Im Saarland sind zahlreiche Krankenkassen vertreten.

Regionale Krankenkassen und ihre Vorteile : Warum regionale Krankenkassen wichtig sind

Die IKK Südwest führt zahlreiche einzelne Leistungen zu Angebotspaketen zuzsammen. Viele Kassen sind im Saarland vertreten.

Als sich vor fast 25 Jahren ein kleiner Kreis aus der Handwerkerschaft daran machte, die Innungskrankenkasse (IKK) des Saarlandes zu gründen, ahnte niemand, dass daraus einmal ein Unternehmen mit 1500 Mitarbeitern – davon etwa 1100 im Saarland – und mehr als 636 000 Versicherten entstehen würde. „Wir hatten uns für die Gründung entschieden, weil wir den Betrieben der saarländischen Handwerksinnungen und ihren Mitarbeitern einen günstigen Krankenschutz anbieten wollten“, erinnert sich Gerd Wohlschlegel, einer der IKK-Väter. „Natürlich wollten wir mit diesem Service auch neue Mitglieder für unsere Innungen gewinnen, denn nur die Inhaber von Mitgliedsbetrieben und ihre Beschäftigten konnten sich anfangs dort versichern“, sagt Wohlschlegel, damals Geschäftsführer der Saar-Bäckerinnung.

Die seinerzeit noch selbstständige Ortskrankenkasse AOK Saar war sauer. Viele junge Handwerker, die zudem selten krank waren, wechselten nach und nach zur neuen IKK. „Heute gehören wir zu den großen regionalen Kassen bundesweit“, sagt Professor Jörg Loth, der zusammen mit Roland Engehausen die aus diesen bescheidenen Anfängen entstandene Kasse leitet. Seit zehn Jahren firmiert sie nach einigen Namensänderungen unter IKK Südwest. Außerdem steht sie schon längst nicht nur Handwerkern, sondern jedermann offen – und zwar im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Hessen.

„Nur mit möglichst vielen Versicherten lassen sich die Behandlungskosten so verteilen, dass sich der Beitragssatz in Grenzen hält“, sagt Loth. Inzwischen belaufen sich die Einnahmen auf 1,76 Milliarden Euro. Davon werden 1,64 Milliarden Euro für Gesundheitsleistungen ausgegeben. Loth will die regionale Struktur der Krankenkassen erhalten, von einer Einheitskasse für alle gesetzlich Versicherten hält er nicht viel. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will das zwar auch nicht, aber mit seinem „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ möchte er erreichen, dass sich die Versicherten künftig alle in Deutschland tätigen Krankenkassen aussuchen dürfen – auch die regional begrenzten wie die IKK Südwest. Außerdem würden diese dann unter die Kontrolle des Bundesversicherungsamts gestellt. Derzeit liegt die Aufsicht beim Saar-Gesundheitsministerium. „Dort fühlen wir uns gut aufgehoben“, sagt Loth. Denn im Ministerium „laufen auch die Fäden für andere Gesundheitsleistungen wie zum Beispiel die Krankenhaus-Planung und die Unfallrettung zusammen“. Außerdem sei es auf der regionalen Ebene einfacher, sinnvolle Zusatzleistungen für die Versicherten zu vereinbaren.

Als Beispiel nennt der Krankenkassen-Chef das Projekt Pikko, wo die IKK Südwest Konsortialführer ist. Dahinter steckt ein Netzwerk von Lotsen, die sich der Menschen annehmen, denen der Arzt eine Krebserkrankung diagnostiziert hat. Sie sollen den Patienten zur Seite stehen, wenn die Angehörigen über die Folgen der Krankheit informiert werden, Fragen, der Reha und Wiedereingliederung klären oder helfen, wenn der an Krebs erkrankte Mensch in eine Krise stürzt. Derzeit sind acht Frauen als Lotsen tätig. Maximal 1800 Patienten können von ihnen betreut werden. Bezahlt wird das Projekt, das vom Universitätsklinikum Jena wissenschaftlich begleitet wird, aus Bundesmitteln in Höhe von 3,5 Millionen Euro.

Ein weiteres von der IKK Südwest angestoßenes Vorhaben ist das mit Kooperationspartnern organisierte Zweitmeinungs-Netzwerk. „Damit erfüllen wir den Wunsch von Patienten, vor schwerwiegenden Eingriffen wie zum Beispiel einer Hüft-, Knie- oder Rückenoperation eine Zweitmeinung einholen zu können“, erläutert Loth.

Auch die Digitalisierung hat bei der in Saarbrücken beheimateten Krankenkasse Einzug gehalten. Inzwischen hält sie fünf digitale Versorgungsangebote vor. „Caterna“ ist eine internetbasierte Therapie für Kinder mit funktionaler Sehschwäche. Online-Sehübungen sollen die Okklusionstherapie ergänzen, bei der das starke Auge mit einem Pflaster abgeklebt wird. Bei an Ohrgeräuschen (Tinnitus) leidenden Menschen wird mit „Tinnitracks“ die eigene Lieblingsmusik so aufbereitet, dass sie zur Therapie eingesetzt werden kann.

Inzwischen hat die Kasse auch die elektronische Akte eingeführt. Die eingehende Post wird gescannt und über Router an die Sachbearbeiter weiterverschickt. Die IKK Südwest verspricht sich davon eine Verbesserung der Kommunikations- und Prozessabläufe innerhalb der Verwaltung. Auch die 21 Kundencenter in den drei Bundesländern sollen erhalten bleiben.

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