Mitarbeiter bei Festo sind ärgerlich über gestrichene Zuschläge

Sinkende Zuschläge : Unruhe bei Festo im Saarland

Die Konjunktur-Turbulenzen treffen auch Festo im Saarland. Jetzt sollen die Kosten sinken. Das löst einigen Ärger in der Belegschaft aus.

Bei Festo sind Management und Belegschaft seit vielen Jahren verwöhnt. Ein Umsatzrekord jagte den nächsten. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs. Doch seit der zweiten Jahreshälfte 2018 bekommt das Automatisierungstechnik-Unternehmen mit Sitz in Esslingen bei Stuttgart und Werken auch im Saarland die Widrigkeiten der Konjunktur zu spüren. Weltweit ist sie ins Stocken geraten, und plötzlich ist von Sparen die Rede – zum Unmut vieler Mitarbeiter.

Für dieses Jahr hatte die Geschäftsführung ursprünglich zehn Prozent höhere Erlöse anvisiert. Etwa 3,5 Milliarden Euro waren das Ziel. Jetzt rechne Festo noch mit etwa vier Prozent plus, sagt Maik Glutting, Leiter der saarländischen Werke St. Ingbert-Rohrbach und Wiebelskirchen. Im Saarland sind die Aussichten deutlich magerer. „Wir müssen am Standort in diesem Jahr von Nullwachstum ausgehen“, prognostiziert er.

Dies bleibt nicht ohne spürbare Folgen für die Mitarbeiter im Konzern. In einem Aushang des Vorstands vom März, der unserer Zeitung vorliegt, ist von „umfangreichen Sparmaßnahmen“ die Rede, die beschlossen worden seien, „um die überschießenden Kosten stark einzubremsen“. Glutting versichert, dass trotzdem keine radikalen Einschnitte zu befürchten seien. Die Kosten sollen runter, „aber nicht über ein großes Programm, wo es darum geht, mit einem Projekt Millionen einzusparen“, sagt Glutting. So sei ein drastisches Stellenabbauprogramm „definitiv nicht“ geplant, versichert er. Stattdessen gehe man viele – auch kleine – Vorhaben zur Kostensenkung an.

In der Belegschaft ist trotzdem der Ärger über so manches Sparprojekt groß. So „gibt es für 2018 keine Erfolgsbeteiligung“, sagt Glutting. Der Grund: „Das Ergebnis war nicht gut.“ Das Aussetzen der Sonderzahlung löste Ärger aus, wie aus Belegschaftskreisen und von der Gewerkschaft zu hören ist. Als es im vorigen Jahr noch gut lief, habe die Belegschaft alles möglich gemacht, um das Produktionsvolumen zu stemmen, sagt Thorsten Dellmann, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken. Als „Dankeschön“ gebe es für 2018 keine Prämie. Das empfänden viele als „Tritt in den Hintern“. Allerdings habe das Nein des Managements zu der Prämienzahlung der bisherigen Regelung für die Bemessung der Sonderzahlung entsprochen, sagt der Rohrbacher Betriebsratschef Michael Meinecke.

Im vorigen Jahr hatte Festo für 2017 noch eine Rekordsumme von 2500 Euro als Prämie an jeden Mitarbeiter in Deutschland gezahlt. Grund dafür waren Bestwerte bei Umsatz und Gewinn. Festo hatte die Marke von drei Milliarden Euro Umsatz geknackt und unterm Strich mehr als 220 Millionen Euro verdient. In früheren Jahren habe die Sonderzahlung zwischen fünf und 20 Prozent eines Monatsgehalts betragen, erklärt Glutting. Im Durchschnitt hätten die Beschäftigten eine Prämie in der Größenordnung von 500 bis 600 Euro erhalten, sagt Meinecke.

Die alte Vereinbarung über die Bemessung der Prämie ist allerdings lange ausgelaufen. Geschäftsführung und Konzernbetriebsrat verhandeln seit September vergangenen Jahres über ein neues Verfahren, die Erfolgsbeteiligung zu berechnen. Im Mai äußerte sich der Konzernbetriebsrat einem Aushang zufolge skeptisch, ob es zu einer gemeinsamen Lösung kommen könne. In diesem Monat soll „ein letzter Verhandlungstermin stattfinden“.

Glutting betont aber, dass Festo nach wie vor insgesamt überdurchschnittlich zahle. So liege die Leistungszulage mit durchschnittlich 13 Prozent drei Prozentpunkte über dem tariflich festgelegten Niveau.

Angesichts der schlechteren Auftragslage seien 80 bis 100 Leiharbeiter, die in der Phase der großen Nachfrage nach Festo-Produkten gebraucht wurden, nun in Rohrbach nicht mehr weiterbeschäftigt worden, sagt Glutting. Anders bei den befristet Eingestellten. Rund 160 Verträge sind nach Angaben des Werksleiters – erneut befristet – verlängert worden. Schon daran sei zu erkennen, dass Festo kein Stellenabbauprogramm plane. Demnach soll die Belegschaftsgröße im Saarland inklusive der befristet Beschäftigten bei rund 3000 Mitarbeitern bleiben – etwa 350 mehr als noch vor einigen Jahren.

Sorgen macht sich der Betriebsrat auch wegen „Vorhaben, Produkte von den Standorten in Deutschland an andere Standorte zu verlagern. Das schädigt die Beschäftigung in Deutschland“. So steht es in einem Betriebsratspapier von Mitte April. „Einen weiteren Produktionsstandort in Osteuropa aufzubauen, ist nicht nachvollziehbar“, heißt es weiter. Tatsächlich gebe es Pläne für ein Werk in Polen, bestätigt eine Festo-Sprecherin. Diese seien aber – aus Spargründen – vorerst auf Eis gelegt. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Meinecke. Er fordert, dass solch ein Werk in Polen nicht „zum Nachteil der deutschen Standorte“ gebaut werden dürfe. Produktion, die künftig aus Rohrbach ins Ausland verlagert wird, müsse durch neue Aufträge ersetzt werden. Die Festo-Sprecherin versucht zu beruhigen: Sollte die Fabrik in Polen einmal gebaut werden, solle sie nur zusätzliches Geschäft abdecken und nicht die Beschäftigung in Deutschland schmälern

Maik Glutting, Werkleiter von Festo in Rohrbach. Foto: Festo

Dass Festo die Standorte im Saarland keineswegs durch Sparen schwächen wolle, zeigten die Investitionen, sagt Glutting. Nach der Großinvestition in das Kunststoffteile-Werk von mehr als 30 Millionen Euro vor vier Jahren habe Festo weitere 80 Millionen zusätzlich in die hiesigen Standorte gesteckt. Zusätzlich heißt, mehr als die 15 bis 20 Millionen, die jährlich in die Instandhaltung fließen. Alles in allem investiert Festo nach Angaben des Standortchefs in diesem Jahr 40 Millionen Euro im Saarland – für künftiges Wachstum.

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