1. Saarland
  2. Saar-Wirtschaft

Meister-Gitarren von der Saar

Exklusives Saar-Handwerk : Meister-Gitarren von der Saar

Kazuo Sato und sein Sohn Hideo betreiben in Saarlouis ein besonderes Handwerk. Sie bauen Instrumente für Profi-Gitarristen.

Immer wieder nimmt Kazuo Sato eine Rohgitarre von der Halterung der Wand. Wieder und wieder hobelt er etwas Holz weg, prüft die Oberfläche, klopft, hört auf den Klang. Auch sein Sohn Hideo, der an einer anderen Werkbank den Lack auf eine Gitarre aufträgt prüft immer wieder durch Klopfen die Klangeigenschaften des Instruments. „Das Klopfen zeigt, wie am Ende die Gitarre klingen wird“, sagt Hideo.

Im Fall der beiden ist es der spezifische Klang einer „Sato-Gitarre“. Ein Klang, den Musiker weltweit schätzen. Was aber genau macht den Klang der Instrumente aus Saarlouis aus? „Am Ende bleibt es immer ein Geheimnis“, sagt Kazuo Sato. Und das sagt er nicht aus Eitelkeit. „Selbst bei meinem Sohn, der Gitarren so baut wie ich, haben die Instrumente einen etwas anderen Klang.“ Es seien viele Faktoren, an denen es liegen kann, schließlich besteht der Bau einer Gitarre aus so vielen Einzelschritten. „Es mag schon daran liegen, dass er die Hand beim Schleifen anders bewegt.“

Vater und Sohn Sato bauen in ihrer Werkstatt in Saarlouis nicht irgendwelche Gitarren. Es sind Meister-Gitarren für Profi-Musiker. Nicht zu vergleichen mit den Standard-Industrie-Gitarren, die schon für wenige Euro zu bekommen sind. Sato-Gitarren kosten mit einem Preis ab 10 000 Euro etwa so viel wie ein Kleinwagen. Das liegt daran, dass sie bis ins Detail perfektioniert sind. Und eben diesen ganz speziellen Klang haben. „Ich habe eine sehr genaue Vorstellung davon, wie die fertige Gitarre klingen soll. Und das steht beim Bau immer im Vordergrund“, sagt Kazuo Sato. Der hohe Preis erklärt sich aber nicht nur durch den speziellen Klang. Es ist auch der Aufwand, den die Herstellung eines solchen Instruments kostet: „In unseren Gitarren stecken über 100 Stunden Handarbeit“, sagt Hideo Sato.

Ein Japaner, der in Saarlouis Gitarren baut? Das Saarland ist nur eine von vielen Stationen im Leben von Kazuo Sato. Das Handwerk hat er mit Anfang 20 bereits in Japan gelernt. Er wollte damals nicht nur Gitarre spielen, sondern die Instrumente auch bauen, erzählt er. Mit 24 Jahren ging er dann nach England. Weiter lernen – jetzt beim Gitarrenbau-Meister David Rubio. „Rubio hat schon einen klingenden Namen unter Musikern“, sagt Sato.

Anschließend ging es darum, selber Fuß zu fassen. Doch das sei gar nicht so schwierig gewesen, sagt er. Die Branche sei klein, insofern könne man sich schnell einen Namen machen. Erstmals hat Sato sich in Belgien selbstständig gemacht hatte, zog dann Mitte der 70er Jahre ins Saarland – der Liebe wegen.

Obwohl es in der Werkstatt ein wenig aussieht, wie in einer kleinen Schreinerei – mit dem normalen Holzhandwerk ist der Instrumentenbau kaum zu vergleichen. „Wo das Handwerk aufhört, fangen wir an“, sagt Hideo Sato. Dass er heute ebenso wie sein Vater Gitarren baut, war nicht selbstverständlich. „Eigentlich bin ich Diplom Informatiker“, sagt er. In diesem Beruf hat er sogar mehrere Jahre gearbeitet. Unter anderem als Software-Forscher in Japan. Dorthin sei er gegangen, weil er Japanisch lernen wollte. „Als Kind habe ich das leider nicht gelernt.“ Nach Fukushima ging es dann zurück nach Deutschland. Hideo Sato hat damals nicht nur den Lebensort, sondern auch den Beruf gewechselt. Statt Software zu programmieren, baute er fortan Gitarren wie sein Vater. Und das mit Erfolg. Seine Instrumente sind ähnlich gefragt wie die seines Vaters.

Bei den Gitarren kommt es auf Feinheiten an – neben handwerklichen Fähigkeiten ist auch musikalisches Talent gefragt. Letztlich müsse man sich beim Bauen schon vorstellen können, wie das Instrument später klingen werde, sagt Hideo Sato. Auch ein Gespür für das richtige Material ist gefragt. Welches Holz erzeugt genau welche Klangfarbe, wo muss es platziert sein? Hideo Sato zeigt den Bauplan einer Klangdecke. Viele unterschiedliche Holzstücke sind im Inneren verleimt, mal Fichte, mal Zeder. Jedes in einer genau abgemessenen Dicke und an einem vorgegebenen Platz. „Und auch dann müssen wir noch mehrfach schleifen und nacharbeiten, bevor es perfekt ist“, sagt Hideo Sato.

Auch das Holz ist keine Standardware. Bevor es verarbeitet werden kann, muss es Jahrzehnte gelegen haben. Vater Sato zeigt eine Gitarre, deren Resonanzboden aus Fichtenholz 40 Jahre gelagert war. „Das Palisanderholz für Zargen und Boden ist sogar 70 Jahre alt“, sagt er. „Das Holz, das mein Vater jetzt kauft, wird er nicht mehr verbauen“, sagt Hideo Sato. Er profitiert jetzt davon, dass sein Vater früher, wie er selber sagt, „mehr Geld in Holz als in meine Kinder“ investiert hat.

Trotz des Klangideals probieren Vater und Sohn auch Varianten aus. „Mein Vater ist da sogar recht experimentierfreudig“, sagt Hideo Sato. „Ich bin da konservativer.“ Möglichkeiten gebe es viele. Die Dicke der Seitenwände, die Stärke der Holzleisten im Inneren all das gebe eine neue Klangqualität. Bei Gitarren für Kunden hielten sich diese Experimente in engen Grenzen, sagt Kazuo Sato. Eine wirkliche Experimentier-Gitarre müsse er letztlich aber auch nicht verkaufen. Klar sei aber, dass bestimmte Experimente ausgeschlossen sind: „Eichenholz werde ich sicher nicht verwenden. Da weiß ich einfach, dass es nicht funktioniert“, sagt er.