Verbände warnen Hohe Kosten und Zinsen –  auch im Saarland droht eine Flaute am Bau

Saarbrücke/Berlin · Fast drei Viertel der Bauunternehmen im Saarland erwarten für 2023 niedrigere Umsätze. Bundesweit bleibt die Ampel hinter ihren Wohungsbau-Zielen zurück.

Steigende Zinsen, hohe Kosten: Im kommenden Jahr droht ein Einbruch beim Bau in Deutschland – auch im Saarland blickt die Branche zunehmend sorgenvoll in die Zukunft. Fast drei Viertel der saarländischen Bauunternehmen erwarten für 2023 niedrigere Umsätze als in diesem Jahr, wie aus einer Umfrage des Branchenverbands AGV Bau Saar hervorgeht.

Vertreter der Bauwirtschaft fordern nun Hilfe von der Politik, auch um deren Ziele etwa beim Wohnungsbau zu erreichen, die zuletzt deutlich verfehlt wurden. „Wann, wenn nicht jetzt will die Politik in den Bau investieren?“, sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Baugewerbes (ZDB) in Berlin. Der Branche mache es insbesondere zu schaffen, dass viele Projekte storniert würden, weil sie wegen hoher Baukosten und gestiegener Zinsen zu teuer seien, sagte Pakleppa. Im November waren laut Ifo-Institut 16,7 Prozent der Firmen am Bau von Absagen betroffen. In früheren Jahren seien es nur ein bis zwei Prozent gewesen, erklärt der ZDB-Chef. Auch die Baugenehmigungen seien im Herbst eingebrochen.

Der ZDB erwartet, dass der Branchenumsatz 2023 bundesweit um sieben Prozent sinkt. Und: Dass im kommenden Jahr nur noch 245 000 Wohnungen fertig werden, rund zwölf Prozent weniger als in diesem Jahr prognostiziert (rund 280 000). Die Ampel-Regierung in Berlin hat sich dagegen 400 000 neue Wohnungen pro Jahr in Deutschland zum Ziel gesetzt.

Im Oktober hatten zumindest die Mitgliedsunternehmen des AGV Saar in einer internen Umfrage die Lage noch überwiegend gut bis befriedigend bewertet und angegeben, dass die Auftragsbücher zum Teil bis weit ins nächste Jahr hinein gefüllt seien. Der baugewerbliche Umsatz im Saarland war laut AGV bis Oktober insgesamt um 17,5 Prozent gewachsen. Für die Zeit ab Mitte März 2023 fallen die Erwartungen in der Branche der AGV-Umfrage zufolge dann aber völlig ab. Der Verband fordert daher eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen für öffentliche Bauaufträge (Schulen, Kitas) und eine personelle Aufrüstung der Baubehörden, damit Mittel auch verbaut werden können.

Die Strategieberatung EY-Parthenon schätzt die Aussichten im Hochbau hingegen mittelfristig nicht schlecht ein. Das Volumen der erbrachten Bauleistungen werde dieses Jahr noch leicht steigen. Baufirmen könnten höhere Preise weitestgehend an Kunden weitergeben. Nach einer Stagnation im kommenden Jahr werde der Hochbau 2024 wieder zulegen, meint EY Parthenon.

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