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Medtron AG aus Saarbrücken entwickelt Injektoren für Kontrastmittel

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Gesundheitswirtschaft im Saarland : Technik, die im Körper Klarheit schafft

Die Saarbrücker Medtron AG entwickelt Injektoren für Kontrastmittel. Die Idee stammt von einem Professor der Homburger Uniklinik.

Millionen Patienten bekommen in Deutschland jedes Jahr Kontrastmittel gespritzt, bevor sie in die Röhre kommen – sich also beispielsweise einer Kernspintomografie unterziehen, bei der sich unter anderem Organe darstellen lassen. Dabei spielt ein saarländisches Unternehmen eine große Rolle. Kontrastmittel hilft den Ärzten, die inneren Strukturen des Körpers auf den schwarz-weißen Aufnahmen besser zu unterscheiden. So können sie unter anderem Krebsherde erkennen und diagnostizieren. Für die Injektion des Mittels werden heute spezielle Geräte verwendet. Einer der europäischen Branchenführer dieser Injektoren hat seinen Sitz in Saarbrücken: Medtron.

Früher sei die Injektion des Kontrastmittels ein reiner Kraftakt für die Ärzte gewesen, sagt Martin Bartels, seit zwölf Jahren Vorstandsvorsitzender der Medtron AG. Sie mussten die Spritzen von Hand aufziehen und dem Patienten verabreichen. Weil das Blut mit hoher Geschwindigkeit durch den Körper fließt, sei dazu auch enormer Druck nötig, zudem sei die Dosierung des Mittels hoch gewesen. Injiziert in die Vene, musste es sich seinen Weg durch die Blutgefäße bis zur zu untersuchenden Stelle, beispielsweise in der Leber oder der Niere, bahnen. Die hohe Dosierung ist problematisch, weil auch Kontrastmittel Nebenwirkungen haben können – sie reichen etwa von lästiger Übelkeit bis hin zum gefährlichen allergischen Schock. Anfang der 90er Jahre habe sich Professor Günter Brill, der 1992 Medtron gegründet hat, während seiner Arbeit am Uniklinikum Homburg mit dieser Problematik befasst, sagt Bartels. Vor nicht ganz drei Jahrzehnten wollte sich der Radiologe den Kraftaufwand und den Patienten die Nebenwirkungen ersparen. Sein Ziel: „Den Einsatz von Kontrastmitteln so gering wie möglich zu halten“, sagt Bartels.

Seit Brills Erfindung übernimmt die Injektion eine Maschine. Am Injektionsgerät ist Platz für zwei verschiedene Mittel: zum einen nach wie vor das Kontrastmittel und zum anderen zusätzlich Kochsalzlösung. Wie Bartels erläutert, schiebt die Kochsalzlösung das Kontrastmittel an die richtige Stelle. So sei es möglich, die Menge viel geringer zu halten, als wenn ausschließlich Kontrastmittel gespritzt würde. Voraussetzung ist, dass die Dosierung der beiden Substanzen genau auf den Patienten abgestimmt wurde. Auch das leistet die Maschine. Zudem spricht sich der Injektor mit dem Gerät ab, das die Aufnahmen macht, also etwa dem Kernspintomografen. So sei gewährleistet, dass das Kontrastmittel an der richtigen Stelle sitzt, wenn das Bild gemacht wird.

Solche Geräte stellt Medtron in verschiedenen Ausführungen her. Etwa für die Angiographie, für die Computer-(CT) und Kernspintomographie (MRT). Auf diesem Gebiet war Brill Vorreiter, sagt Bartels. Brill entwickelte 1998 den ersten Injektor für MRTs. Denn das in dem Tomographen erzeugte starke Magnetfeld, macht die Benutzung weiterer Geräte besonders schwierig.

Insgesamt gibt es weltweit nur sechs Unternehmen, die solche Geräte zur Injektion von Kontrastmitteln herstellen. Medtron ist einer der Branchenführer in Europa. Hier hält das saarländische Unternehmen nach eigenen Angaben einen Mark­­tanteil von 37 Prozent. Auf dem asiatischen Markt, genauer in China, besitzt Medtron einen Anteil von 22 Prozent. Allerdings gibt es auf der Weltkarte auch noch weiße Flecken, wie die USA zum Beispiel „Da wollen wir hin“, sagt Bartels. Rund 80 Vertriebspartner hat Medtron, die die Injektionsmaschinen an Krankenhäuser oder Radiologiepraxen verkaufen.

2018 kam das Unternehmen auf einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. 2007 waren es noch 9,4 Millionen. Damals hatte das Unternehmen um die 35 Mitarbeiter. Heute sind am Standort in Saarbrücken rund 110 beschäftigt. Medtron stellt neben den Injektionsmaschinen auch die für die Nutzung notwendigen Verbrauchsmaterialien her, wie Spritzen und Schläuche. Dafür hat das Unternehmen in Hermeskeil eine extra Fabrik eröffnet. Dort sind weitere 30 Mitarbeiter beschäftigt. Hauptgesellschafter ist die Beteiligungsgesellschaft Adpart, sie hält mehr als die Hälfte der Unternehmensanteile. Mitgesellschafter sind noch immer Firmengründer Günter Brill und das Management, die beiden Vorstände Martin Bartels und Martin Biehl.

Um weiter zu wachsen, muss Medtron sein Platzproblem lösen. Die Produktionshallen am Hauptstandort in Gersweiler, wo Mitarbeiter die einzelnen von anderen Firmen eingekauften Bestandteile der Geräte zusammenbauen, und die Verwaltungsräume sind bereits auf mehrere Gebäude verteilt, weitere Bereiche sogar in andere Stadtteile Saarbrückens ausgelagert. Das Unternehmen ist nach eigenem Bekunden dringend auf der Suche nach einem neuen größeren Standort, wo Platz für alle Bereiche unter einem Dach ist. „Wir wollen aber in Saarbrücken bleiben“, sagt Bartels.