In Saarbrücken wird Fernwärme in zwei Kraftwerken erzeugt

Kostenpflichtiger Inhalt: Zukunftsträchtige Technologie? : Die Saarbrücker Fernwärme in Zeiten des Klimawandels

Immer mehr kleine und große Kunden setzen in Saarbrücken auf Fernwärme. In den beiden Heizkraftwerken wird auch Strom gewonnen.

„Die Fernwärme passt in die Zeit. Sie ist in Saarbrücken über 60 Jahre alt, aber moderner denn je.“ Schließlich trage sie zum Klimaschutz bei. Martin Kraus ist offenkundig ein Fan dieser Wärme, die in Form von heißem Wasser ins Haus kommt, aufgeheizt vor allem im Kraftwerk Römerbrücke und über ein Rohrnetz in der Stadt verteilt. Kraus ist von Berufs wegen Verfechter der Fernwärme. Er ist beim Versorger Energie Saar-Lor-Lux im Vorstand für dieses Geschäftsfeld verantwortlich.

Mitte der 50er Jahre wurde die erste Fernwärmeleitung in Saarbrücken verlegt, inzwischen sind weite Teile der Innenstadt, der Eschberg, das ZF-Werk und die Universität angeschlossen – insgesamt nach Unternehmensangaben mit mehr als 11 000 Kunden. Seit 2010 sind viele hinzugekommen. Damals hatten die Energie Saar-Lor-Lux und die Netzgesellschaft der Stadtwerke Saarbrücken ein Ausbauprogramm vereinbart. „Das war sehr erfolgreich“, sagt Kraus. 25 000 Kilowatt Wärmeleistung seien zugebaut worden. Das entspreche etwa zehn Prozent der gesamten Netzleistung. Umgerechnet ist damit der durchschnittliche Bedarf von 1250 Einfamilienhäusern gedeckt. Tatsächlich kamen aber nur zum Teil Kleinkunden hinzu, sondern gerade auch große, wie der Baumarkt Bauhaus oder die Möbelhäuser Möbel Martin und Mömax.

„Schwerpunkt des Ausbaus ist die Verdichtung“ des inzwischen 180 Kilometer langen Netzes, sagt der Firmenvorstand. Das heißt, entlang des vorhandenen Leitungsnetzes werden neue Kunden gewonnen. Hinzu kämen kleinere Neubaustrecken. Der Zuspruch der Kunden ist für Kraus ein Beleg dafür, dass Fernwärme keine veraltete Form der Energieversorgung ist.

Hausbesitzer profitieren zunächst einmal dadurch, dass sie vieles nicht brauchen: keinen Heizkessel, keinen Schornstein und keinen Raum für Brennstoffe. Hinzu kommt, dass sich Bauherren die Kosten für eine eigene Wärmeerzeugung durch erneuerbare Energie sparen, wie sie gesetzlich für Neubauten vorgeschrieben ist. Damit werden zum Beispiel Investitionen in eine Holzpellets-Heizung oder eine Solaranlage zur Warmwasser-Aufbereitung unnötig. Auch lassen sich die Anforderungen für das Dämmen leichter erfüllen. Das große Heizkraftwerk Römerbrücke und das kleine Heizkraftwerk Süd produzieren Strom und Wärme zugleich. Dadurch lässt sich aus den eingesetzten Energieträgern viel Nutzenergie herausholen. Somit ist der Kohlendioxidausstoß pro Megawattstunde Wärme deutlich geringer als mit anderen Heizformen. „Fernwärme ist fast doppelt so gut wie Gas und mehr als doppelt so gut wie Heizöl“, sagt Kraus.

Martin Kraus, Vorstandsmitglied bei Energie Saar-Lor-Lux. Foto: Energie Saar-Lor-Lux

Ganz öko ist aber auch die Fernwärme nicht. Nach wie vor wird fossile Energie eingesetzt, hauptsächlich Gas, aber an kalten Tagen auch noch Kohle. Der Einsatz des Kohlekessels wurde nötig, nachdem vor zwei Jahren Steag New Energies die Lieferung von Wärme aus der Fernwärmeschiene Saar wegen maroder Rohre dauerhaft kappte. Energie Saar-Lor-Lux plant nun mit ihren Eigentümern, den Stadtwerken Saarbrücken (49 Prozent) und dem französischen Energiekonzern Engie (51 Prozent), für rund 80 Millionen Euro den Bau von fünf Gas-Blockheizkraftwerken. Damit wird der Kohlekessel endgültig überflüssig. Wenn man lange nach vorne schaue, sei vielleicht eine Umstellung auf „Grün-Gas“ möglich, erzeugt etwa mit überschüssigem Strom aus Windrädern, blickt Kraus voraus. Dann wäre Fernwärme wirklich öko.