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Lieferung von Zügen an die Vlexx-Bahn im Saarland verzögert sich

Personalengpässe bei Bombardier : Neue Züge kommen nicht wie geplant ins Saarland

Bombardier kann nicht wie versprochen 21 neue Züge pünktlich an die Privatbahn Vlexx liefern. Sie sollten eigentlich ab dem Fahrplanwechsel im Dezember auf mehreren Strecken im Saarland fahren. Zugausfälle soll es deshalb zwar nicht geben. Trotzdem ist das Wirtschaftsministerium verärgert.

Eigentlich wollte die Privatbahn Vlexx ab dem Fahrplanwechsel im Dezember mit neuen Zügen auf ihren neuen Strecken im Saarland fahren. Das klappt nun nicht wie geplant. Der Hersteller Bombardier hat am Mittwoch Lieferverzögerungen für die neuen Züge des Typs Talent 3 verkündet. Nur „sechs Fahrzeuge werden im Dezember fahren können“, sagte Francois Muller, Leiter der Sparte prviate Bahnbetreiber des kanadischen Zug- und Flugzeugherstellers. Bestellt waren 21. „Bis zum Sommer 2020 werden alle Talent 3 geliefert“, versprach Muller. Er begründete die Verzögerungen mit Personalengpässen. Es fehle insbesondere an Schweißern für die Fertigung der Wagenkästen, also der Zugkarosserien. Die neue Planung für die Lieferung sei aber auf „die realistische Zahl der Fachkräfte“ in den Werken in Görlitz und Tschechien abgestimmt.

Muller bedauerte die verspätete Auslieferung: „Das tut uns leid, besonders für die Fahrgäste, dass sie nicht den vollen Komfort bei allen Zügen gleich haben werden.“ Betroffen sind Reisende auf den Strecken von Saarbrücken nach Lebach, von Saarbrücken nach Neubrücke über St. Wendel, von Saarbrücken über Neunkirchen nach Homburg sowie von Homburg nach Illingen. Die Privatbahn Vlexx, die über die Muttergesellschaft Netinera zur italienischen Staatsbahn gehört, hatte die Ausschreibung dieser Strecken gewonnen und soll sie ab Ende 2019 über 15 Jahre bedienen. Eigentlich wollte das Land mit „einer Qualitätsoffensive“ starten: Komfortable Sitze, W-Lan, moderne Inforamtionsdisplays, Steckdosen an den Sitzen – all dies sollte den Fahrgästen ab Dezember geboten werden, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD).

Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke ist wegen der Lieferverzögerungen verärgert. Foto: Staatskanzlei Saarland/ Markus Lutz/Lutz;Markus

Nun bleiben erst einmal auch die alten Züge im Einsatz. Die werden gebraucht, um den Bahnverkehr trotz der Lieferverzögerungen wie gewohnt weiterlaufen zu lassen. „ Die Mobilität wird sichergestellt“, sagte Vlexx-Geschäftsführer Frank Höhler. Das Unternehmen wird dafür die Züge nutzen, die der bisherige Betreiber, die Deutsche Bahn, bislang auf den Strecken einsetzt. Die 20 Züge, deren Kauf vom Land gefördert war, gehen im Dezember in den Besitz des Saarlandes über. Vlexx mietet diese komplette Flotte an. Für viele Fahrgäste ändert sich dadurch erst einmal nichts, weil sie wie gewohnt in die bisherigen Züge einsteigen.

21 Züge des Typs Talent 3 hat Vlexx bei Bombardier bestellt. Foto: Bombardier

Vlexx hat einen dreistufigen Plan erstellt, um den Betrieb zu organisieren und auf die Bombardier-Flotte umzustellen. „Wir werden im Dezember mit den sechs Talent-3-Zügen starten“, sagte Höhler. Zunächst hauptsächlich auf den Strecken Homburg-Illingen sowie Homburg-Neunkirchen-Saarbrücken. „Bis Mai werden wir weitere sechs Züge von Bombardier geliefert bekommen.“ Dann sollen vor allem die Bahnnutzer auf der Strecke zwischen Saarbrücken und Neubrücke in den Genuss der dann zwölf neuen Züge kommen. Schließlich „werden wir ab Juni eine ausreichende Anzahl an Talent-Zügen zur Verfügung haben, dass wir das komplette Programm mit Talent-Zügen bedienen können“, sagte Vlexx-Geschäftsführer Frank Höhler.

Obwohl die missliche Situation bewältigt werden könne, „sind wir schon etwas verärgert“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Barke. Denn das Ministerium habe erst aus Medienberichten über Lieferengpässe in Baden-Württemberg von dem Problem erfahren und dann bei Bombardier nachgefragt, ob das Saarland auch betroffen sei. Das habe sich dann bewahrheitet. Er hätte sich gewünscht, dass der Zughersteller von sich aus auf Vlexx und die Landesregierung zugekommen wäre. Ein schwacher Trost dürfte es sein, dass „es alle Kunden trifft“, wie Muller sagte. Allein in Deutschland sollten dieses Jahr eigentlich 80 Talent-3-Züge ausgeliefert werden. Tatsächlich werden es deutlich weniger sein.

Immerhin entstehen Barke zufolge dem Land keine Mehrkosten, und wegen der Verzögerungen werde die Landesregierung von Vlexx Zahlungen fordern, kündigte der Staatssekretär an. Der Bahnbetreiber könne dann diese und weitere Kosten, die etwa durch die Anmietung der Deutsche-Bahn-Züge entstehen, bei Bombardier, dem Verursacher der Probleme, geltend machen. Insgesamt gebe Vlexx „eine hohe zweistellige Millionensumme“ für die neuen Züge aus, sagte Höhler. Genaue Zahlen nannte er nicht.