Neue Bündnis soll Nachwuchssuche der Gastronomie im Saarland erleichtern

Bündnis soll Abhilfe schaffen : Saar-Gastronomie findet kaum Nachwuchs

Ein neu geschaffenes Bündnis soll die Branche attraktiver für junge Menschen machen. Die Verantwortlichen haben eine Menge Arbeit vor sich.

Im Saarland hat sich ein Bündnis gebildet mit dem Ziel, den Fachkräftemangel in der Gastronomie und Hotellerie zu beheben, „der zu einem echten Wachstumshemmnis in dieser gut laufenden Branche zu werden droht“. Das sagte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) gestern bei der Unterzeichnung des verabredeten Maßnahmeprogramms. Ihr Ministerium ist einer der Partner in diesem Bündnis. Die Behörde will unter anderem dafür sorgen, dass in den Berufsschulen verstärkt überbetriebliche Ausbildungsinhalte vermittelt werden, weil beispielsweise Köche in den vielen kleinen Betrieben des Landes nicht immer das lernen können, was später in der Prüfung abgefragt wird. Dadurch soll die Zahl derer, die ihre Prüfung nicht bestehen, sinken. Denn die „Durchfallquote ist im Gastgewerbe vor allem im praktischen Teil überdurchschnittlich hoch“, heißt es in der Vereinbarung. Rehlinger versprach, dass sie Mittel dafür aus laufenden Programmen zur Verfügung stellen will.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland wiederum will die Ausbilder in den Betrieben besser schulen. IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen sicherte zu, dass zusätzliche Seminare, die die Kammer in ihrer Ausbildungsakademie anbietet, speziell auf Lehrherren in Hotels, Restaurants und Gaststätten zugeschnitten werden sollen. Der Landesverband Saar des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) will dafür werben, dass die Firmeninhaber dieses Weiterbildungsangebot auch wahrnehmen, betonte Dehoga-Präsidentin Gudrun Pink.

Auch die Zahl der Ausbildungsberater, die den Unternehmen zum Beispiel bei Konflikten zwischen Lehrherr und Lehrling helfen sollen, die Unstimmigkeiten aus der Welt zu schaffen, soll erhöht werden. Derzeit steht lediglich Geld für 3,4 Planstellen zur Verfügung, über die Ausbildungsberater bezahlt werden können. Diese wenigen Leute müssten sich um 270 Ausbildungsbetriebe kümmern und dafür sorgen, dass möglichst viele junge Leute ihre Lehre zu Ende bringen.

Die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA) will sich dafür einsetzen, dass schon in den Schulen die Berufsorientierung intensiviert wird, damit Mädchen und Jungen früher als bisher „zu einer gefestigten Berufswahlentscheidung kommen, was am Ende auch der Gastronomie und Hotellerie nützt“, sagte Direktorin Heidrun Schulz. Allerdings gebe es 336 Ausbildungsberufe und die Behörde könne keine Branche bevorzugt behandeln.

Auf der anderen Seite sollen die Mitarbeiter der Restaurants, Gaststätten und Hotels auch ordentlich bezahlt werden. Dafür will sich Mark Baumeister, Geschäftsführer Saar der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), in diesem Bündnis stark machen. Im Saarland sei man hier mit dem Dehoga auf einem guten Weg. „Die Tarifbindung soll zum Qualitätsmerkmal eines Betriebs werden, bei dem junge Leute gerne arbeiten.“

Die Nachwuchssorgen brennen der Branche unter den Nägeln Denn die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung von 2010 bis 2017 um 35,5 Prozent auf 246 gesunken. Fast jeder zweite Ausbildungsvertrag in den Berufen Koch und Restaurantfachfrau wird zudem vorzeitig aufgelöst. Auf der anderen Seite stieg die Anzahl der Erwerbstätigen in Gastronomie und Hotellerie seit 2010 um fast 13 Prozent auf heute 33 000 Beschäftigte. Die Bündnispartner wollen sich zweimal pro Jahr treffen, um zu besprechen, was erreicht wurde und wo es noch hakt.