Inexio aus Saarlouis ist laut Handelsblatt über eine Milliarde wert

Kostenpflichtiger Inhalt: Glasfasernetze : Inexio aus Saarlouis auf dem Weg zum Milliardengeschäft

Das Saarlouiser Glasfaser-Unternehmen spricht mit Großinvestoren über eine Partnerschaft für seinen Wachstumskurs.

Damit hätten Ende November 2007 wohl nur die wenigsten gerechnet. Dass nicht mal zwölf Jahre nach der Gründung von Inexio in Saarlouis ein Firmenwert von mehr als einer Milliarde Euro im Gespräch ist. Diese Zahl nennt das Handelsblatt unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach sucht das Glasfaser- und Telekommunikationsunternehmen nach einem Käufer. Spekuliert wird darüber hinaus, dass ein Investor gleich auch die Deutsche Glasfaser Holding GmbH aus Borken (Nordrhein-Westfalen) kauft und beide Firmen zusammenschließt.

So dürfte es aber wohl nicht kommen, wenn man Inexio-Chef David Zimmer glaubt. „Ich habe zwölf Prozent und bin nicht bereit zu verkaufen“, sagt er. Trotzdem ist die Nachricht nicht ganz aus der Luft gegriffen. Das Unternehmen sucht, wie im April angekündigt, Investoren, die bei Inexio groß einsteigen. Das Eigenkapital soll um 400 bis 500 Millionen Euro aufgestockt werden. Noch „ist nichts so konkret, dass eine Lösung hergestellt wäre“, sagt Zimmer. Doch es laufen Gespräche zum Beispiel mit dem Versicherungskonzern Allianz, dem Vermögensverwalter DWS, der mehrheitlich der Deutschen Bank gehört, und internationalen Großinvestoren wie Macquarie, EQT und Global Infrastructure Partners.

David Zimmer, Geschäftsführer von Inexio. Foto: Inexio

„Wir brauchen ein Finanzierungskonzept, um das Ziel von einer Million Kunden bis 2030 umgesetzt zu bekommen“, sagt Zimmer. Aktuell seien es knapp 120 000. Er schätzt den Finanzbedarf für den geplanten Ausbau der Glasfasernetze auf fünf Milliarden Euro. Das Geld soll zum einen aus den flüssigen Mitteln des Unternehmens genommen werden. Zudem „bekommen wir die Hälfte von den Banken“, sagt Zimmer. Das Finanzierungskonzept müsse aber eben mit 400 bis 500 Millionen Euro Eigenkapital unterfüttert werden.

Klar ist wohl, dass der bisherige Hauptanteilseigner, die Wagniskapital-Gesellschaft Warburg Pincus, mit laut Zimmer knapp 59 Prozent diese Summe nicht stemmen wird. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder bleibt Warburg Pincus an Bord, und ein neuer Investor kommt hinzu, oder der künftige Partner übernimmt die Anteile und legt noch eine halbe Milliarde Euro drauf. Zimmer macht keinen Hehl daraus, dass er „am liebsten mit Warburg Pincus“ weiterarbeiten würde. Das liegt offenbar am Vertrauensverhältnis, das sich mit dem früheren Telekom-Chef René Obermann, der für Warburg Pincus bei Inexio im Aufsichtsrat sitzt, entwickelt hat. Die Ausstiegs-Variante ist deswegen aber nicht ausgeschlossen. Das dürfte aus Sicht von Warburg Pincus eine Frage des Preises sein. Das Unternehmen wollte zu den Verkaufsgerüchten am Montag keine Stellungnahme abgeben. Im September sollen laut Zimmer vertiefte Gespräche mit ernsthaften Interessenten laufen, und vor Weihnachten soll dann die neue Anteilseigner-Struktur von Inexio stehen.

Wer immer der neue Partner sein wird, „für uns steht ein Rückzug bei der Inexio nicht zur Diskussion“, versichert Zimmer auch im Namen seiner Geschäftsführungskollegen Christoph Staudt und Martin Balzer. Das Team wolle Inexio die nächsten zehn Jahre und darüber hinaus voranbringen und die Branche von Saarlouis aus weiter aufmischen. Zimmer ist davon überzeugt, dass ohne ihn und sein Führungsteam das Wachstumsszenario nicht umzusetzen ist. In den Gesprächen mit Investoren sei auch immer darauf gedrängt worden, dass er das Unternehmen weiterhin leite, sagt Zimmer. Das will er offenbar – aber nur vom Saarland aus. So international der künftige Partner sein mag, Saarlouis soll der Firmensitz bleiben.

Geschäftsbericht 2017/18: https://inexio.net/uploads/offline/GB_2017-18_Web.pdf

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