Keine Smarts mit Verbrennungsmotor mehr in Hambach, nur noch E-Smarts

Saarbrücken/Hambach : Smart-Ära endet nach 22 Jahren

Im lothringischen Hambach ist am Freitag der letzte Zweisitzer mit Verbrennungsmotor vom Band gelaufen.

Es ist eine Zäsur für den Stadtflitzer – und ein Experiment. Denn Smart wird „die erste Automobilmarke der Welt sein, die von Verbrennungsmotoren komplett auf elektrischen Antrieb umstellt“, wie die Muttergesellschaft Daimler betont. Am vergangenen Freitag lief im Autowerk im lothringischen Hambach nach 22 Jahren der letzte Smart Fortwo (Zweisitzer) mit Verbrennungsmotor vom Band. Ab jetzt werden dort nur noch die Elektromodelle Smart EQ gefertigt.

Zugleich wird es ein sogenanntes Facelift geben. Die neuen E-Autos, die demnächst das Smart-Werk verlassen, werden anders aussehen als die aktuelle Baureihe, die seit 2014 hergestellt wird. Was sich genau ändert, will Daimler auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt (12. bis 22. September) zeigen. Die Zeitschrift Auto-Motor-Sport vermutet, „dass der Autobauer dem Elektro-Modell einen neuen Grill sowie veränderte Scheinwerfer spendiert“.

Das ist auch für das Smart-Center Saarbrücken eine Zeit des Übergangs. Noch weiß Center-Manager Uwe Conrad nicht, wann die erste Charge der neuen Generation an die Händler ausgeliefert wird. „Zur Verkaufsfreigabe werden wir uns zu gegebener Zeit äußern“, heißt es bei Smart auf Anfrage.

 Um nicht mit leeren Händen dazustehen, hat Conrad vorsorglich noch 200 neue Verbrenner-Smarts bestellt, die er nach und nach verkaufen will. Denn Daimler will „bis 2020 das Angebot von Verbrennungsmotoren in allen europäischen Märkten sukzessiv reduzieren“.

Auch wenn diese 200 Autos ihre Kunden gefunden haben, will der 67-Jährige nicht ohne Stadtflitzer mit Benzinmotor dastehen. Er setzt auf junge Gebrauchtwagen, die zwischen 5000 und 15 000 Kilometer auf dem Tacho haben und die „technisch wie neu sind“. Um sicherzustellen, dass dies kein leeres Versprechen ist, verlängert er die Zeit der verbliebenen Werksgarantie um weitere zwei Jahre.

Auch bei den Verbrenner-Smarts hat der Kunde noch die Möglichkeit, die Autos zu veredeln. Denn das Saarbrücker Smart-Center arbeitet schon seit Jahren mit dem Bottroper Fahrzeug-Tuner Brabus zusammen. Die Auto-Couturiers aus dem Ruhrgebiet haben unter anderem Leder-Sportsitze und aerodynamische Anbauteile wie beispielsweise Spoiler im Programm.

Für Center-Manager Conrad hat das Elektrozeitalter bei Smart schon längst begonnen. Seit 2008 werden in Saarbrücken bereits Elektro­flitzer verkauft – ein Jahr nach der offiziellen Vorstellung der E-Variante von Smart in London. Inzwischen hat das Saarbrücker Center „knapp 1000 davon unter die Leute gebracht“, sagt Conrad. Beliebt sei das Auto vor allem bei Freiberuflern wie Ärzten, Anwälten oder Architekten. Die Preise sind nicht von schlechten Eltern. Der Fortwo kostet 22 000 Euro, der Forfour 22 600 und die Cabrio-Variante ist für 25 200 Euro zu haben. Doch Conrad sagt, dass die meisten E-Smart auf Leasingbasis verkauft werden – vier Jahre Laufzeit bei 150 Euro pro Monat. Vier Jahre gibt Smart Garantie auf das Auto, acht Jahre auf die Batterie. Insgesamt setzt das Saarbrücker Smart-Center rund 500 neue und gebrauchte Autos pro Jahr ab. Bei rund 5000 Smart liegt der Werkstatt-Durchlauf. An Umsatz werden etwa zehn Millionen Euro erwirtschaftet.

Auch der nächste Umbruch ist bei Smart schon in Sicht. Ab 2022 wird es eine komplett neue Stadtflitzer-Generation geben, die allerdings in China produziert wird (wir berichteten). Das Gemeinschaftsunternehmen zwischen Daimler und dem chinesischen Partner ­Geely Holding, das diese Autos bauen soll, „wird nach Freigabe durch die relevanten Behörden voraussichtlich Ende 2019 in Betrieb gehen“, teilt Daimler mit.

Im Hambacher Werk wird dann von Mercedes-Benz „ein elektrisch betriebener Kompaktwagen unter der Produkt- und Technologiemarke EQ produziert“. 500 Millionen Euro sollen an Investitionen dorthin fließen. Wie geht es dann mit dem Saarbrücker Smart-Center weiter? „Es wird weitergehen. Wir haben noch immer eine Lösung gefunden“, sagt Conrad.