IKK fordert nach Pfusch am Neubau Schadenersatz

Neubau am Eurobahnhof : IKK-Bau braucht aufwändige Hülle

Weil der Rohbau schief geraten ist, muss die Glasfassade nun ganz neu berechnet und angepasst werden. Die Krankenkasse fordert Schadenersatz.

Seit Monaten stockt der Neubau der IKK Südwest in Saarbrücken. Jetzt soll endlich die Verkleidung der Außenfassade am Verwaltungs-Neubau beginnen. Die meisten Konsolen, an denen die jeweils 750 Kilogramm schweren gläsernen Fassadenteile aufgehängt werden sollen, sind inzwischen befestigt. Es ist noch ein großer Bauabschnitt: Die gesamte Fassadenfläche umfasst 13 000 Quadratmeter.

Die Verkleidung mit Fassadenteilen ist bei jedem Bau extreme Maßarbeit, denn bei den Abständen zwischen den Platten müssen genaue Toleranzen eingehalten werden. Präzision geht hier vor Schnelligkeit. Bei dem IKK-Rohbau ist es allerdings noch etwas diffiziler, denn der Rohbau selbst ist nicht im Lot, wie IKK-Geschäftsführer Daniel Schilling bei einer Baustellen-Begehung auf Anfrage einräumt. „Er liegt mit seinen Maßen einige Zentimeter außerhalb der Toleranz“, sagt er.

Ein Fehler, der jetzt auch „Regressforderungen“ nach sich zieht, wie Schilling betont. Diese richten sich gegen alle Firmen, die daran Schuld haben könnten, dass der Rohbau schief ist. Wer dafür im Einzelnen in Frage kommt und wie hoch die Forderungen sind, „kann erst nach einer gründlichen Untersuchung ermittelt werden“, erläutert er. Die Forderung sei gesamtschuldnerisch. Das heißt, dass alle Firmen, gegen die später ein berechtigter Regress festgestellt wird, in einem Boot sitzen. Wird einer von ihnen zahlungsunfähig, müssen die anderen dessen Schuld mittragen.

Damit die IKK-Verwaltung nicht zum „Schiefen Turm von Saarbrücken“ wird, muss nun jede Konsole so ausgerichtet werden, „dass die Fassade die Mauer-Neigung komplett ausgleicht“, erläutert Architekt Sascha Backovic vom Projektteam für den IKK-Neubau. Als Ausgleich dienen Aluminium-Platten, die an manchen Konsolen relativ dünn sind, an anderen wiederum mehrere Zentimeter dick.

Den neuen Zeitplan für die Fertigstellung des Gebäudes, der nach der Entdeckung der Schieflage vor etwa einem Jahr festgelegt wurde, „haben wir bisher einhalten können“, sagt Schilling. „Wir haben seither die Innenarbeiten vorgezogen.“

Im Inneren des Gebäudes ist das meiste inzwischen fertig, wie auf der Baustelle unschwer zu erkennen ist. Die Versorgungsleitungen sind gelegt, die Innenwände sind weitgehend errichtet. In die Betondecken sind bereits Rohre eingezogen, durch die – wie bei einer Fußbodenheizung – warmes Wasser fließt. „Das sorgt für ein angenehmes Mikroklima im ganzen Haus“, erläutert IKK-Geschäftsführer Schilling. Dennoch sind in den künftigen Arbeitsräumen Heizkörper vorhanden, „mit denen sich individuell die Temperatur einstellen lässt“. Für Licht im Inneren des Gebäudes sorgen zwei Glasdächer, die es auf eine Gesamtfläche von 600 Quadratmetern bringen.

Bei der Außenfassade beginnen die Arbeiter an der Stelle, an der später die Aufzüge eingebaut werden. Vier Hubsteiger warten auf ihren Einsatz. Mit ihnen werden die Elemente an Ort und Stelle gehievt. Ein Gerüst wird hierfür nicht benötigt. Die jeweils 2,50 Meter breiten und 3,50 Meter hohen Glaselemente selbst sind längst fertig. Sie liegen bei der Fassadenbaufirma IGM aus Medard (Pfalz) auf Abruf.

Der Neubau, der vor drei Jahren gestartet worden war, ist für die IKK Südwest bitter nötig. Derzeit arbeiten die 1000 Frauen und Männer, die in Saarbrücken bei der regionalen Kasse beschäftigt sind, an mehr als einem Dutzend Standorten in der Landeshauptstadt. Die meisten von ihnen sollen in dem neuen Gebäude künftig ihren Arbeitsplatz haben. Dieses verfügt über eine Gesamtfläche von knapp 27 700 Quadratmetern. An Baukosten sind 60 Millionen Euro kalkuliert. Derzeit wird damit gerechnet, dass der Bau in etwa einem Jahr übergeben werden kann, so dass die Mitarbeiter im Herbst 2020 dort einziehen können.