IHK im Saarland will Millionenverlusten mit hartem Sparkurs begegnen

Kostenpflichtiger Inhalt: Angesichts von Millionenverlusten : Saar-IHK schnallt den Gürtel enger

Mit einem „harten Sparkurs“ versucht die Industrie- und Handelskammer, den jährlichen Millionendefiziten zu begegnen.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland ist dabei, die Zeit der roten Zahlen hinter sich zu lassen. „Im Jahr 2021 wollen wir wieder eine schwarze Null erreichen“, kündigte IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen am Montagabend am Rande der Vollversammlung der Kammer an. Das vergangene Jahr war mit einem Minus von knapp 2,1 Millionen Euro abgeschlossen worden. Für dieses Jahr wird jüngsten Zahlen zufolge noch mit einem Defizit von knapp 1,1 Millionen Euro gerechnet. Ursprünglich hatte die IHK für 2019 ein Finanzloch von fast 1,9 Millionen Euro in den Büchern stehen. Im kommenden Jahr soll das Defizit auf 720 000 Euro sinken.

„Wir haben uns einen harten Sparkurs verordnet“, sagt Klingen. So hätten alle Mitarbeiter auf eine tariflich vereinbarte Einmalzahlung von 27 Prozent eines Monatsentgelts verzichtet. Die Kammer-Beschäftigten werden nach dem Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie (ME) Saar bezahlt. Langfristig wirke sich zudem aus, dass die Mitarbeiter auch bei der Betriebsrente eine Absenkung akzeptiert hätten. Ihr künftiger Rentenanspruch sei um ein Drittel gekürzt worden.

Doch auch bei den Sachkosten hätte sich der Sparkurs ausgewirkt – allein in diesem Jahr mit Einsparungen von 280 000 Euro. So seien allein die Bewirtungskosten nach den IHK-Veranstaltungen um 30 000 Euro gesenkt worden. Außerdem soll es neben den frei zugänglichen vermehrt kostenpflichtige Veranstaltungen geben, „wenn die Mitglieder aus den dort präsentierten Informationen einen echten Mehrwert schöpfen können“, sagte Klingen. Erste Veranstaltungen dieser Art seien gut angenommen worden. Zudem habe die Kammer erstmals auf einen Betriebsausflug verzichtet. Stattdessen gab es Gegrilltes und Getränke bei einer Betriebsfeier im IHK-Innenhof.

Bis 2022 sind Sachkosten-Einsparungen von 600 000 Euro geplant, so der IHK-Chef. Außerdem wird beim Personal gekürzt. Mehrere Mitarbeiter gingen in den Ruhestand. Fast alle freigewordenen Stellen wurden nicht wieder besetzt. Umgerechnet seien dies fünf Vollzeitstellen gewesen. Darüber hinaus werden mehreren älteren Mitarbeitern Angebote gemacht, vorzeitig in Rente zu gehen. Bis 2022 soll die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze auf 95 sinken. Ende 2018 waren es noch 113.

Auch auf der Einnahmen-Seite hat sich die Situation verbessert, seitdem in den Jahren 2017 und 2018 die Beitragssatz-Senkungen aus 2012 und 2013 aufgehoben wurden. Für 2020 werden ähnlich hohe Beitragseinnahmen wie in diesem Jahr erwartet – nämlich 13,8 Millionen Euro. Auf dem Tiefpunkt im Jahr 2015 waren es nur noch 12,2 Millionen Euro gewesen. Derzeit zahlen die mehr als 55 000 IHK-Mitgliedsunternehmen wieder 0,3 Prozent ihres Gewerbeertrags, wobei rund die Hälfte der Mitglieder von Beitragszahlungen befreit sind. An Rücklagen stehen zudem noch 7,8 Millionen Euro in den Büchern.

Trotz der immer noch angespannten Finanzlage will die IHK ihren Zuschuss zur Kampagne Saarland-Marketing („Großes entsteht immer im Kleinen“) von 620 000 Euro bis einschließlich 2022 weiter überweisen. Bis dahin hat sie sich zu dieser Zahlung gegenüber der Landesregierung verpflichtet. „Was danach kommt, wird man sehen“, sagte Klingen.

Der IHK-Chef wird diese Entwicklung allerdings aus dem Ruhestand heraus verfolgen. Der 65-Jährige will sein Amt Ende 2020 abgeben. Der Nachfolger soll in einem Rekrutierungsprozess gefunden werden, bei dem eine große Personalberatungs-Gesellschaft, die ihren Sitz außerhalb des Saarlandes hat, eingeschaltet werden soll. In der Vollversammlung wurden Teilnehmern zufolge die Agenturen Egon Zehnder (Berlin), LAB & Company (Düsseldorf) und Kienbaum Consultants (Köln) genannt. Eine dieser drei Beratungsgesellschaften soll weibliche und männliche Kandidaten finden und eine Person aussuchen, die für die Position des IHK-Hauptgeschäftsführer in Frage kommt. „Das können auch Mitarbeiter aus unserem Haus sein“, betonte Klingen. Im April soll die oder der künftige Kammerchef der Vollversammlung vorgestellt und in der vor der Sommerpause stattfindenden Versammlung bestellt werden. Die Stabübergabe ist für Ende 2020 geplant.

Darüber hinaus soll nächstes Jahr die Digitalisierung der Arbeitsabläufe und der Kommunikation mit den Mitgliedern in Angriff genommen werden. Die Auszubildenden der Mitgliedsbetriebe müssten schon jetzt ihre Berichtshefte online führen, und auch die Anmeldungen zur Prüfung sollen bald digital möglich sein. Wie der Prozess weitergeht, „hängt unter anderem davon ab, wie schnell die Mitglieder ihre datenschutzrechtliche Einverständniserklärung erteilen“, sagte der dafür zuständige Geschäftsführer Mathias Hafner. Andere Online-Angebote sollen zudem bundesweit vereinheitlicht werden und würden daher über den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) laufen. „Das Ziel ist ein einheitliches Serviceportal, über das man alle Leistungen der IHK abrufen kann“, so Hafner.