Landesregierung setzt sich für Revitalisierung des ländlichen Raums ein

Kostenpflichtiger Inhalt: Abwanderungsdruck : Land setzt sich für ländlichen Raum ein

Förderprogramme sollen helfen, die Versorgung – etwa durch Bäckereien – auf den Dörfern zu sichern und damit Abwanderung verhindern.

Antje und Torsten Laube sind sich sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Vor fünf Jahren haben der Bäckermeister und seine Frau die Backstube Müller im Losheimer Ortsteil Wahlen übernommen. Sie merkten schnell, dass sie vergrößern mussten, sollte die Bäckerei eine Zukunft haben. Sie erweiterten nicht nur die Theke und die Regalwand, sie übernahmen auch ein nicht mehr genutztes Gebäude in der Nachbarschaft, um dort ein kleines Café einzurichten. „Die Entscheidung war goldrichtig“, sagt Antje Laube. „Die Wahlener freuen sich, dass sie wieder einen Ort haben, wo sie sich in entspannter Runde zum Reden treffen können. Schon zur Frühstückszeit haben wir gut zu tun.“

Die Investition in Bäckerei und Café wurde ihnen durch einen Zuschuss des Landes in Höhe von 45 Prozent der Investitionssumme erleichtert. Diese Förderung gibt es erst seit 2019. „Wir wollen damit Investitionen unterstützen, die von Kleinstunternehmen der Grundversorgung getätigt werden“, sagt Michael Burr, der im Saar-Umweltministerium für den Bereich ländlicher Raum zuständig ist. Dazu zählen neben Bäckern auch Metzger, Lebensmittel- oder Getränkehändler. Sie müssen weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von unter zwei Millionen Euro erlösen. Die 45 Prozent Förderquote werden für Investitionsaufwendungen von maximal 200 000 Euro gezahlt.

Das Thema der Revitalisierung ländlicher Regionen gewinnt immer mehr an Fahrt. Denn der Abwanderungsdruck aus dem Saarland und der Sog, in die größeren Städte mit ihrem besseren Versorgungsangebot zu ziehen, ist groß. Doch nach wie vor leben 460 000 Saarländer – rund die Hälfte der Bevölkerung – in Kommunen, die zum ländlichen Raum gezählt werden. Das sind mehr als 300 Dörfer, von denen 143 weniger als 1000 Einwohner haben. Sie leiden häufig darunter, dass die jungen Leute wegziehen, die Nahversorgung weggebrochen ist, die Dorfkerne verfallen und sich das Bild festsetzt, dass ein Leben auf dem Land nur Nachteile bringt.

Hier will die Landesregierung gegensteuern. „Hochwertiger und zeitgemäßer Wohnraum im Dorfkern, Treffpunkte für die Dorfgemeinschaft, örtliche Arbeitsplätze, wohnortnahe Grundversorgung, schnelles Internet und sozialer Zusammenhalt“ hat Umweltminister Reinhold Jost (SPD) als politische Ziele ausgegeben.

Am Geld fehlt es nicht. Allein aus den Fördertöpfen Eler (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes) und der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) fließen im Zeitraum von 2014 bis 2020 mehr als 58 Millionen Euro ins Saarland. Hinzu kommt in Ergänzung zur GAK ein „Sonderrahmenplan Ländliche Entwicklung“, den der Bund ins Leben gerufen hat und aus dem das Saarland zwischen 2019 und 2021 rund 4,8 Millionen Euro zusätzlich erhält.

Diese Gelder fließen weitgehend in zwei Förderprogramme: in die nachhaltige Dorfentwicklung Saarland und in die vier sogenannten Leader-Regionen, die fast 75 Prozent des gesamten ländlichen Raums im Land umfassen (siehe Info).

Bei der Dorfentwicklung sind die Fördersätze inzwischen auf 90 Prozent der förderfähigen Summe angehoben worden, damit auch die Kommunen, denen es finanziell besonders schlecht geht, alte Häuser in den Ortskernen kaufen und sanieren können. Auch andere Gebäude wie beispielsweise ehemalige Schulen sollen mit diesem Geld wieder so hergerichtet werden, dass daraus Wohnungen, Werkstätten oder Büros entstehen können. Für diesen 90-Prozent-Zuschuss sollen zusätzlich 2,4 Millionen Euro aufgewendet werden.

Gelder fließen unter anderem, wenn alte Gemäuer zu Mehrfunktionshäusern – sogenannten Co-Working-Spaces – umbaut werden. Dort können Arbeitsplätze für Freiberufler, Telearbeiter und Existenzgründer eingerichtet werden. Sie sollen über weitgehend eingerichtete Büros, schnelles Internet und Besprechungsräume verfügen. Schafft eine Kommune ein solches Angebot, kann auch hier die Förderung bis zu 90 Prozent betragen. Privatleute können maximal 35 Prozent erhalten.

Ein besonderes Augenmerk gilt neuerdings auch den Häusern an den Ortsdurchfahrten der saarländischen Straßendörfer, wenn sie schon länger leerstehen und allmählich verfallen. Investoren, die solche Immobilien kernsanieren und daraus Wohnungen, Büros, Läden, Ateliers oder Werkstätten machen, erhalten 20 bis 25 Prozent der Umbaukosten als Zuschuss – maximal 50 000 Euro pro Einheit.

Insgesamt können pro Investor vier Einheiten gefördert werden, sodass die Zuschuss-Summe maximal 200 000 Euro betragen kann. Das Umweltministerium kalkuliert, dass jeder Euro öffentliches Geld „die dreifache Summe an privaten Investitionen auslöst, was wiederum der lokalen Wirtschaft zugutekommt“.

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