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Kirmes und Stadtfeste fallen aus - ein Problem für Schausteller im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Schausteller bangen um Einkünfte : Zu Kirmes nur mit Mundschutz?

Saarländische Schausteller suchen dringend nach Lösungen in der Corona-Krise. Bis zu 1500 Arbeitsplätze sind bedroht.

Karussells, High-Tech-Fahrgeschäfte und Autoscooter liegen im Zwangsschlaf unter großen Planen – und bei den zum Nichtstun verdammten Losverkäufern, Automatenbetreibern und Schießbudenbesitzern stapeln sich derzeit Berge von Plüschtieren: Die Corona-Krise raubt derzeit nicht nur den vielen Kerb- und Volksfestliebhabern im Saarland ihr Vergnügen, sondern sie nagt auch an der Existenz der rund 120 meist traditionsreichen Schaustellerfamilien im Land. Bis zu 1500 Arbeitsplätze inklusive Mini-Jobber und Aushilfskräfte sind bedroht, wenn die Branche bis Ende August keine Beschäftigungsmöglichkeiten bei Volksfesten mehr findet oder staatliche Zuschüsse erhält, heißt es beim Saarverband der Schausteller. Der will nun ein neues Konzept erarbeiten, um vielleicht ein erstes kleines Volksfest mit Mundschutz-Pflicht, Abstandsregelung und Hygiene-Auflagen Mitte Mai zu erproben.

„Wir Schausteller haben praktisch seit Ende der Weihnachtsmärkte keine Möglichkeit mehr gehabt, Geld zu verdienen. Doch die Kosten und notwendigen Investitionen laufen weiter“, sagt Verbandsvorsitzender Thomas Sonnier aus Merzig-Besseringen: „Der Start in die diesjährige Volksfestsaison hätte schon im März beim Saarlouiser Ostermarkt fallen sollen, doch der ist wie alles andere bisher wegen der Corona-Auflagen ausgefallen“. Inzwischen stehen auch die größten saarländischen Volksfeste mit Rummelplatz-Atmosphäre wie das Webenheimer Bauernfest, die Neunkircher Sommerkirmes, das Saarbrücker Maifest in Burbach, die St. Ingberter Kerb oder die Eppelborner Pfingstkirmes auf der Kippe oder wurden schon – wie auch das Saar-Spektakel, das Saarbrücker Altstadtfest oder die SR-Sommer-Alm – ganz abgesagt.

Schausteller-Verbandschef Sonnier, der beim Saarbrücker Weihnachtsmarkt die Almhütte und den fliegenden Nikolaus betreibt, betont: „Auch für uns Schausteller steht das Thema Gesundheit ganz oben und wir müssen immer die aktuellen Infektionszahlen im Auge behalten. Aber in zwei bis drei Monaten ist unsere Saison schon vorbei. Warum nicht mal nach Lockerung der Corona-Auflagen ein kleineres Volksfest mit Mundschutz versuchen, auch wenn sicher keine hundert Menschen dicht an dicht in der Berg- und Tal-Bahn werden sitzen können“. Bis Ende April, so Sonnier, wollten die Schausteller Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) ihre Vorschläge, Wünsche und Forderungen unterbreiten. „Wir brauchen jetzt Geld“, heißt es bei den Schaustellerfamilien Sonnier, Spangenberger, Jockers, Pistorius und Sartorio. Letztere Familie betrieb schon 1936 einen Autoscooter.

In normalen Jahren, so der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), Albert Ritter (Essen), besuchen rund 170 Millionen Menschen die Kirmes-, Schützen- und Volksfeste in der Bundesrepublik. Knapp zwei Millionen Besucher sind es im Saarland – noch mehr als in Schwimmbädern, Kinos, Theatern und Museen. Und mehr als die Hälfte aller Bundesbürger besuchen gerne Volksfeste, im Schnitt etwa drei pro Jahr, hat eine Studie ergeben. „Jetzt steht mit Corona ein 1200 Jahre altes Kulturgut in Deutschland und das bedeutendste Angebotssegment der Freizeitwirtschaft auf dem Spiel“, mahnt Schaustellerbund-Chef Ritter im SZ-Gespräch. Saar-Verbandssprecher Sonnier ist trotz der Corona-Misere nicht ganz so pessimistisch. „Wir haben auch schon mal total verregnete Volksfest-Sommer überstanden“, sagt er: „Schausteller sind halt Überlebenskünstler“.