Jasmin Wolfram war 2018 landesbeste Orthopädietechnik-Mechanikerin

Landesbeste Orthopädietechnik-Mechanikerin : Sie kämpft gegen körperliche Gebrechen

Jasmin Wolfram verhilft als landesbeste Orthopädietechnik-Mechanikerin vielen Menschen zu neuer Lebensqualität.

Schon für die Kleinsten ist sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Stütze. Dreijährige vertrauen ihr genauso wie 80-jährige Senioren. Jasmin Wolfram (20) aus Eppelborn-Humes sorgt als Orthopädietechnik-Mechanikerin dafür, dass für viele Menschen die Lebensqualität wieder deutlich steigt. Dieses Handwerk fasziniert die junge Frau schon seit Jahren. So stark, dass es ihr 2018 sogar gelungen ist, die landesweit beste Gesellenprüfung zu absolvieren. „Ich habe mich tierisch gefreut, dass mir das gelungen ist“, erzählt Jasmin Wolfram.

Als Gesellenstück stellte sie eine sogenannte Sitzschale her. Solche Schalen sorgen für eine optimale Sitzposition, wenn ein herkömmlicher Rollstuhl nicht ausreicht und der Patient nicht selbstständig eine anatomisch richtige Sitzposition einnehmen kann. Sie verbessern im Idealfall auch die Atmung.

Schon während ihrer dreijährigen Ausbildung im Betrieb Orthopädietechnik Horst Meiser in Uchtelfangen hat Jasmin Wolfram die Lust gepackt, immer mehr über Methoden und Techniken zu lernen, wie man Menschen dazu verhilft, zum Beispiel das Gehen wieder als etwas völlig Natürliches, Schmerzfreies erleben zu dürfen. Hier können schon spezielle Einlagen, die Wolfram mit anfertigt, hilfreich sein. Doch zu jedem Menschen passt eine andere Lösung.

Die Kombination, diese Lösung zu finden und durch handwerkliches Geschick mit dem passenden Produkt mehr Lebensqualität zu ermöglichen, begeistert Wolfram an ihrem Beruf. „Ich wollte immer was Handwerkliches machen und zugleich mit Menschen zu tun haben. Diese Ziele habe ich erreicht“, sagt sie und fragt begeistert: „Hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass jeder Schritt, den ein Mensch macht, aus sieben Phasen besteht?“

Den Geheimnissen der menschlichen Anatomie auf die Spur zu kommen, das ist für Wolfram etwas Faszinierendes. Auch wenn sie zugleich einräumt, dass sie gerade in diesem Bereich während ihrer Ausbildung ganz schön „büffeln“ musste. „Die Anatomie zu begreifen, ist schwer: die ganzen Muskeln, Knochen, Gelenke, alleine schon der gesamte Lenkungsapparat mit den Schritten.“

Umfassende Kenntnisse, unterstützt durch neueste Technologien, sind äußerst hilfreich, wenn ein Kunde zur Beratung zu Wolfram kommt, die in einem Team aus zwölf Mitarbeitern tätig ist. Am Anfang stehe immer die Analyse, welche Beschwerden bestehen. Schon das „falsche Schuhwerk“ könne für Probleme sorgen. Es beginne oft scheinbar harmlos. Wolfram berichtet von Frauen, die gerne Stöckelschuhe tragen, aber Probleme im Vorderfußbereich bekommen, weil ihr Bindegewebe schwach ausgeprägt ist und sich durch das lange Stehen auf dem Schuh Schmerzen einstellen. „Ich empfehle, nicht allzu hohe Schuhe zu tragen“, sagt die Orthopädietechnik-Mechanikerin.

Als eine Möglichkeit, Problemen auf die Spur zu kommen, verweist Wolfram auf eine Laufband­analyse. Mit diesem Verfahren ließen sich Bewegungsabläufe bis auf Millisekunden genau analysieren und feststellen, auf welche Ursachen Schmerzen zurückzuführen sind. Jeder Fuß ist einmalig. Bevor Jasmin Wolfram mit der Herstellung der dazu passenden Einlage beginnen kann, nimmt sie zunächst Fußabdrücke. Hieraus entstehen dann in der Produktion die passenden orthopädischen Einlagen für die Schuhe. „Man braucht in der Regel vier bis fünf Tage, um sich an eine Einlage zu gewöhnen. So viel Zeit sollte man sich nehmen.“

Anspruchsvoll wird es auch, wenn die Orthopädietechnik-Mechanikerin eine Orthese herstellt. Diese umschließt das zu unterstützende Körperteil und das Gelenk mit Bandagen und Schienen. Man kann sie bei Bedarf während des Heilungsprozesses auch nachjustieren, um zum Beispiel das Knie- oder Fußgelenk in einem bestimmten Winkel zu halten.

Am liebsten produziert sie jedoch Sitzschalen. Auch die Herstellung von Liegeschalen gehört zu ihren Aufgaben. Diese dienen dazu, die Gefahr von Druckstellen zu minimieren. Der Druck des Körpergewichtes wird auf mehrere Stellen verlagert. Zugleich besteht die Möglichkeit, entsprechend der persönlichen Schlaf- und Liegegewohnheiten, die Atmung sowie die Herz-Kreislauf-Regulierung zu verbessern.

Für die junge Frau verläuft kein Tag wie der andere. Das gefällt ihr besonders. Und die Teamarbeit. Man erledigt gemeinsam verschiedenste Aufgaben. „Wir verstehen uns sehr gut untereinander“, sagt die 20-jährige.

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