NE-Holo aus Saarbrücken macht Werbung mit Hologrammen

Start-up mit Holo-Technik : Werbung wie aus der Science-Fiction-Welt

Heiko Engel und Gregor Neisius verwandeln gewöhnliche Reklame in Hologramme.

Prinzessin Leia Organa tut es, der Jedi-Rat tut es ebenfalls, wenn er sich in seinem Tempel auf Coruscant trifft. Im Film-Epos Star Wars ist die Kommunikation mithilfe von Hologrammen ganz selbstverständlich. Lichtdurchflutete Abbilder erscheinen im Raum und übermitteln Botschaften an die Anwesenden, während die eigentliche Person Lichtjahre entfernt ist.

Science Fiction macht es möglich, doch Heiko Engel (30) aus Eppelborn und Gregor Neisius (27) aus Perl wollen diese Bilder aus einer fernen Zukunft schon bald in der Gegenwart erstehen lassen. Vor gut einem Jahr haben die ehemaligen Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) ihr eigenes Unternehmen, die Firma NE-Holo, gegründet, um genau das in die Tat umzusetzen.

Inzwischen tauchen die ersten von ihnen entwickelten Hologramme in Apotheken auf. Mit dem Krieg der Sterne hat das wenig zu tun, sondern eher mit dem Kampf um die Kunden. An der pyramidenförmigen Prisma-Spitze einer Stele, in der Pflegeprodukte zum Zugreifen und Kaufen ausliegen, bewirbt ein dreidimensional anmutender Hologramm-Film die Vorzüge bestimmter Cremes und Pasten.

„Wir haben einen Pilotkunden gewonnen, der derzeit testet, ob mit der erhöhten Aufmerksamkeit, die unser Hologramm erzeugt, die Verkaufszahlen steigen“, sagt Neisius. „Was sich für Pflegeserien eignet, ist auf alle möglichen Produkte anwendbar, bei denen die Neugier des Kunden mit diesem besonderen Holo-Effekt geweckt werden könnte“, wirbt Engel. Zusammen mit einer Werbeagentur und einem Mediengestalter zeichnen die NE-Holo-Inhaber die Videos auf und entwerfen die Verkaufssäule mitsamt den Vitrinen. Derzeit sind sie dabei, neue Kunden zu gewinnen und sie davon zu überzeugen, dass ihre Hologramme „die Verkaufszahlen steigern helfen“.

Auch der Schritt zu lebensgroßen Holo-Menschen, die beispielsweise in Baumärkten zeigen, wie Zement angerührt wird oder im Schaufenster eines Modehauses winkend die neuesten Kollektionen vorführen, „ist nicht mehr allzu weit“, sagt Neisius. „In spätestens zwei Jahren wollen wir die Hologramm-Menschen so weit entwickelt haben, dass sogar einfache Dialoge mit ihnen möglich sind.“

Die Holo-Technik fasziniert die beiden Betriebswirtschaftler schon länger. Sie nahmen vor drei Jahren am Gründungsprojekt „fünf-Euro-Startup“ von HTW-Professor Stefan Georg teil. Dort haben Studierende die Möglichkeit, die Idee einer Unternehmensgründung mit einem eigenen Produkt in die Tat umzusetzen. Sie entschieden sich für eine Grußkarte, die „Say-Holo-Card“, in die eine feste Folie eingeklebt ist, die transparent ist aber auch spiegelt. Diese faltet man zu einem Prisma und legt ein Smartphone darunter, auf dem zuvor eine Internet-Seite aufgerufen wird. Wenn man diese Seite startet, erscheint innerhalb des Prisma ein kleiner dreidimensional anmutender Film mit Grüßen zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Nachdem der Glückwunschkarten-Verband auf diese Geschäftsidee aufmerksam geworden war, fanden die beiden auch Abnehmer in der Branche. Die Karten werden weiterhin verkauft.

Inzwischen ist auch ein Investor auf Engel und Neisius aufmerksam geworden und die landeseigene Strukturbank SIKB, die sie mit dem saarländischen Innovationspreis auszeichnete, hat ihnen ein Gründerdarlehen über 25 000 Euro zur Verfügung gestellt. Begleitet werden die jungen Leute auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit auch vom Technologietransfer-Institut Fitt der HTW. „Fitt hat uns von Anfang an tatkräftig unterstützt und wertvolle Kontakte vermittelt“, sagt Neisius.

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