Landwirte im Saarland haben 2019 eine gute Ernte eingefahren

Kostenpflichtiger Inhalt: Trotz Hitze und Unwetter : Saar-Bauern sind mit Ernte zufrieden

Trotz Hitze und Unwetter blieben die Pflanzen unversehrt. Der Bauernverband rechnet nicht mit Preissteigerungen.

Die Landwirte im Saarland haben 2019 „insgesamt eine gute Ernte eingefahren“. Dieses Fazit zieht Hans Lauer, Hauptgeschäftsführer des saarländischen Bauernverbandes. Trotz der Wetterkapriolen in den vergangenen Monaten „gab es keine Zertstörungen durch Unwetter“. Zugleich hat Lauer eine gute Nachricht für die Verbraucher. Als Folge der guten Ernte „rechnet der Verband nicht mit Preiserhöhungen für Getreide, Fleisch und Milch“. Zugleich betont Lauer, dass eventuelle Preiserhöhungen für Brot, wie es zuletzt die saarländische Bäckerinnung prognostiziert hat, nicht auf die Landwirte zurückzuführen seien. „Der Anteil des Landwirtes an einem Kilo Brot beträgt heute nur rund 21 Cent. Am Urprodukt kann es also nicht liegen, wenn jemand die Brotpreise erhöht“, so Lauer.

In etwa drei Wochen werde noch die Maisernte eingefahren. „Wenn die einigermaßen gut verläuft und der Regen noch einen weiteren Schnitt beim Grünland erlaubt, dann können wir mit dem Jahr 2019 zufrieden sein“, betont Lauer. Das habe schon Ende April/Anfang Mai mit guten Grasbeständen als Grundlage für das Winterfutter von Kühen und Rindern begonnen. Auch die Heuernte habe in diesem Jahr gute Qualitäten gebracht. „Die Mengen sind zufriedenstellend“, stellt der Vertreter des Bauernverbandes fest.

Eher problematisch sei dagegen der Juli mit der langen Hitzeperiode verlaufen. „Bei Temperaturen ab 30 Grad kostet uns das Erträge, weil die Pflanzen dann ihr Wachstum einstellen. Das geht so weit, dass ein Teil der Pflanzen auch vertrocknet.“ Allerdings habe man in diesem Jahr etwa bei der Ernte der Wintergerste noch Glück gehabt. „Wir hatten hier keine Schäden durch die teilweise hohen Temperaturen“, so Lauer. Die Wintergerste dient teilweise als Futter für die Tiere, wird allerdings auch für die Bierherstellung verwendet.

Bei der Weizen- und Roggenernte komme es besonders stark darauf an, in welcher geografischen Lage die Betriebe angesiedelt sind. „Es gibt Höfe, die hatten so gut wie keine Mindererträge. Im Vorteil sind hier besonders solche Betriebe mit besseren Böden. Die findet man in der Region eher im Mosel-, Saar- und Bliesgau. Weiterhin ist hier die Ernte abhängig davon, ob die Lage der Felder eher nach Süden oder nach Norden ausgerichtet ist“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes. In diesem Jahr habe sich eher die Nordlage ausgezahlt, da sie besser geschützt sei vor Sonneneinstrahlung. In anderen Lagen seien Einbußen von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr die Folge gewesen. Alle Getreidearten, die im Frühjahr 2019 angepflanzt worden sind, hätten in diesem Jahr stärker unter den Temperatureinflüssen gelitten als sonst. Dennoch sei es auch hier nicht zu größeren Ausfällen gekommen. Beim Hafer und der Gerste sei das Gewicht der Körner geringer ausgefallen. Positiv hätten sich die hohen Temperaturen im Sommer auf die Qualität der Ernte ausgewirkt. So könnten die Saar-Landwirte in der Folge auch auf eine sehr gute Strohernte verweisen. Negativ sei zum jetzigen Zeitpunkt, dass beim Gras noch der zweite oder dritte Schnitt fehle, der das Wachstum begünstige.

Lauer bemerkt zudem, dass die regionalen Produkte der Saar-Landwirte auch immer häufiger bei Discountern und großen Einzelhändlern gefragt sind. Hier stoße die Landwirtschaft jedoch an Grenzen, da Einzelhändler auch große, zugleich regelmäßig verfügbare Mengen bräuchten. Auch die saarländischen Milchbauern seien daran interessiert, dass ein Teil ihrer Produktion in der heimischen Region verbleibt. Das gestalte sich in der Praxis allerdings nicht ganz einfach. 90 Prozent der im Saarland produzierten Milch wird an die Hochwald Molkerei an die Standorte Thalfang und Kaiserslautern geliefert. Die Hochwald Molkerei beliefere inzwischen jedoch schon insgesamt sieben Bundesländer.

Viele Saar-Bauern suchten sich zudem bewusst als Gegentrend zur Globalisierung regionale Nischen. Dazu gehörten auch neue Formen der Vermarktung ihrer Produkte, um Wege zu Kunden zu verkürzen. So setzten immer mehr Landwirte auf den Direktverkauf der Waren auf dem Hof oder „Milchtankstellen“ entlang von Landstraßen. Das biete den Vorteil einer 24-Stunden-Erreichbarkeit sowie einer besonderen Frische. Mittlerweile gingen auch zunehmend Landwirte dazu über, das Angebot an solchen „Tankstellen“ zu erweitern auf Eier, Wurst und Käse. Das verursache zugleich jedoch höhere Kosten durch die Notwendigkeit ständiger Kühlung.

Hans Lauer, Geschäftsführer des Bauernverbands Saar. Foto: rup/ROLF RUPPENTHAL

Lauer geht zudem davon aus, dass es in ländlichen Gebieten wieder mehr zu einer mobile Versorgung mit fahrenden Verkaufsläden komme. Das gehe so weit, dass man beim Bauern oder Bäcker per Internet Ware bestellt und diese dann zugestellt wird. Dieser Trend greife auch auf dem Land immer mehr um sich.