Kugelhahn-Hersteller MHA Zentgraf aus Merzig wird 75 Jahre alt

Merziger MHA Zentgraf wird 75 : Saarländische Produkte für den Weltmarkt

MHA Zentgraf baut in Merzig Kugelhähne für die verschiedensten Einsatzzwecke. Heute feiert das Unternehmen seinen 75. Geburtstag.

Ob beim Brandschutz für die Große Moschee von Mekka, den Zügen im Eurotunnel oder dem Flughafen von Abu Dhabi – überall dort tun Ventile und Kugelhähne der Merziger Firma MHA Zentgraf ihren Dienst. „Die Zahl der Anwendungsgebiete wächst ständig“, sagt Geschäftsführer Andreas Gühring. Jüngstes Beispiel sind Wasserstoff-Tankstellen, wo das hochflüchtige Gas mit einem Hochdruck von 800 Bar in die Tanks von Autos oder Gabelstaplern gepresst wird. Man findet Zentgraf-Kugelhähne seit kurzem aber auch in Nahrungsmittel-Extraktionsanlagen, wo mit Hilfe von sogenanntem überkritischem Kohlendioxid Hopfen- oder Lavendel-Aromen für Brauereien beziehungsweise Parfüm-Hersteller ohne Einsatz von Lösungsmitteln aus den Pflanzen extrahiert werden.

Kugelhähne haben eigentlich eine einfache Aufgabe. Wie ein Wasserhahn sorgen sie für den gewünschten Durchfluss durch eine Leitung. Hierbei kann es sich um Hydrauliköl, Gas, Druckluft, feste und zähflüssige Stoffe aber auch um simples Wasser handeln, deren Lauf geöffnet oder versperrt werden soll. Doch schon ein simpler Kugelhahn besteht aus mindestens 15 Basiskomponenten – angefangen vom Handgriff über das Gehäuse bis hin zur durchbohrten Kugel, die dem Hahn seinen Namen gibt.

Doch die Zahl der Varianten ist riesig. Bei MHA Zentgraf ist sie inzwischen auf fast 40 000 angewachsen. Der aktuelle Hauptkatalog ist knapp 300 Seiten dick. Die Kosten pro Kugelhahn reichen von fünf bis 20 000 Euro. Täglich verlassen etwa 350 Bestellungen das Unternehmen, die an 40 bis 50 Kunden weltweit verschickt werden. „Unsere Export-Quote liegt bei 85 Prozent“, sagt Vertriebs-Geschäftsführer Oliver Schwarz. Obwohl die Fertigung weiter in Merzig stattfindet, hat MHA Zentgraf Niederlassungen in wichtigen Märkten wie China (seit 2007), Indien (seit 2014) und seit vergangenem Jahr auch in den USA. Teilweise werden dort auch Teile montiert.

Der Mittelständler ist schon lange im Kugelhahn-Geschäft. Diese Woche feiert er seinen 75. Geburtstag. In Teilen Deutschlands herrschte damals – im Spätwinter 1945 – noch Krieg. Aber nicht mehr im äußersten Westen. Kurz nachdem die alliierten Truppen das Saarland erobert hatten, gründete Alfred Zentgraf die Firma Merziger Hochdruck-Armaturen (MHA) – zunächst unter Verwendung von allem, was die Wehrmacht an Kriegsgerät zurückgelassen hatte. 1978 startete das Unternehmen mit der Fertigung von Hochdruck-Kugelhähnen und Ventilen. 1984 übernahm Sohn Günter die Firma und entwickelte sie weiter, indem er neue Geschäftsgebiete auftat und die Internationalisierung vorantrieb. Seit 2009 gab Günter Zentgraf seine Anteile nach und nach an die vier Gesellschafter ab, die heute das Unternehmen leiten und alle an ihrer Firma beteiligt sind: Andreas Gühring mit 60 Prozent, Marc Bossmann (Technik, 25 Prozent), Oliver Schwarz (Vertrieb, zehn Prozent) und Eugen Roor (kaufmännischer Bereich, fünf Prozent). Begleitet wurde dieser Eigentümerwechsel unter anderem von den Sparkassen Merzig-Wadern und Saarbrücken, der landeseigenen Strukturbank SIKB sowie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft W+ST aus Dillingen.

„Heute steht die Abkürzung MHA für: ‚Mir hann alles‘“, sagt Technik-Chef Bossmann. „Wenn ein Kunde eine veränderte Kugelhahn-Komponente benötigt, weil er eine neue Anwendung entwickelt hat, konstruieren und bauen wir sie.“ Auch auf die Bestellung einer Variante, die bereits zehn Jahre nicht mehr gefertigt wurde, „sind wir vorbereitet“. Denn die Konstruktionspläne aller bisher hergestellten Kugelhähne „sind digital hinterlegt“, sagt Bossmann. Wert legt er auch auf „auf dauernde Erreichbarkeit“. Wenn ein Kugelhahn oder ein Ventil seinen Dienst versagt, „sorgen wir möglichst schnell für Ersatz“. Durch diese enge Bindung zu den rund 1500 Kunden und eine breite Angebotspalette für zahlreiche Branchen wie die Öl- und Gasförderung, den Berg- und Tunnelbau, die Automobilproduktion oder den Brandschutz „haben wir alle konjunkturellen Talsohlen der Branche bisher gut überstanden“, sagt Gühring. Kugelhähne sind zudem wichtige Komponenten von Bau- und Landmaschinen sowie Schiffen oder Zügen. Weltweit beschäftigt der saarländische Mittelständler 185 Mitarbeiter, davon 150 in Merzig. Der Umsatz liegt bei rund 25 Millionen Euro.