Im Kraftwerk Völklingen-Fenne soll künftig Wasserstoff produziert werden

Millionenprojekt in Fenne : Wasserstoff made in Völklingen

Im Stadtteil Fenne soll eine bisher einzigartige Anlage entstehen, die saubere Energie für das Saarland produziert.

Am Standort des Kohlekraftwerkes im Völklinger Stadtteil Fenne soll künftig Wasserstoff im industriellen Maßstab hergestellt werden. Das „Hydrohub-Fenne“ getaufte Projekt setzte sich im deutschlandweiten Wettbewerb „Reallabore der Energiewende“ durch. Das Bundesministerium für Wirtschaft hat das „Hydrohub“ unter 90 Einsendungen ausgewählt und als förderfähig eingestuft. Insgesamt seien 20 solcher Einrichtungen in ganz Deutschland geplant, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Laut Kraftwerksbetreiber Steag soll in Fenne ein zweistelliger Millionenbetrag investiert werden, von dem 45 bis 50 Prozent aus Bundesmitteln stammen sollen. Mit von der Partie sind neben Steag die Siemens AG, das an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes gegründete Institut für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme (IZES) und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Der Bau der Anlage soll im kommenden Jahr beginnen. Wie viele Arbeitsplätze vor Ort geschaffen würden, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, sagt Steag-Pressesprecher Florian Adamek. „Es wird sich aber mit Sicherheit positiv auf den Standort auswirken.“

Der Name des Wasserstoffs (H2) kommt daher, dass er gemeinsam mit Sauerstoff (O2) das Wasser (H20) bildet. In Fenne soll der Wasserstoff mithilfe eines sogenannten Elektrolyseurs direkt aus Wasser gewonnen werden. Die nötige Energie soll laut Steag aus erneuerbaren Quellen stammen, die Herstellung also CO2-frei ablaufen. Der Wasserstoff wird später als Ersatz für fossile Brennstoffe eingesetzt, bei der Verbrennung entsteht wiederum reines Wasser.

„Fest steht: In Deutschland sollen in Zukunft Wind- und Sonnenenergie die tragenden Säulen der Stromversorgung bilden“, so Steag. Diese beiden Energiequellen seien jedoch stark witterungsabhängig. „Wasserstoff kann als Energieträger diese Schwankungen ausbalancieren“, so der Konzern. „In Völklingen-Fenne soll dies an einem Energieknotenpunkt stattfinden, an dem Stromnetz, Fernwärmenetz und eine Gaspipeline zusammenlaufen.“ Den Elektrolyseur, einen Wasserstoffspeicher und eine Hochtemperaturwärmepumpe wollen die Betreiber neu bauen. Daneben wollen sie aber auch auf bereits bestehende Strukturen in Fenne zurückgreifen, unter anderem auf „ein Großbatteriesystem, ein Grubengasmotorenheizkraftwerk und einen Elektrodenkessel“.

Der gewonnene Wasserstoff soll Steag zufolge auf verschiedene Arten im ganzen Saarland Verwendung finden: „So wird der Wasserstoff an nahegelegene Stahlunternehmen geliefert, die ihn für industrielle Prozesse benötigen.“ Daneben werde er ins regionale Gasnetz eingespeist. Außerdem soll der Wasserstoff im Kraftwerk verwendet werden, um Strom zu erzeugen. Die entstehende Abwärme soll als Fernwärme in Privathaushalten und Industrie genutzt werden. In Zukunft wollen die Betreiber auch Wasserstoff-Tankstellen für Brennstoffzellen-Fahrzeuge im Saarland versorgen. Im industriellen Maßstab sei ein solches Projekt noch nie erprobt worden. „In Völklingen-Fenne betreten die vier Partner Neuland“, erklärt Steag. Die Anlage solle später als Prototyp für vergleichbare Werke in ganz Deutschland dienen.

Die saarländische Energieministerin, Anke Rehlinger (SPD), zeigt sich hocherfreut über den Zuschlag. „Es ist ein großer Erfolg für das Saarland und ein Zukunftssignal für unsere Energiewirtschaft.“ Die Anlage trage dazu bei, dass das Saarland auch nach dem Ausstieg aus der Kohleförderung „Energieland“ bleiben werde. „Forschung und Entwicklung im Wasserstoffbereich kann ein Baustein für die Industrie der Zukunft sein“, sagt Rehlinger.

Auch Josephine Ortleb (SPD), saarländische Abgeordnete im Bundestag, ist von dem Konzept überzeugt. „Das Saarland ist im übertragenen Sinne seit vielen Jahrzehnten ein Reallabor – und zwar eines des langwierigen industriellen und sozialen Strukturwandels“, sagt Ortleb. „Deshalb freut es mich, dass Völklingen als Standort für diese energetische Zukunftstechnologie überzeugt hat.“ Die Entscheidung sei ein „wichtiges Signal für die zukünftige Gestaltung des Strukturwandels des gesamten Saarlands nach innen und außen“ und stelle eine „hoffnungsvolle Perspektive zur Fortführung der starken industriellen Basis des Saarlandes unter Klimaschutzbedingungen dar“.

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