Neuer Ausbildungsgang im Saarland: Bei ZF lernen Produktionstechnologen

Serie Ausbildung 2019 : „Agilität ist das Wichtigste“

Beim Automobilzulieferer ZF in Saarbrücken werden saarlandweit die ersten Produktionstechnologen ausgebildet. Der zweite Jahrgang läuft bereits.

Im erst vor wenigen Monaten eröffneten Ausbildungszentrum der ZF in Saarbrücken hat eine Gruppe junger Menschen eine kleine Produktionsstraße aufgebaut. Eine abgeschottete Welt mit allem was eine Fertigung braucht, aber fernab der hektischen Realität in den Werkshallen des Zulieferers – vom Webshop und der Annahme der Kundenaufträge, über die Produktion der Gehäuse für einen Kleinplatinencomputer und dem Montieren der Einzelteile, bis hin zur Qualitätsprüfung und schließlich dem Versand. Die Gruppe, die hier arbeitet, ist der erste Jahrgang der Produktionstechnologen im Saarland.

Zu den acht jungen Leuten gehören Belana Rupertus und Maurice Schleuning. Eigentlich wollten beide etwas anderes lernen. Siem hatten sich auf eine Stelle als Industriemechaniker beworben, erzählen sie. Im Vorstellungsgespräch haben der 17-Jährige und die 19-Jährige dann von der neuen Ausbildungsmöglichkeit gehört. „Ich war ganz schnell überzeugt, dass ich mich auf das Abenteuer einlasse“, sagt Belana Rupertus. Abenteuer trifft es wohl ganz gut, denn eine strenge Definition zum im Saarland noch neuen Berufsfeld gibt es nicht, die Berufsbeschreibung ist sehr offen formuliert.

Für Ausbilder Frank Siegel liegt darin der Reiz des Produktionstechnologen: „Ich kann den Auszubildenden ganz auf meinen Betrieb zuschneidern.“ Das heißt zum einen: „Die Auszubildenden können die Ausbildung mitgestalten. Sie leisten Pionierarbeit. Das ist spannend“, sagt Siegel. Heißt zugleich auch: „Wir bilden für den Eigenbedarf aus“. Übernahmechancen scheinen also hoch zu sein. Eigentlich haben die acht Auszubildenden die Mindestanzahl für eine Fachklasse nicht erfüllt. Das Ministerium, so sagt Siegel, habe aber Zugeständnisse gemacht. So müssten die Produktionstechnologen keine weiten Strecken auf sich nehmen oder sich zu anderen Klassen zuordnen lassen. Sie haben ihre eigene Fachklasse in Sulzbach.

Die Kernkompetenz des Produktionstechnologen ist es, ein Problem zu erkennen und einen Lösungsweg zu finden. Ob er das Problem dann lösen kann, ist eine andere Frage. Er ist Generalist, sagt Siegel, kein Spezialist. Der Produktionstechnologe muss den Überblick über das Ganze haben. Deshalb stehen auf dem Lehrplan erstmal die Grundlagen: Metallgrundausbildung, drehen und fräsen, Steuerungs- und Elektrotechnik etwa. Dann geht es daran, Prozesse zu optimieren. Für die Montagestation im Showroom haben die Azubis etwa gemeinsam eine Montagehilfe entwickelt. Die Platine des Computers ist empfindlich, rutscht der Monteur mit der Schraube ab, ist sie nicht mehr zu gebrauchen. Dieses Problem haben die Auszubildenden erkannt und sich auf die Suche nach einer Lösung gemacht. Zunächst haben die Azubis ein kleines Zwischenstück von einem 3-D-Drucker fertigen lassen, damit der Monteur nicht mehr direkt über der Platine arbeiten muss. Durch kleine Öffnungen sollen die Schrauben gezielt in die vorgesehenen Löcher auf dem Gehäuse geleitet werden. Doch die Schrauben verrutschen, drehen sich in der kleinen Röhre. Auch für dieses Problem müssen sie jetzt eine Lösung entwickeln. Maurices Idee war ein längerer Bit, um die Schrauben gezielter durch die Öffnung zu bugsieren. Den hat Ausbilder Siegel bestellt. Bald können Sie die Idee testen. „Ich habe 30 Jahre Berufserfahrung“, sagt Siegel. „Ich habe einen ganz anderen Blick auf die Dinge. Zu sagen, so kann es nichts werden, bringt aber nichts.“ Er wird am Ende den Lösungsweg aber bewerten. Und Siegel ist, wie er selbst mit einem Augenzwinkern sagt, „nie zufrieden. Ich bin ein strenger Kunde“. Damit will er seine Schützlinge motivieren, immer besser zu werden. Mit Kritik müssten sie umgehen können. „Fördern heißt Fordern“ ist sein Motto.

Wer sich also für den Beruf interessiert, muss in der Lage sein, sich auf ständig wechselnde Aufgaben einzulassen. „Agilität ist das Wichtigste“, sagt Siegel und „Kommunikationsfähigkeit“, denn er muss zwischen verschiedenen Teams vermitteln können. Vernünftige Noten würden helfen, sagt Siegel. „Die zeigen mir Lernfähigkeit“. Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit zur Verkürzung. „Im ersten Jahrgang sind wir froh, wenn wir alles im normalen Rahmen schaffen“, sagt Siegel. Der zweite Jahrgang ist im September aber bereits gestartet und die ersten Bewerbungen für das kommende Jahr sind auch schon eingeflattert, sagt Siegel.

Mehr von Saarbrücker Zeitung