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Insolvenz bei G+G Kran- und Anlagenbau Überherrn (Landkreis Saarlouis)

Unglaubliche Vorgänge bei G+G in Überherrn : Insolvenz, weil keiner zur Arbeit kam

Der Metallbauer G+G in Überherrn ist seit Freitag insolvent. Der Grund ist ein Krankenstand von 100 Prozent.

Es ist eine Nachricht, wie man sie im Saarland dieser Tage des Öfteren liest: Die G+G Kran- und Anlagenbau GmbH, die in der Saarlouiser Gemeinde Überherrn Industrieanlagen und Spezialmaschinen entwickelt, ist seit vergangenen Freitag insolvent. Die Umstände, die das Unternehmen an diesen Punkt gebracht haben, sind aber alles andere als alltäglich. Denn die Auftragsbücher von G+G seien prall gefüllt, die Kunden hoch zufrieden, sagt Insolvenzverwalter Marc Herbert. Das Unternehmen habe Insolvenz anmelden müssen, weil sich alle 40 Beschäftigten im Werk in der vergangenen Woche krankgemeldet hätten. „In meinen 20 Jahren als Insolvenzverwalter habe ich so etwas noch nie erlebt“, sagt Herbert. Die Ursache für den 100-prozentigen Krankenstand seien schwere „Zerwürfnisse zwischen Geschäftsführung und Belegschaft“ gewesen, so der Rechtsanwalt, der in Saarbrücken eine Kanzlei betreibt.

Er sei am Freitag zum vorläufigen Insolvenzverwalter von G+G ernannt worden, sagt Herbert. „Als ich dann am Werk ankam, war absolut niemand da. Das war schon eine bizarre Situation.“ Danach habe sich der Rechtsanwalt an Andreas Griese, den Gründer und heutigen Prokuristen von G+G, gewandt. Dieser habe die Belegschaft am Montag zu einer Krisensitzung zusammengetrommelt. „Dort stand ich dann vor dieser großen Gruppe von Mitarbeitern“, sagt Herbert. „Ich habe sie zunächst einmal gefragt, wo überhaupt das Problem liegt.“ Erst in Einzelgesprächen mit den Abteilungsleitern seien die Ursachen zutage getreten.

„Die Kommunikationsprobleme im Werk haben sich wohl im Laufe der Zeit immer weiter zugespitzt“, berichtet Herbert. Die Beschäftigten hätten die Geschäftsführung wiederholt erfolglos auf die Probleme im Werk angesprochen. Die mangelnde Kommunikation sei auch dem Umstand geschuldet gewesen, dass der Geschäftsführer und gleichzeitige Investor nur französisch spricht, sagt Herbert. „Er konnte nur über Mittelsleute mit der Belegschaft reden.“ Der Rechtsanwalt habe den Geschäftsführer jetzt bis zum Start des Insolvenzverfahrens in sechs Wochen von allen Funktionen bei G+G entbunden.

Ein zentrales Problem sei das fehlende Eigenkapital bei gleichzeitig hohem Auftragsvolumen gewesen, sagt Herbert. Das Unternehmen, das einen Jahresumsatz von 4,2 Millionen Euro erwirtschafte, habe zwar viele zahlende Kunden – zu denen auch große Konzerne wie BASF oder die Dillinger Hütte zählten. „Alleine von BASF haben wir hier aber mitunter 100 Aufträge pro Monat“, so der Insolvenzverwalter. Um diese Masse stemmen zu können, hätte G+G „notwendige Kapazitäten, die bis zu zwei Monate abdecken können“ vorhalten müssen. Das ist laut Herbert allerdings nicht geschehen. In der Folge sei es auch zu personellen Engpässen gekommen. „Mangels flüssigen Kapitals wurde dann aber trotzdem keiner eingestellt“, sagt Herbert.

Weil niemand zur Arbeit kam, standen bei G+G nun eine Woche lang alle Räder still, die Aufträge blieben liegen. „Wir haben bereits mit den Kunden gesprochen“, berichtet Herbert. „Die waren natürlich nicht glücklich über die Situation, aber das bekommen wir hin“, so der Insolvenzverwalter. „Jetzt müssen wir erst einmal wieder zur Normalität zurückfinden.“

Dem Insolvenzverfahren blickt Marc Herbert dennoch vergleichsweise gelassen entgegen. „Wir haben hier ja im Grunde einen sehr gesunden Betrieb“, sagt er. Das Insolvenzgeld reiche aus, um die laufenden Kosten bis einschließlich September zu decken. „Alles, was wir jetzt brauchen, ist ein neuer Investor, der die Firma mit frischem Kapital versorgt.“

Für die G+G Kran- und Anlagenbau GmbH ist es bereits die zweite Insolvenz. Die erste war im Jahr 2017. Seinerzeit konnten alle Arbeitsplätze erhalten werden. Die Kunden hätten die Sanierung vor zwei Jahren „positiv begleitet“, sagte der damalige Insolvenzverwalter Günter Staab.