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IHK sucht Nachfolger für Hauptgeschäftsführer Heino Klingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Nachfolger für Heino Klingen gesucht : Suche nach neuer IHK-Führung kostet

Eine Düsseldorfer Personalagentur soll einen Nachfolger für Hauptgeschäftsführer Heino Klingen finden – für 95 000 Euro.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland geht die Suche nach einem neuen Hauptgeschäftsführer in die heiße Phase. An diesem Freitag findet eine außerordentliche Vollversammlung statt. Während dieser Sitzung wird dem IHK-Parlament die Personalberatungs-Agentur präsentiert, die sich auf die Suche nach dem Nachfolger von Hauptgeschäftsführer Heino Klingen machen soll. Der 65-Jährige wird Ende des Jahres in Rente gehen.

Von den drei Gesellschaften, die während der letzten Vollversammlung im Dezember präsentiert wurden, hat die Agentur LAB & Company aus Düsseldorf das Rennen gemacht. „Sie soll in einem objektiven Verfahren den Besten der Besten finden“, so Klingen. Die inhabergeführte LAB genießt in der Branche einen guten Ruf. Die Zeitschrift Wirtschaftswoche hat die Gesellschaft kürzlich nach einer Befragung von 2500 Personalentscheidern erneut ins Spitzenfeld gehoben. Doch die Suche wird nicht billig. 95 000 Euro Brutto – also inklusive Mehrwertsteuer – will sich die Kammer für die LAB-Dienste genehmigen lassen.

Das Ganze stößt einigen Vollversammlungs-Mitgliedern böse auf. „Haben wir im Saarland keine erfahrenen Personalberater, die diese Aufgabe genauso gut bewältigen können?“, fragt einer. Außerdem sei es sinnvoll, dass die Kammer zunächst in den eigenen Reihen nach geeigneten Kandidaten für das Spitzenamt sucht, wie dies in der Vergangenheit üblich gewesen sei. „Wir schaffen Geld aus dem Land, das wir nicht haben, für Leute, die wir nicht brauchen“, merkt dieses Mitglied des IHK-Parlaments an und spielt damit auf die immer noch prekäre Haushaltssituation der Kammer an, die für das laufende Jahr mit einem Defizit von 720 000 Euro rechnet.

Andere wiederum verteidigen das gewählte Procedere. „Es ist das einzig mögliche Vorgehen“ sagt ein IHK-Präsidiumsmitglied. „Wir müssen nach vorne schauen, können auch bei der Auswahl unseres Spitzenpersonals nicht immer im eigenen Saft schmoren“. Es räumt ein, dass die Hauptgeschäftsführer in der Vergangenheit immer aus dem eigenen Haus gekommen seien. Das sei nicht das schlechteste Verfahren, da es sich immer um Persönlichkeiten gehandelt habe, „die den Anforderungen des Amtes mehr als gerecht wurden“. Dennoch schließe das nicht aus, neue Wege zu gehen und außer­halb des Saarlandes nach Leuten zu suchen, die als IHK-Hauptgeschäftsführer eine Top-Besetzung sein könnten. Wer sich aus den Reihen der Mitarbeiter für kompetent hält, dem stehe es frei, sich an diesem Auswahlverfahren zu beteiligen. „Wenn dann die Wahl auf ihn oder sie fällt, kann diese Person immer sagen, dass die Entscheidung nicht in irgendwelchen Hinterzimmern getroffen wurde, sondern sie sich gegen Mitbewerber durchgesetzt hat.“

Ein anderes Präsidiumsmitglied merkt an, dass es nicht preiswerter gewesen wäre, wenn eine saarländische Personalagentur den Zuschlag erhalten hätte. „Wer Qualität haben will, muss diesen Preis bezahlen“, sagt er. Allerdings gebe es an der Saar nur sehr wenige Agenturen, die für diese Aufgabe in Frage kämen. Hier fällt immer der Name von b+p Beratung und Personal aus Saarbrücken. Doch die Verbindung von Mitgliedern des Präsidiums und dieser Agentur sei teilweise eng, „so dass der Vorwurf der Kungelei mit Sicherheit erhoben worden wäre“, sagt der Vize-Präsidiale. Er erinnert zudem daran, dass „es eigentlich keiner Vollversammlung bedarf, um LAB zu beauftragen. Das hätte das Präsidium auch alleine machen können.“

Er geht Ende des Jahres in den Ruhestand: Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland. Foto: IHK Saarland/BeckerBredel

Daher loben andere Vollversammlungs-Mitglieder das jetzt gewählte Verfahren, „das auf jeden Fall Transparenz schafft“. Kritisch sehen sie, „dass es jemandem von außerhalb des Saarlandes schwerfallen könnte, so schnell im Land anzukommen, wie dies sein sollte“. Wenn man die einzige IHK eines Bundeslandes ist „muss der Neue das nötige Gespür mitbringen, wie das Land tickt, wie die politischen Strömungen verlaufen und wo sich Untiefen auftun“. Ein Einser-Volkswirtschaft-Diplom und Auslandserfahrung „helfen hierbei wenig“. Ein anderer bringt es auf den Punkt. „Ich begrüße das Auswahlverfahren, aber ich wünsche mir, dass es jemand wird, der aus den Reihen der IHK selbst kommt.“