Im Saarland gibt es immer weniger Sparkassen und Volksbanken

Geldhäuser dünnen Filialnetz aus : Im Saarland gibt es immer weniger Sparkassen- und Volksbank-Filialen

Seit 2014 haben die Geldinstitute im Saarland jede vierte Geschäftsstelle geschlossen. Für die Verbraucherzentrale ist das eine bedenkliche Entwicklung.

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Sparkassen und Volksbanken im Saarland deutlich geschrumpft. Fast ein Viertel der Filialen sind weggefallen. Insgesamt mehr als 90. Aus Sicht der Geldinstitute war das ein logischer Schritt. Sie begründen ihn mit Kosteneinsparungen und der Zunahme von Online-Banking. Die Verbraucherzentrale des Saarlandes bezeichnet das Filialsterben dagegen als „grundsätzlich bedenklich, gerade im ländlichen Raum“. Denn auch dort seien die Menschen darauf angewiesen, dass die nächste Bankfiliale möglichst in der Nähe sei, sagt Thomas Beutler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale.

2014 gab es bei den Sparkassen noch 240 mit Mitarbeitern besetzte Geschäftsstellen. Nach den jüngsten Zahlen vom vorigen Jahr sind es nur noch 185. Bei den Volksbanken im Saarland  ist eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen: Mehr als 150 Filialen waren es vor fünf Jahren, heute sind es 113. Wie viele Geschäftsstellen seit 2014 tatsächlich aufgegeben wurden, lässt sich nach Angaben der Bank 1 Saar und der Vereinigten Volksbank (VVB) Saarlouis-Losheim-Sulzbach jedoch nicht mehr ganz genau sagen, weil es in dem Zeitraum mehrere Fusionen gab. So ist die heutige VVB Saarlouis-Losheim-Sulzbach in den vergangenen fünf Jahren aus fünf eigenständigen Volksbanken entstanden. Die Bank 1 Saar fusionierte jüngst mit der Volksbank St. Wendeler Land.

Die Zahl der Selbstbedienungsstellen, kurz SB-Stellen, ist seit 2014 stabil. Bei den Sparkassen sind es nach aktuellen Statistiken 61, bei den Volksbanken 56.

Aktuell seien keine weiteren Filialschließungen geplant, teilen die Geldhäuser mit. Allerdings könne nicht für jeden einzelnen Standort eine Garantie ausgesprochen werden, heißt es in einer Mitteilung des Sparkassenverbands Saar. Und auch die Bank 1 Saar prüft nach eigenen Angaben „kontinuierlich die Kundenfrequenzen und betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösungen“.

Die Verbraucherzentrale rechnet allerdings damit, dass auch in den kommenden Jahren Geschäftsstellen dichtgemacht werden. „Aus wirtschaftlichen Gründen ist es für eine Bank hin und wieder notwendig, eine Filiale zu schließen. Nur ist es immer die Frage, in welcher Absicht das geschieht“, sagt Thomas Beutler. Gerade bei Sparkassen und Volksbanken sollten nach seiner Ansicht die obersten Ziele nicht Effizienz und Gewinnmaximierung sein. Es gehe auch darum, für die Bevölkerung die Infrastruktur zu erhalten. „Wenn Filialen schließen, ist das vor allem für ältere Menschen ein Problem, gerade für solche, die nicht online und nicht mehr mobil sind – und das sind einige“, sagt Beutler. Sie seien auf die Beratung vor Ort angewiesen. Gebe es die Beratung nicht mehr, würden die Menschen komplett von Bankdienstleistungen abgeschnitten.

Dagegen fühlen sich die Kreditinstitute für die nächsten Jahre gut gerüstet und verweisen auf ihre Servicecenter, telefonischen Bankdienstleistungen und Internetangebote. Die Bank 1 Saar beobachtet zudem, dass sich der Umgang mit Bargeld immer stärker ändert: „Es entstehen neben dem klassischen Bankkontakt auch andere Möglichkeiten, an Bargeld zu gelangen, zum Beispiel durch die Auszahlung über Giro- oder Kreditkarten an Supermarktkassen.“ Dieser Service werde oftmals als bequeme Alternative empfunden. Die Bank stelle eine zunehmend stärkere Nutzung dieser Option fest.

Darüber hinaus sind die Volksbanken überzeugt, dass es nach wie vor ein dichtes Filialnetz gibt. Und der Sparkassenverband Saar teilt mit, dass das Saarland bundesweit die höchste Dichte von Sparkassenfilialen aufweist, sowohl je Einwohner als auch je Quadratkilometer gerechnet.

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