und Sachsen die Gusswerke unterstützen – vor allem in Form von Bürgschaften für Zukunftsinvestitionen. Das Saarland hatte Hilfen im Umfang von bis zu 50 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

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