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Landkreis Saarlouis hilft Jugendlichen mit Problemen für Chance im Beruf

Kostenpflichtiger Inhalt: Aufs Berufsleben im Landkreis Saarlouis vorbereiten : Junge Menschen mit Problemen sollen eine Chance bekommen

Die Aktion Startbahn25 im Landkreis Saarlouis zeigt jungen Menschen, was in ihnen steckt, und bereitet sie auf das Berufsleben vor.

Für Alhamad Majd (20) war es eher Zufall, dass er den Weg zur Startbahn25 fand. Seine Schwester hatte ausgerechnet vor dem Jobcenter Saarlouis ihre Busfahrkarte verloren. Sie wurde dort abgegeben und eine Center-Mitarbeiterin brachte sie bei den Majds zu Hause vorbei. Dort erfuhr sie, dass Alhamad gerade Leerlauf zwischen dem kurz vorher absolvierten Fachabitur und dem Beginn eines Maschinenbau-Studiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hatte. In den Räumen von Startbahn25, einem Projekt des Jobcenters, könne er handwerkliche Fähigkeiten erlernen, warb sie. Dort gebe es Werkstätten, wo er das Arbeiten an Metall und Holz erlernen könne. Alhamad sagte zu. „Das Sägen, Bohren und Schleifen klappt inzwischen ganz gut“. Die Zeit bis zum Studienbeginn „habe ich hier optimal nutzen können“. Der junge Syrer ist eher die Ausnahme. Die meisten jungen Leute „kommen aus schwierigen Familienverhältnissen“, sagt Harald Biesel, stellvertretender Leiter des Saarlouiser Jobcenters. Sie selbst oder ihre Familien leben von Hartz IV, oft fehle ein Schulabschluss, etliche hätten Schulden und Probleme mit Drogen oder eine angeschlagene Gesundheit. In den Räumen von Startbahn25 in Saarlouis erfahren diese jungen Leute unter 25 Jahren „zum ersten Mal, was in ihnen steckt“, sagt Christian Franke, einer der Koordinatoren des Projekts. „Sie können hier ausprobieren, was sie künftig machen wollen.“

Neben der Möglichkeit, kleine Möbelstücke zu fertigen oder Metall zu bearbeiten, können sie auch Räume streichen, Fassaden verkleiden, sich an Computern versuchen oder die Grundlagen der Lagerlogistik, des Kochens oder der Hauswirtschaft erlernen. „Vor allem müssen sie in eine geregelte Tagesstruktur eingebettet werden“, sagt der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer (SPD). „Wenn jemand um acht Uhr nicht erscheint, steht um Viertel nach acht  jemand von uns vor der Tür. Wir lassen niemanden los, ob es ihm passt oder nicht.“ Das alles sei immer noch günstiger „als eine lebenslange Sozialhilfe-Karriere“.

Etwa 2700 junge Menschen unter 25 Jahren haben seit 2013 die Einrichtung durchlaufen. Über 60 Prozent der jungen Leute konnten seitdem „positiv vermittelt werden“, bilanziert Lauer. Sie nahmen entweder eine Arbeit auf, starteten eine berufsvorbereitende Maßnahme beziehungsweise eine Ausbildung, gingen weiter zur Schule oder absolvierten einen Bundesfreiwilligendienst. Da die Jugendlichen selten aus geordneten Verhältnissen kommen, müssen sie intensiv betreut werden. So kümmern sich unter anderem ein Fallmanager des Jobcenters, ein Trainer oder ein Berater um die jungen Frauen und Männer, um sie auf eine Ausbildung oder ein Praktikum vorzubereiten beziehungsweise sie in Arbeit zu vermitteln. Das Team von Startbahn25 lässt auch seine  Schützlinge nicht alleine, wenn zuhause alles drunter und drüber geht, organisiert bei einem seelischen Durchhänger eine psychologische Betreuung. Auch Betriebsbesichtigungen werden organisiert. Geboren wurde das Projekt Startbahn25 eher aus der Not heraus. Vor sechs Jahren hatte der Landkreis Saarlouis eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit. Da der Kreis seit 2012 eine Optionskommune ist, darf er das Jobcenter in eigener Regie betreiben (siehe Info).

So entstand Startbahn25. Heute ist die Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis bundesweit die geringste, im Jobcenter-Klientel liegt sie nur noch bei 0,1 Prozent. Bei Startbahn25 arbeitet das Jobcenter Saarlouis mit einer Trägergemeinschaft zusammen, die aus der Diakonie Saar und und die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) besteht. Finanziert wird die Maßnahme aus Mitteln des EU-Sozialfonds, ergänzt durch Zuschüsse des Landkreises und des Saar-Wirtschaftsministeriums. Der Etat liegt bei 2,5 Millionen Euro pro Jahr.