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"Masterplan 2" soll neue Industriegebiete im Saarland möglich machen

Land stellt „Masterplan“ vor : Hier sollen im Saarland neue Industriegebiete entstehen

Elf Areale sind in der engeren Auswahl der Landesregierung. Wer letztlich den Zuschlag bekommt, ist von vielen Faktoren abhängig.

14 Jahre ist es her, dass das Saarland – damals noch unter dem CDU-Ministerpräsidenten Peter Müller – einen „Masterplan“ zur Erschließung industrieller Flächen aufgestellt hat. Da die seinerzeit zur Verfügung gestellten Gebiete inzwischen größtenteils vergeben sind, bringt das Wirtschaftsministerium nun den „Masterplan Industrieflächen Saarland 2“ auf den Weg. Mit einem Budget von insgesamt 65 Millionen Euro sollen neue Areale für künftige Industrieanlagen erschlossen werden. Welche das sind und wie die weiteren Schritte aussehen sollen, erklärten am Donnerstag Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) und Thomas Schuck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft GW Saar, die für das Projekt verantwortlich zeichnet.

Von den ursprünglich über 100 möglichen Flächen seien inzwischen noch elf in der engeren Auswahl, sagte Rehlinger. Diese liegen in Homburg, Merzig, Perl, Saarlouis, Saarbrücken, Saarwellingen, Schwalbach, Überherrn, Völklingen und Ensdorf. Das bedeute allerdings nicht, dass sämtliche dieser Gebiete tatsächlich für die industrielle Nutzung umgewandelt würden, so die Wirtschaftsministerin. Stattdessen sollen dort nun unter anderem „die Gespräche mit den Kommunen vertieft“, und Anwohner „im Rahmen von bau- und planungsrechtlichen Verfahren“ beteiligt werden. Daneben könnten auch „unüberwindliche Hürden“ etwa beim Thema Naturschutz auftreten. „Ich wäre froh, wenn wir am Ende mit drei bis vier Flächen rausgehen“, sagte Rehlinger. Diese könnten zusammen bis zu 120 Hektar groß sein (ein Hektar entspricht in etwa der Größe von 1,4 Fußballfeldern).

Anders als beim ersten „Masterplan“ aus dem Jahr 2007 sind nun neben bisher unerschlossenen Grünflächen („Greenfields“) auch solche im Gespräch, auf denen in der Vergangenheit bereits Industriebetriebe ansässig waren („Brownfields“). Das trifft auf die Standorte Völklingen und das ehemalige Kraftwerksgelände in Ensdorf zu. Diese wieder fit zu machen, sei mit „einer ganzen Reihe von Herausforderungen“ verbunden, sagte GW-Saar-Chef Schuck. So müssten insbesondere dort, wo Flächen bebaut sind, Sanierungskonzepte erstellt werden. „Altlasten aus der industriellen Historie sind ebenfalls ein grundsätzliches Thema“, so Schuck. Um diese Gebiete wiederherzustellen, müssten aufwendige Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. Erschwerend komme hinzu, „dass der Eigentümer oft eine andere Wertvorstellung hat, als der Marktpreis es hergibt“, sagte Schuck. Daher seien oftmals langwierige Verhandlungen nötig. Die Gespräche mit dem Eigentümer des Kraftwerksgeländes in Ensdorf, dem Energieversorger VSE, seien bereits weit fortgeschritten, berichtete Schuck. Zum Stand der weiteren Verhandlungen wollte er sich nicht äußern.

Mit rund 90 Hektar könnte die Erweiterung des Gewerbegebiets Lisdorfer Berg bei Saarlouis den größten Beitrag zum „Masterplan 2“ leisten. Doch da sich gegen dieses Vorhaben bereits eine Bürgerinitiative gebildet hat und nun zunächst die Anwohner befragt werden sollen, müsse man abwarten, sagte Rehlinger, die den Ausbau weiterhin für „sehr sinnvoll“ hält. Das zweitgrößte Gebiet ist mit 55 Hektar das „Linslerfeld“ bei Überherrn, wo sich der Batteriehersteller SVolt ansiedeln will. Auf Platz drei folgt Ripplingen in der Merziger Saaraue, wo ein Areal von 32 Hektar im Gespräch ist. Mit zehn Hektar liegt die kleinste betrachtete Fläche in Ensheim am Flughafen. Nun werde geprüft, wie schnell es an den einzelnen Standorten vorangehe, sagte Rehlinger. Das sei auch eine Frage des Geldes: „Am Ende müssen wir schauen, dass wir mit den 65 Millionen Euro möglichst viel Fläche erschlossen bekommen.“

Dass neue Gebiete grundsätzlich notwendig sind, um das Saarland als Industriestandort zu erhalten, steht für Rehlinger und Schuck außer Frage. „Wirtschaft braucht Raum“, betonte die Ministerin. Für Investoren sei wichtig „schnell verfügbare Flächen zu haben“. Nur so könnten im verarbeitenden Gewerbe Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden. „Das Ja zur Industrie wird künftig auch ein Ja zur Flächenentwicklung sein müssen“ ergänzte Schuck. „Für die Unternehmen zählt in erster Linie kurzfristige Verfügbarkeit.“ Die Nachfrage ist dem GW-Saar-Chef zufolge aktuell hoch. Nur wenn Areale im Vorfeld bereit stünden, könne sich das Saarland auch international positionieren.

Die Verantwortlichen sehen sich auch durch einen Blick auf das Vorgängerkonzept bestätigt. Auf den 177 Hektar, die im Rahmen des ersten „Masterplans“ erschlossen wurden, haben  sich laut Wirtschaftsministerium bis heute 45 Unternehmen angesiedelt. Diese hätten insgesamt 3350 Arbeitsplätze im Saarland geschaffen.