Im Saarland sind noch 2300 Azubi-Stellen unbesetzt

Gute Nachricht für Spätentschlossene : Im Saarland gibt es noch viele freie Lehrstellen

2300 Ausbildungsplätze in vielen Branchen warten auf Bewerber. Je flexibler man bei der Berufswahl ist, desto größer sind die Chancen.

Junge Leute, die im Saarland jetzt noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, sollten keinesfalls den Kopf in den Sand stecken. Nach den neuesten Zahlen, die die Regionaldirektion Saarland-Rheinland-Pfalz gestern vorgestellt hat, gibt es noch in zahlreichen Berufen freie Lehrstellen. Insgesamt stehen demnach im Saarland noch rund 2300 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Wer seine Chancen erhöhen möchte, sollte sich bei der Wahl seines Berufes vor allem flexibel zeigen, sagt Michael Lesch, Berater für akademische Berufe beim Arbeitsamt Saarbrücken. Denn selbst wenn im gewünschten „Traumberuf“ keine Stelle mehr zu ergattern ist, gibt es unter den insgesamt 360 Berufen viele neue, teilweise gegenwärtig auch noch häufig eher unbekannte Alternativen, die dem jeweiligen „Traumberuf“ sehr nahe kommen.

Die meisten Chancen hat, wer zumindest ungefähr weiß, in welche Richtung es gehen und welcher Beruf passen könnte. Hier ist zum Beispiel hilfreich, wenn man weiß, ob man gerne mit Menschen zu tun hat, das Gespräch sucht und sich zum Beispiel vorstellen könnte, als Berater oder im Vertrieb arbeiten zu können, am Empfang eines Hotels oder auch im Service. Alles Tätigkeiten, bei denen man allerdings dazu in der Lage sein muss, sich zu öffnen und aus sich herauszugehen. Andere arbeiten vielleicht lieber „im Verborgenen“ sehr zuverlässig, aber eben ohne den direkten Kundenkontakt.

Als neue, moderne Ausbildungsberufe, in denen die Chancen gut aussehen, nennt Michael Lesch zum Beispiel den Kaufmann im E-Commerce, der sich um Produkte und Dienstleistungen im Internethandel kümmert. Ebenso den Kaufmann für Dialog-Marketing, der Dienstleistungen im Bereich des Direkt- beziehungsweise Tele-Marketings anbietet. Begehrt sind nach Auskunft von Lesch in vielen Betrieben auch Personaldienstleistungskaufleute, die sich um die Rekrutierung von Personal kümmern sowie deren Einsatz koordinieren. Sie kümmern sich zudem um Aufträge und betreuen auch Kunden.

Gerade in jüngster Zeit habe die Bedeutung des Anlagenmechanikers zugenommen, der die Bauteile fertigt und sie zu Baugruppen montiert, beispielsweise für Industrieanlagen. Wer handwerkliches Geschick mitbringt, könnte in diesem Beruf vielleicht gut aufgehoben sein.

Berufsberater Lesch verweist zudem darauf, dass auch spontane Initiativbewerbungen in Unternehmen sinnvoll sein können, da insgesamt nur etwa 80 Prozent aller verfügbaren Ausbildungsstellen der Regionaldirektion der Bundeagentur für Arbeit gemeldet werden. Die übrigen 20 Prozent besetzen Unternehmen direkt in Eigenregie. Wer eine Initiativbewerbung aufsetzt, sollte sich jedoch vorher ausführlich über den Betrieb informieren. Das könne man in den meisten Fällen heute sehr gut über die Internet-Präsenz des Unternehmens, empfiehlt Lesch. Zudem werde es von vielen Personalverantwortlichen durchaus geschätzt, wenn man einfach anruft und sich direkt erkundigt, ob gerade eine Lehrstelle zu vergeben ist.

Besonders gut sind die Chancen für eine Ausbildung im Saarland in den Berufen Kaufmann im Einzelhandel (noch 210 freie Stellen), Kaufmann für Büromanagement (100), Verkäufer (90), Fleischereifachverkäufer (70), Anlagenmechaniker mit dem Schwerpunkt Sanitär/Heizung/Klimatechnik (70), Fachkraft für Lagerlogistik (60), Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik (60), Zahnmedizinischer Fachangestellter (60), Koch (60) und Friseur (60).

Für zahlreiche junge Leute könnte auch das Handwerk eine attraktive Adresse sein. Hier bestünden zudem sehr gute Aussichten, nach der Ausbildung unbefristet übernommen zu werden. Arndt Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes, verweist darauf, dass im Augenblick noch Lehrstellen in fast allen Berufen frei sind. Das Handwerk sei zugleich eine attraktive Alternative zum Studium, da Aufstiegschancen in sicheren Jobs vorhanden seien.

Zudem werde häufig mit moderner Technik gearbeitet. Selbst Landschaftsgärtner setzen heute immer häufiger auf Computer und 3D-Animationen. Wo plant man etwa am besten einen Teich oder an welcher Stelle wirkt ein Baum am besten, von der Terrasse aus betrachtet? Am PC lassen sich schnell Antworten finden. Dachdecker ermitteln mit Drohnen, an welchen Stellen die Reparaturen erfolgen müssen, ganze Baustellen werden heute am PC geplant. Solche Beispiele gibt es viele. Als eine der wichtigsten Vorzüge des Handwerks sieht es Klein-Zirbes an, dass man direkt selbst sehen kann, was man geleistet hat.

Auch das Hotel- und Gastgewerbe im Saarland bietet jungen Menschen zahlreiche Möglichkeiten, eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Gudrun Pink, Präsidentin des Hotels- und Gaststättenverbandes (Dehoga) an der Saar betont, dass die Betriebe heute zudem bestrebt seien, eine möglichst gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten, was der heutigen Generation besonders wichtig sei. Allerdings müsse man bei einer Beschäftigung in der Gastronomie oder Hotellerie auch grundsätzlich dazu bereit sein, an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten. Dafür habe man dann an anderen Tagen frei und brauche nicht einen Tag Urlaub zu nehmen, wenn man etwas Wichtiges erledigen muss. Wer sich für die Hotellerie entscheidet, fleißig sowie flexibel ist, könne aufsteigen und sogar weltweit Karriere machen.

In vielen Situationen bekommen Jugendliche auch begleitend zu ihrer Ausbildung eine finanzielle Unterstützung. So können Azubis nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit zum Beispiel Berufsausbildungsbeihilfe beantragen. Diese kann gewährt werden, wenn die Betroffenen während ihrer Ausbildung nicht bei ihren Eltern wohnen können, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt ist.